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Bonusboom: Wall-Street-Banker erwarten Rekord-Geldregen

Finanzkrise - war da was? Zumindest nicht für die New Yorker Banker. Nach Berechnungen des "Wall Street Journals" können sie in diesem Jahr mit Rekordgehältern rechnen. Allein die größten 23 Geldhäuser werden voraussichtlich rund 95 Milliarden Euro an ihre Angestellten zahlen.

Wall Street: Die Finanzkrise ist vergessen, es geht wieder hoch hinaus Zur Großansicht
AFP

Wall Street: Die Finanzkrise ist vergessen, es geht wieder hoch hinaus

New York - Der Streit um Bonuszahlungen an Bankmanager lässt die Verursacher der Finanzkrise kalt: Die Angestellten an der New Yorker Wall Street können in diesem Jahr mit Rekordeinnahmen rechnen. Wie das "Wall Street Journal" auf Grundlage eigener Berechnungen berichtete, könnten die Gesamtbezüge in den 23 größten US-Finanzinstituten in diesem Jahr 140 Milliarden Dollar (95 Milliarden Euro) übersteigen.

Das wären zehn Milliarden Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007 und über 20 Milliarden Dollar mehr als noch 2008 - dem Jahr, als die Immobilienkrise den Bankensektor fast einstürzen ließ. Dem Bericht zufolge nehmen die Angestellten der Top-Banken in diesem Jahr im Schnitt 143.400 Dollar mit nach Hause, fast 2000 Dollar mehr als 2007.

Was die Banken ihren Angestellten bezahlen
Bank Erlöse (in Mrd. Dollar) Vergütung gesamt (in Mrd. Dollar) Vergütung pro Mitarbeiter (in Dollar)
Bank of America 124,2 30,0 106.040
J.P. Morgan Chase 103,0 29,5 133.971
Citigroup 94,1 22,1 71.204
Goldman Sachs 44,6 21,8 743.112
Morgan Stanley 23,3 16,4 263.595
BlackRock 4,3 1,6 318.205
Charles Schwab 4,3 1,6 128.920
Franklin Resources 4,2 1,0 128.647
CME Group 2,6 0,4 156.324
Ameritrade 2,4 0,5 110.443
Schätzungen des "Wall Street Journals" für 2009
Im Frühjahr hatten millionenschwere Bonuszahlungen an Manager des Versicherungskonzerns AIG, den die US-Regierung mit Steuergeldern vor dem Kollaps bewahren musste, in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Auf dem internationalen Parkett versuchen die einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer (G20) noch immer, die Bonuszahlungen für Finanzmanager auf eine einheitliche Grundlage zu stellen.

Das "Wall Street Journal" berichtete außerdem, dass neun ehemalige Manager der pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers von ihrem ehemaligem Arbeitgeber mehr als 100 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) einfordern. Diese stünden ihnen nach ihren Verträgen zu, berichtete die Zeitung. Die Beiträge zur Altersvorsorge und Aktienoptionen seien ihnen bereits bis zu fünf Jahre vor dem Kollaps der Bank im vergangenen September zugesagt worden.

Forderungen geltend gemacht haben der Zeitung zufolge unter anderem die ehemaligen Co-Chefs der Bank für Europa und den Nahen Osten, Riccardo Banchetti und Christian Meissner. Sie fordern demnach über 26 beziehungsweise 17 Millionen Dollar von der Pleitebank.

böl/AFP

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Forum - Finanzkrise schon vergessen?
insgesamt 7274 Beiträge
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1.
jinky, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
2.
Pinarello, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
3.
schensu 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Schelm-77 08.07.2009
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
5.
THM, 08.07.2009
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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G-20-Gipfel in Pittsburgh - die Beschlüsse
Manager-Boni
Die G-20-Chefs stellten erstmalig internationale Regelungen zur Begrenzung von Bonuszahlungen an Finanzmanager auf. Die Prämien sollen sich an "langfristiger Wertschaffung und nicht an exzessiven Risikoinvestitionen" orientieren. Garantierte Bonuszahlungen soll es nicht mehr geben. Auszahlungen sollen verzögert und bevorzugt in Aktien getätigt werden: Bricht der Gewinn ein, sollen die Prämien zurückgehalten werden. Die Boni sollen zudem einen bestimmten Prozentsatz des Eigenkapitals nicht übersteigen. Außerdem gelten schärfere Transparenzregeln.
Finanzmärkte
Um eine Wiederholung der Krise zu verhindern, sollen die Banken künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Dieses soll als Puffer in Krisenzeiten dienen und neue staatliche Rettungsaktionen unnötig machen. Bis Ende 2010 sollen die Mitgliedstaaten neue Regeln zu Qualität und Quantität von Eigenkapital ausarbeiten. Erst bis Ende 2012 sollen die neuen Anforderungen umgesetzt werden, um den Banken Zeit zur Erholung zu geben. Die USA wollen sich bis 2011 den strengeren europäischen Regeln (Basel II) unterwerfen.
Die G20
Die Gruppe der 20 größten Volkswirtschaften soll zum "obersten Forum für unsere internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit" werden, heißt es in dem Dokument. Bislang fiel diese Aufgabe eher der G8 zu, die anders als die G20 nur Industrieländer, aber keine Schwellenländer wie Brasilien, Indien oder China umfasst. Es soll jährliche Gipfeltreffen der G20 geben - im kommenden Jahr sogar gleich zwei: in Kanada und in Südkorea.
Der IWF
Auch beim Internationalen Währungsfonds soll das Gewicht der Schwellenländer steigen. Die Industrieländer sagten zu, mindestens fünf Prozent der Stimmrechte im IWF an die Schwellenländer zu übertragen. Die Industrieländer hätten damit immer noch eine knappe Mehrheit der Stimmrechte. Der IWF soll außerdem zur Kontrollinstanz für die Weltwirtschaft ausgebaut werden und die Wirtschaftspolitik der G-20-Staaten regelmäßig einer Prüfung unterziehen.
Welthandel
Die G-20-Staaten wollen die großen Ungleichgewichte im Welthandel besser ausgleichen. G-20-Mitglieder mit "nachhaltigen und bedeutsamen Überschüssen im Außenhandel" sollen ihre Binnennachfrage ankurbeln. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem die großen Exportnationen Deutschland und China. Länder mit einem Handelsdefizit wie etwa die USA hingegen sollen "die private Sparquote fördern und den Haushalt konsolidieren". Details und Zielmarken werden in dem Dokument aber nicht genannt.
Klimawandel
Zur Enttäuschung der deutschen Delegation gab es beim Klimaschutz keine nennenswerten Fortschritte. Mehrere Länder bekräftigten ihre Zweifel, ob der Klimaschutz beim G-20-Gipfel überhaupt eine Rolle spielen sollte. Die Länder verpflichteten sich aber, "mittelfristig" die Subventionen für fossile Energieträger auslaufen zu lassen, um umweltfreundlichere Energien zu fördern. Einen Zeitrahmen enthält das Dokument nicht. Zu den betroffenen Energieträgern zählt auch die Kohle, die in Deutschland hoch subventioniert wird.


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