Hamburg/Nürnberg/Halle - Der deutsche Arbeitsmarkt steht so gut da wie lange nicht mehr: Weniger als drei Millionen Arbeitslose im Mai, ein Rekordhoch bei den Beschäftigten - und die Aussicht auf einen langfristigen Positivtrend. Denn Deutschlands Industriekonzerne planen Tausende Einstellungen. Das hat manager-magazin.de in einer aktuellen Umfrage unter den Dax-Konzernen ermittelt. Zudem wurden die Geschäftsberichte der Unternehmen analysiert. Das Ergebnis: Die 30 im Dax
notierten Konzerne planen, in diesem Jahr rund 40.000 Mitarbeiter einzustellen, viele Tausende davon in Deutschland.
Zu den Jobmotoren gehört vor allem die Automobilindustrie
. Allein Daimler
will in diesem Jahr mindestens 10.000 Stellen schaffen, davon 4000 in Deutschland. BMW
kündigte die Einstellung von 2000 Mitarbeitern an, davon sollen 1000 in Deutschland arbeiten. Und Volkswagen
will mittelfristig 5000 bis 6000 neue Mitarbeiter allein an den deutschen Standorten unter Vertrag nehmen.
Ganz vorne auch die Lufthansa
- sie hat angekündigt, in diesem Jahr 4000 neue Mitarbeiter in Deutschland einzustellen.
Die Handelsgrößen unter den Dax-Unternehmen stellen dagegen vor allem im Ausland ein. So rechnet Adidas
mit bis zu 2500 neuen Jobs in seinem Auslandsfilialgeschäft, Metro
beziffert den Mitarbeiterzuwachs im Ausland auf mehrere tausend.
Gegen den Trend wollen einzelne Dax-Unternehmen aber auch Stellen einsparen: Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will rund 2000 Stellen abbauen. Auch bei der Commerzbank
ist der durch die Fusion mit der Dresdner Bank bedingte Stellenabbau noch nicht abgeschlossen. Bis 2013 sollen weltweit rund 9000 Vollzeitstellen gestrichen werden.
Wirtschaftsinstitute setzen Prognosen herauf
Die Unternehmen haben dank des Aufschwungs volle Auftragsbücher - und sind entsprechend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Laut Ökonomen ist das ein Hauptgrund für den florierenden Arbeitsmarkt: Erstmals ist seit sieben Monaten die Zahl der Erwerbslosen im Mai wieder unter die Drei-Millionen-Marke gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, waren 2,96 Millionen Menschen arbeitslos. Zugleich stieg die Zahl der Beschäftigten im April mit 40,79 Millionen auf ein Rekordhoch. BA-Chef Weise zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeitslosigkeit bis Jahresende unter der Drei-Millionen-Marke bleiben werde.
Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass der Aufschwung weiter anhält: Das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle hat seine Prognose für Deutschland erneut angehoben. Im laufenden Jahr sei mit einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent zu rechnen, teilte das Institut mit. Damit dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erneut so kräftig wie im vergangenen Jahr zulegen. Im März hatten die Forscher für 2011 noch ein geringeres Wachstum von 3,0 Prozent prognostiziert. Auch das Institut geht davon aus, dass sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bis zum Jahresende weiter verbessern werde.
In den Euro-Ländern bleibt die Arbeitslosigkeit dagegen unverändert hoch. Im April stagnierte die Arbeitslosenquote laut Europäischem Statistikamt wie in den beiden Vormonaten bei 9,9 Prozent. Es gebe jedoch große Unterschiede zwischen den Staaten. So meldeten Österreich und die Niederlande mit 4,2 Prozent die niedrigste Quote - Schlusslicht sind mit 20,1 Prozent Spanien, Litauen und Lettland.
seh/Reuters/dpa
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