Pumpspeicherkraftwerk Bottroper Zeche hat das Zeug zur Riesenbatterie

Wo heute noch Kohle abgebaut wird, könnte künftig Strom aus Wind und Sonne gespeichert werden: Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop ist laut einer Studie für den Umbau zum Speicherkraftwerk geeignet. Noch rechnet sich das allerdings nicht.

Bergleute in der Zeche Prosper-Haniel (2011)
DPA

Bergleute in der Zeche Prosper-Haniel (2011)


Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop könnte nach seiner Schließung Ende 2018 in einen Stromspeicher für rund 450.000 Haushalte umgewandelt werden. Die Anlage sei von der Geologie her geeignet, und die Kosten von etwa 250 bis 300 Millionen Euro lägen nicht höher als bei oberirdischen Speicherkraftwerken, sagte der Duisburger Professor für Wasserbau, André Niemann, bei der Vorstellung des Gutachtens in Bottrop.

"Die Zeche könnte eine große Batterie werden", so NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), der für die weitere Erforschung des Vorhabens einen Förderbescheid über 850.000 Euro überreichte. Das Umweltministerium hatte die Studie 2012 in Auftrag gegeben. In dieser wurde auch eine Umwandlung der Zeche Auguste Victoria in Marl geprüft, die Empfehlung fiel nun aber zugunsten von Bottrop aus. "Die Experten sind der Meinung, dass sich Bottrop am besten eignet", sagte ein Ministeriumssprecher SPIEGEL ONLINE.

Speicherkraftwerke werden wegen der Energiewende bundesweit dringend gebraucht, um den in großer Zahl produzierten Wind- und Sonnenstrom aufzunehmen. Ein Speicherkraftwerk in einer Steinkohlezeche wäre weltweit einmalig und würde "enorme Strahlkraft" auch für den Export entfalten, sagte Niemann. Allerdings rechne sich angesichts des sehr niedrigen Börsenstrompreises ein Pumpspeicherkraftwerk derzeit nicht. Die Bauzeit des Projektes läge bei etwa fünf Jahren.

Allerdings sind dafür Remmel zufolge bessere politische Rahmenbedingungen nötig. Ein Pumpspeicherkraftwerk müsse auf Dauer auch wirtschaftlich laufen, sonst nehme kein Investor die nötigen dreistelligen Millionensummen in die Hand. NRW möchte unter anderem Entlastungen von Speicherkraftwerken bei der EEG-Umlage.

Nachgedacht wird in Bottrop über ein Kraftwerk mit einem Oberbecken über Tage und einem Unterbecken in 600 Metern Tiefe im Bergwerk. Das Wasser wird hochgepumpt, wenn viel Strom in den Netzen ist und treibt beim Herabstürzen in den Schacht eine Turbine an, um wieder Strom zu erzeugen.

Der Hauptvorteil einer unterirdischen Anlage liegt in der Akzeptanz: Oberirdische Anlagen stoßen vielfach auf Proteste von Umweltschützern, mehrere Großprojekte wurden deshalb in den vergangenen Jahren wieder aufgegeben. Für die mögliche Anlage in Bottrop wird in der zweiten Phase der Studie ein Betreiber- und Investorenmodell geprüft.

dab/dpa

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insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
C-Hochwald 25.08.2016
1. Akzeptanzfrage
Sie schreiben: Der Hauptvorteil einer unterirdischen Anlage liegt in der Akzeptanz: Oberirdische Anlagen stoßen vielfach auf Proteste von Umweltschützern, mehrere Großprojekte wurden deshalb in den vergangenen Jahren wieder aufgegeben. Es wird auch für Untertagelösungen genug Proteste und Klagen geben, darauf würde ich wetten. Leider stehen seit Jahren zu viele wirklich gute Projekte und Technologien in einer Sackgasse, weil zuviel geklagt wird, nach dem Motto: "Energiewende und alternative Technologie sehr gerne, nur bitte nicht in meiner Nähe".
td66 25.08.2016
2. Leistung?
Es wäre schön zu erfahren, über welche Leistung (und wie lange) wir hier eigentlich reden. Ausserdem würde mich mal interessieren, welche Erdbeben da so ausgelöst werden, wenn ein paar Tonnen Wasser nach 600m Tiefe rauschen. Bei den 300Mio€ bleibt es mti Sicherheit auch nicht. Denn so ein Duisburger Professor für Wasserbau hat bestimmt noch nie ein Kraftwerk gebaut. Aber sei es drum, die Kosten sollten eh die Verursacher tragen (PV- und WKA-Betreiber).
Byrne 25.08.2016
3.
Wäre mal interessant zu wissen, wie teuer der Strom noch werden muss, damit sich solch ein unterirdisches Pumpspeicherwerk für den Betreiber lohnt.
knuty 25.08.2016
4.
Zitat von td66Es wäre schön zu erfahren, über welche Leistung (und wie lange) wir hier eigentlich reden. Ausserdem würde mich mal interessieren, welche Erdbeben da so ausgelöst werden, wenn ein paar Tonnen Wasser nach 600m Tiefe rauschen. Bei den 300Mio€ bleibt es mti Sicherheit auch nicht. Denn so ein Duisburger Professor für Wasserbau hat bestimmt noch nie ein Kraftwerk gebaut. Aber sei es drum, die Kosten sollten eh die Verursacher tragen (PV- und WKA-Betreiber).
Bitteschön: "Das potentielle Pumpspeicherkraftwerk auf Prosper Haniel böte eine Fallhöhe von bis zu 600 m und könnte bei einem geplanten Speichervolumen von 600.000 m³ bei voller Ladung etwa vier Stunden lang eine Leistung von ca. 200 MW erbringen." Genau das soll ja in der nächsten Phase der Machbarkeitsstudie heraus gefunden werden: "So sollen beispielsweise neben der Untersuchung von hydraulischen Aspekten bei der Befüllung und Entleerung des Speichers auch Konzepte der Arbeits- und Betriebssicherheit entwickelt werden." http://www.umwelt.nrw.de/pressebereich/detail/news/2016-08-25-minister-remmel-uebergibt-foerderbescheid-fuer-pumpspeicherkraftwerk-auf-zeche-haniel-in-bottrop/
knuty 25.08.2016
5.
Zitat von ByrneWäre mal interessant zu wissen, wie teuer der Strom noch werden muss, damit sich solch ein unterirdisches Pumpspeicherwerk für den Betreiber lohnt.
Auch das soll in der nächsten Phase der Machbarkeitsstudie genauer untersucht werden. Die Kosten sollen zwischen 600-2400 €/kW liegen.
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