Boomender Anzeigenmarkt Frankreich beschließt Internet-Werbesteuer

Der Markt für Online-Werbung boomt, und die französische Regierung will daran mitverdienen: Wer bei Unternehmen wie Google Internetanzeigen schaltet, soll künftig zahlen. Bis zu 20 Millionen Euro könnte die Sondersteuer einbringen.

Google-Logo am Firmensitz in den USA: Frankreich will 20 Millionen Euro mitverdienen
AP

Google-Logo am Firmensitz in den USA: Frankreich will 20 Millionen Euro mitverdienen


Paris - Präsident Nicolas Sarkozy will nicht länger zusehen: Google streicht weltweit Milliarden mit Online-Werbung ein, ist in vielen Ländern unangefochtener Marktführer, auch in Frankreich. Versteuert werden die Einnahmen aus französischer Werbung hingegen in den USA, sagt die Regierung in Paris. Deshalb will Frankreich nun eine Sonderabgabe auf Online-Werbung einführen. Zahlen sollen diese Steuer die französischen Unternehmen, die bei Google und Co. Werbung schalten. Ein Prozent des Nettobetrags, den sie für die Anzeige bezahlen, sollen sie an den Staat abführen.

Zwischen 10 und 20 Millionen Euro im Jahr soll die neue "Google-Steuer" dem französischen Fiskus bringen. Die Regierung begründet die Maßnahme mit einem Ungleichgewicht: Die Werbung im Internet sei die einzige, die bisher nicht besteuert werde, heißt es in dem Begleittext zum Gesetzesvorschlag. Zum Vergleich: Allein die Abgaben auf Fernsehwerbung belaufen sich in Frankreich auf rund 70 Millionen Euro.

Am Dienstag passierte der Gesetzentwurf den französischen Senat. Da der Text noch nicht in der Nationalversammlung beraten wurde, muss er noch einen Vermittlungsausschuss der beiden Parlamentskammern passieren. Dass das Gesetz gekippt wird, gilt als unwahrscheinlich.

Alternativen zur Besteuerung der Werbetreibenden wurden verworfen. Werbeplattformen wie Google hätten ihren Sitz außerhalb Frankreichs und könnten deswegen nur über eine Sondersteuer belangt werden, argumentierte der zuständige Senator Philippe Marini.

Präsident Sarkozy hatte bereits Anfang des Jahres eine Sonderabgabe für Google sowie für dessen Konkurrenten gefordert. "Diese Unternehmen werden dort besteuert, wo sie ihren Sitz haben, dabei schöpfen sie einen Teil unseres Werbemarktes ab", sagte er. Sarkozy plädierte zudem dafür, die Wettbewerbshüter einzuschalten, um die dominante Stellung des US-Konzerns auf dem Online-Werbemarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission lehnte dies aber zunächst ab.

ore/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Michael Giertz, 24.11.2010
1. Lachhaft
Zitat von sysopDer Markt für Online-Werbung boomt, und die französische Regierung will daran mitverdienen: Wer bei Unternehmen wie Google*Internet-Anzeigen schaltet, soll*künftig zahlen. Bis zu 20*Millionen Euro könnte die Sondersteuer einbringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730839,00.html
Lachhaft. Man bringt zehntausende Menschen gegen sich auf wegen einer offenbar wenig lukrativen Steuer? Was sind schon 20 Millionen Euro an Steuern pro Jahr? Hat man nicht erst kürzlich mehrere Milliarden in Banken versenkt? Da sind die 20 Millionen schon weniger als der Schuldzins für die Milliarden ... Aber hey, Kreativität muss auch belohnt werden. Wann wohl auch noch eine Methangassteuer für Menschen kommt? Wer furzt schadet der Umwelt und um die Umwelt zu retten braucht der Staat Geld - also her mit der Furzsteuer!
Oberleerer 24.11.2010
2. Alter Hut
Sowas nennt sich Quellensteuer und ist eine gerechte Sache, die aber durch "Absprachen" nie eingeführt wurde. Wenn die Steuer dort fällig werden würde, wo das Geschäft stattfindet, wäre vielen geholfen. Sogar Ikea müßte dann Steuern zahlen.
ralf_si 24.11.2010
3. Kein Wunder für mich
"Sarkozy plädierte zudem dafür, die Wettbewerbshüter einzuschalten, um die dominante Stellung des US-Konzerns auf dem Online-Werbemarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission lehnte dies aber zunächst ab." Sieht so aus, als ob das Unternehmen "gute" Lobbyarbeit geleistet hat.
Mitten in Bayern, 24.11.2010
4. Frankreich - Deutschland 1:0
Da haben die französischen Steuererfinder ihre deutschen doch glatt links überholt :D. Kommt normal selten vor, weil wir das Mutterland der dümmsten Steuern sind.
DJ Doena 24.11.2010
5. Standpunkt
Zitat von ralf_si"Sarkozy plädierte zudem dafür, die Wettbewerbshüter einzuschalten, um die dominante Stellung des US-Konzerns auf dem Online-Werbemarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission lehnte dies aber zunächst ab." Sieht so aus, als ob das Unternehmen "gute" Lobbyarbeit geleistet hat.
Und wenn es nicht Google sondern Le Google wäre, dann würde Sarkozy Zeter und Mordio schreien, wenn die EU-Kommission eine solche Überprüfung andächte.
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