London - Banker von Goldman Sachs in Großbritannien können nun doch mit einer schnelleren Auszahlung ihrer Boni rechnen. Allerdings müssen sie darauf wohl auch höhere Steuern zahlen. Denn die US-Investmentbank wird nach einem Aufschrei der Empörung auf die Nutzung eines Steuerschlupflochs verzichten.
Zunächst waren Pläne durchgesickert, wonach Goldman Boni für seine Banker in Großbritannien erst nach dem 6. April auszahlen werde, weil sie dann nur noch mit 45 statt mit 50 Prozent besteuert werden. Dies hatte zu Kritik unter anderem vom britischen Notenbankchef Mervyn King geführt. Das zeigte offenbar Wirkung. "Über eine Verschiebung wurde zwar nachgedacht, aber am Dienstag ist die Entscheidung gefallen, es nicht zu tun", sagte ein Insider der Agentur Reuters. Offiziell wollte sich Goldman am Dienstag zunächst nicht äußern.
In Großbritannien gilt der Spitzensteuersatz auf Einkommen von 50 Prozent noch bis zum 6. April, danach sinkt er auf 45 Prozent. Damit blieben bei einem Bonus von zum Beispiel einer Million Pfund prinzipiell 50.000 Pfund mehr im Geldbeutel des Bankers und 50.000 Pfund weniger in der Staatskasse. Bei den Zahlungen von Goldman geht es nach Angaben aus Kreisen um überfällige Boni aus den Jahren 2009, 2010 und 2011.
Notenbankchef King hatte erklärt, eine Auszahlung erst nach dem 6. April würde zwar nicht gegen das Gesetz verstoßen. Es sei aber bedrückend, wenn Menschen, die so viel Geld verdienten, mit Blick auf möglichst niedrige Steuern über den bestmöglichen Auszahlungstermin nachdächten.
In den USA hatte Goldman Sachs
indes Extravergütungen ins alte Jahr vorgezogen, um dort der Anhebung des Spitzensteuersatzes zum 1. Januar zuvorzukommen. Die Mitteilung über die Überweisung von insgesamt rund 65 Millionen Dollar an zehn Manager, darunter Goldman-Chef Lloyd Blankfein, erreichte die US-Börsenaufsicht am 31. Dezember und damit rund 24 Stunden bevor der US-Kongress die Steuererhöhung verabschiedete. Die Zahlung ging einige Wochen früher über die Bühne als üblich.
mmq/Reuters
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