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Hotelportal Booking.com: Kartellamt verbietet Bestpreis-Klauseln

Hotellobby in Heiligendamm: Garantie auf günstigste Preise wettbewerbswidrig Zur Großansicht
REUTERS

Hotellobby in Heiligendamm: Garantie auf günstigste Preise wettbewerbswidrig

HRS hat sie bereits streichen müssen - nun verbietet das Kartellamt auch Booking.com Bestpreis-Klauseln. Deutschlands größtes Hotelbuchungsportal darf sich laut Zeitungsbericht nicht mehr die günstigsten Preise garantieren lassen.

Booking.com muss in den kommenden Wochen die sogenannten Bestpreis-Klauseln aus seinen Verträgen mit deutschen Hotels streichen. Das Bundeskartellamt untersagt dem mit Abstand größten Hotelbuchungsportal in Deutschland diese Garantien, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Klauseln verstoßen demnach aus Sicht der Behörde gegen den Wettbewerb.

Bestpreis-Klauseln verpflichten die Hotels, bei einzelnen Online-Dienstleistern etwa den jeweils niedrigsten Preis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die jeweils günstigsten Buchungs- und Stornierungskonditionen anzubieten. Bereits im Februar hatte das Bundeskartellamt Booking.com abgemahnt.

Im Januar hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf eine gleichlautende Entscheidung des Bundeskartellamts gegen den damaligen Marktführer HRS bestätigt. "Die Bestpreis-Klauseln sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für die Verbraucher, da sie letztlich den Wettbewerb zwischen den Hotelbuchungsplattformen einschränken", begründete damals der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, die Haltung der Wettbewerbshüter.

Auch neuen Plattformanbietern würde durch derartige Klauseln der Zutritt zum Markt erschwert. Zudem werde auch der Wettbewerb zwischen den Hotels selbst gefördert, da sie sich über den Preis oder andere Konditionen differenzieren könnten. "Die Verbraucher haben von der Entscheidung daher unmittelbare Vorteile", sagte Mundt im Januar.

Die Priceline-Tochter Booking.com ist mit Abstand das größte Hotelbuchungsportal in Deutschland. Gemeinsam mit den Rivalen Expedia und HRS beherrscht sie große Teile des Markts.

fdi/Reuters

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1. richtig so
uksubs 23.12.2015
diese buchungsplattformen sind das allerletzte. sie klemmen sich zwischen anbieter und nachgfrager und kassieren kräftig ab. wofür? das hotel hat die raum-, lohn- und personalkosten und weit weniger gewinn, als ein buchungsportal an dieser buchung macht. die haben ein wenig personal- und raumkosten, der rest sind computerprogramme und ein paar dicke server. und das risiko bleibt schön bei den hotels. so weit beschneiden, wie es irgend geht!!!
2.
Zaunsfeld 23.12.2015
Diese Buchungsplattformen sind für viele Hotels Fluch und Segen zugleich. Ich bin beruflich eine Menge unterwegs und bin in 1 bis 3 verschiedenen Hotels pro Woche. Viele Hotels (vor allem Familien-geführte Hotels, kleinere Landhotels usw.) können es sich nicht leisten oder kriegen es nicht auf die Reihe, einen ordentlichen eigenen Internet-Auftritt zu erstellen und vor allem zu warten und auf dem aktuellen Stand zu halten. Dazu kommt noch, dass viele Hotels von potenziellen Gästen, die nach einem Hotel suchen, einfach nicht gefunden und gebucht werden würden, wenn es die Bunchungsportale nicht gäbe. Viele Hotels bekommen wirklich eine Menge Buchungen über diese Portale, die sie nie bekommen hätten ... gerade auch kleinere Hotels und familiengeführte. Zudem ist es für die Kunden einfach enorm praktisch, einen beliebigen Ort in Deutschland einzugeben und dann sortiert nach Entfernung, Bewertung, Ausstattung, Preis usw. alle Hotels aufgelistet zu bekommen, um vergleichen zu können. Nicht vergleichbar mit dem AUfwand, wenn man beispielsweise über Google sich mühsam einzelne Hotels heraussuchen müsste, um diese zu vergleichen, die Preise zu vergleichen, zu schauen, wo genau die überhaupt liegen usw. Das war jetzt der Segen. Und nun kommt der Fluch. Wenn ein Hotel in diesen Buchungsportalen erst mal eine Reihe schlechter Bewertungen und eine schlechte Durchschnittsbewertung eingefahren hat (egal ob berechtigt oder unberechtigt), dann war es das wohl gewesen mit dem Hotel. Denn kein Schwein bucht das Hotel dann noch, bestenfalls eben nur im Notfall, wenn gerade absolut nix mehr frei ist in der Region. Die Hotels sind also diesen Portalen und den dortigen Bewertungen absolut ausgeliefert. Darüber hinaus sind sie zum Teil enorm abhängig von den Portalen. Denn wenn ein Hotel dort nicht gefunden werden kann, wenn es da nicht angemeldet ist, kriegt es sogut wie keine Buchungen mehr. Und das lassen sich die Portale auch gut bezahlen. Hotel.de bzw. HRS nehmen mittlerweile 15% (!!!) vom Buchungspreis als Provision. 15%!!! Das komplette Risiko der Buchung, die Kosten usw. hat allein das Hotel. Das Buchungsportal hat lediglich ein paar Server und Algorithmen zur Verfügung gestellt, die im Vergleich zur massenhaften Zahl der Buchungen, die da pro Tag stattfinden, in keinem Kostenverhältnis stehen. Mittlerweile mache ich es so, dass ich mir ein schönes Hotel über hotel.de heraussuche und dann zumindest bei kleinen Landhotels und bei familiengeführten Häusern direkt im Hotel anrufe und buche. Ist für alle Beteiligten die beste Lösung.
3. Richtig so, aber Buchungsplattformen sind nicht das
hcbruns 23.12.2015
Die Entscheidung des Kartellamts ist natürlich richtig, denn ansonsten würde Booking.com auf kurz oder lang die Preise diktieren und eine Marktmacht erlangen, die vom Gesetzgeber nicht erwünscht ist. Aber Buchungsplattformen sind deshalb noch lange nicht das "Allerletzte"! Es ist nicht Schlimmes, wenn es zwischen Anbieter und Nachfrager einen Vermittler gibt. Das gab es übrigens immer schon und hieß und heißt "Reisebüro", und die weitere Instanz hieß "Reiseveranstalter"! And dessen Stelle sind teilweise HRS und Booking.com getreten. Daran ist nichts verwerflich. Außerdem ist kein Hotel dazu gezwungen, seine Zimmer über diese Portale anzubieten. Dass die meisten Hotels das dennoch tun, liegt daran, dass sie selbst auch davon profitieren (bessere Sichtbarkeit für die suchenden Gäste in aller Welt und damit letztlich besser Auslastung).
4. teilweise richtig
hoenir 23.12.2015
Zitat von uksubsdiese buchungsplattformen sind das allerletzte. sie klemmen sich zwischen anbieter und nachgfrager und kassieren kräftig ab. wofür? das hotel hat die raum-, lohn- und personalkosten und weit weniger gewinn, als ein buchungsportal an dieser buchung macht. die haben ein wenig personal- und raumkosten, der rest sind computerprogramme und ein paar dicke server. und das risiko bleibt schön bei den hotels. so weit beschneiden, wie es irgend geht!!!
Sehe ich nicht ganz so drastisch. Sicherlich ist die nun getroffene Entscheidung richtig um die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erhöhen. Andererseits sind wohl auch die Hotels selbst nicht ganz unschuldig an der eingetretenen Entwicklung. Immerhin kann man mit guten Bewertungen (nehmen wir mal an Sie sind nicht alle gefälscht) seine Auslastung auch deutlich erhöhen. Weiterhin ist es für einen potentiellen (Geschäfts-)Kunden mit durchschnittlich 5-10 Hotelübernachtungen pro Monat einfach zu aufwendig an mögliche Hotels erst eine "Buchungsanfrage" zu senden die dann auch nicht schnell beantwortet wird. Es gibt sicher einige Hotels, die mit Ihrem Onlineauftritt nicht nur bunte Bilder sondern auch Zimmerverfügbarkeiten anbieten - diese sind aber deutlich in der Unterzahl. Von daher kann ich an derartigen Portalen per se nichts schlechtes.
5. Wurde auch mal Zeit
stollenreiter 23.12.2015
Buchungsplattformen sind keine Teufel, gerade für jemanden wie mich der mehr im Hotel schläft als daheim sind sie ein Segen. Nur wenn sie Preise kontrollieren können haben sie nichts mehr am Markt verloren. Wer seine Konkurrenz auf diese Weise ausschalten will sollte penibel und peinlichst genau überprüft werden.
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