Boomender Arbeitsmarkt: Dax-Riesen wollen 40.000 Mitarbeiter einstellen

In Deutschland gibt es erstmals in diesem Jahr wieder weniger als drei Millionen Arbeitslose - und auch die weiteren Aussichten sind bestens. Laut einer Umfrage von manager-magazin.de wollen Großkonzerne in diesem Jahr Tausende Stellen schaffen. Allen voran geht die boomende Autoindustrie.

Jobmarkt 2011: Dax-Konzerne planen rund 40.000 Neueinstellungen Fotos
AP

Hamburg/Nürnberg/Halle - Der deutsche Arbeitsmarkt steht so gut da wie lange nicht mehr: Weniger als drei Millionen Arbeitslose im Mai, ein Rekordhoch bei den Beschäftigten - und die Aussicht auf einen langfristigen Positivtrend. Denn Deutschlands Industriekonzerne planen Tausende Einstellungen. Das hat manager-magazin.de in einer aktuellen Umfrage unter den Dax-Konzernen ermittelt. Zudem wurden die Geschäftsberichte der Unternehmen analysiert. Das Ergebnis: Die 30 im Dax Chart zeigen Chart zeigen notierten Konzerne planen, in diesem Jahr rund 40.000 Mitarbeiter einzustellen, viele Tausende davon in Deutschland.

Zu den Jobmotoren gehört vor allem die Automobilindustrie Chart zeigen. Allein Daimler Chart zeigen will in diesem Jahr mindestens 10.000 Stellen schaffen, davon 4000 in Deutschland. BMW Chart zeigen kündigte die Einstellung von 2000 Mitarbeitern an, davon sollen 1000 in Deutschland arbeiten. Und Volkswagen Chart zeigen will mittelfristig 5000 bis 6000 neue Mitarbeiter allein an den deutschen Standorten unter Vertrag nehmen.

Ganz vorne auch die Lufthansa Chart zeigen- sie hat angekündigt, in diesem Jahr 4000 neue Mitarbeiter in Deutschland einzustellen.

Die Handelsgrößen unter den Dax-Unternehmen stellen dagegen vor allem im Ausland ein. So rechnet Adidas Chart zeigen mit bis zu 2500 neuen Jobs in seinem Auslandsfilialgeschäft, Metro Chart zeigen beziffert den Mitarbeiterzuwachs im Ausland auf mehrere tausend.

Gegen den Trend wollen einzelne Dax-Unternehmen aber auch Stellen einsparen: Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will rund 2000 Stellen abbauen. Auch bei der Commerzbank Chart zeigen ist der durch die Fusion mit der Dresdner Bank bedingte Stellenabbau noch nicht abgeschlossen. Bis 2013 sollen weltweit rund 9000 Vollzeitstellen gestrichen werden.

Wirtschaftsinstitute setzen Prognosen herauf

Die Unternehmen haben dank des Aufschwungs volle Auftragsbücher - und sind entsprechend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Laut Ökonomen ist das ein Hauptgrund für den florierenden Arbeitsmarkt: Erstmals ist seit sieben Monaten die Zahl der Erwerbslosen im Mai wieder unter die Drei-Millionen-Marke gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, waren 2,96 Millionen Menschen arbeitslos. Zugleich stieg die Zahl der Beschäftigten im April mit 40,79 Millionen auf ein Rekordhoch. BA-Chef Weise zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeitslosigkeit bis Jahresende unter der Drei-Millionen-Marke bleiben werde.

Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass der Aufschwung weiter anhält: Das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle hat seine Prognose für Deutschland erneut angehoben. Im laufenden Jahr sei mit einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent zu rechnen, teilte das Institut mit. Damit dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erneut so kräftig wie im vergangenen Jahr zulegen. Im März hatten die Forscher für 2011 noch ein geringeres Wachstum von 3,0 Prozent prognostiziert. Auch das Institut geht davon aus, dass sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bis zum Jahresende weiter verbessern werde.

In den Euro-Ländern bleibt die Arbeitslosigkeit dagegen unverändert hoch. Im April stagnierte die Arbeitslosenquote laut Europäischem Statistikamt wie in den beiden Vormonaten bei 9,9 Prozent. Es gebe jedoch große Unterschiede zwischen den Staaten. So meldeten Österreich und die Niederlande mit 4,2 Prozent die niedrigste Quote - Schlusslicht sind mit 20,1 Prozent Spanien, Litauen und Lettland.

seh/Reuters/dpa

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insgesamt 59 Beiträge
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1. Vorbote "Human-Kapital"
Cui Bono? 31.05.2011
Eigentlich eine schöne Nachricht. Andererseits kann man in dem schrecklichen Begriff Humankapital auch synonym mit "Kündigungs-Masse" sehen. In guten Zeiten aquiriert man Mase, die man dann in schlechten Zeiten, sprich die nächste Krise, wieder freisetzen kann. Aber wie gesagt, besser Arbeit als gar keine, insofern schon ok.
2. Ja klar......
analyst2 31.05.2011
Zitat von sysopIn Deutschland gibt es erstmals in diesem Jahr wieder weniger als drei Millionen Arbeitslose - und auch die weiteren Aussichten sind bestens.*Laut einer Umfrage von manager-magazin.de wollen Großkonzerne in diesem Jahr Tausende Stellen schaffen. Allen voran geht die boomende Autoindustrie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,765887,00.html
...am liebsten von einem Leiharbeitsunternehmen und einem Tarifvertrag der Christlichen Gewerkschaft.
3. Polnische Verhältnisse
wekrue 31.05.2011
Das man sich überhaupt wagt eine solche Nachricht unrelativiert zu melden, zeigt wie sehr die wahren Verhältnisse im Interesse der Profiteure erfolgreich verschleiert werden. Von den 40.000 neuen Arbeitsplätzen wird der Großteil unterbezahlte Zeitarbeitsplätze sein, die wenn es gut läuft nicht auch noch aufgestockt werden müssen. Es ist schon mehr als verdächtigt, dass diese Arbeitsplätze pünktlich zur Arbeitsplatzfreizügigkeit seit 1.Mai auf einmal da sind. Und nicht nur dass, nein tariflich bezahlte Arbeitsplätze werden zugunsten dieser hire and fire Schleudersitze auch noch abgebaut. Fazit: Die Zeiten in denen eine boomende Wirtschaft auch steigender Wohlstand für die breiten Massen bedeutet hatten sind endgültig vorbei. Wo das Ganze endet? Das endet dann, wenn nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren die Löhne der alten Industrienationen mit denen der Schwellenländer im Gleichgewicht stehen. Es gibt noch viele Lohnkosten zu sparen, packen wir es an!
4. ...
eumel2 31.05.2011
Leider wird wohl auch dieser Thread alles in Frage stellen. Dabei ist das eine tolle Entwicklung, wenngleich sie leider asymetrisch verläuft (wahrscheinlich zuviele Stellen in der ZA-Branche, zu viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse). ABER: Trotz Wirtschaftskrise mit beine zweistelliger Wirtschaftsschrumpfung haben wir keine 2 Jahre später zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung wieder weniger als 3 Mio Arbeitslose (ok, es sind eher 3,3 Mio nach statistischer Rückbereinigung - dennoch gutes Ergebnis). Ich sage nur - KLASSE! Das stärkt den Binnenmarkt und schafft zusätzliche Wachstumspotentiale abseits der Exporte! Und jetzt mache ich mir noch ein paar Feinde: Es zeigt sich zudem, dass die HartzIV-Gesetzgebung - bei aller Berechtigter Kritik - eine gute Entscheidung war, denn zum Ersten mal seit den 80er Jahren können wir sagen, dass es LANGFRISTIG (d.h. seit 5+ Jahre) einen Rückgang der Arbeitslosigkeit gibt. Wer sich die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland seit dem Ende der "Vollbeschäftigung" ansieht, wird feststellen, dass es langfristig sonst immer zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit gekommen ist (Konjunkturelle Schwankungen mal außen vor gelassen). Dieser Trend ist seit 2005 - das muss man auch einmal anerkennen - gebrochen. Bravo !
5. 40.000 neue Jobs?
brunokoch 31.05.2011
Wir alle wissen doch inzwischen, wie solche Jubelmeldungen zu deuten sind: Die Hälfte dieser Jobs wird im Ausland geschaffen. Von den verbleibenden 20.000 Jobs im Inland ist die Hälfte befristet zu besetzen. Von den dann verbleibenden 10.000 Jobs ist die Hälfte per Zeitarbeit ausgeschrieben. Von den dann verbleibenden 5.000 Jobs ist die Hälfte ein Teilzeit-Job. Von den verbleibenden 2.500 Jobs ist die Hälfte Scheinselbständigkeit. Von den verbleibenden 1.250 Jobs ist die Hälfte per Frauenquote für Frauen reserviert, und für den kläglichen Rest findet sich niemand, weil die Jobansprüche in keinem Verhältnis zur Ausbildung oder Entlohnung stehen. Fazit: Eine Nullnummer!
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