"Deepwater Horizon"-Katastrophe BP kommt mit geringer Strafe davon

Der Ölkonzern BP wird wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine niedrigere Strafe zahlen müssen als erwartet. Nach dem Urteil eines US-Bundesgerichts muss BP höchstens 13,7 Milliarden Dollar zahlen.

Brennende Ölplattform "Deepwater Horizon": Geringere Strafe als erwartet
AP

Brennende Ölplattform "Deepwater Horizon": Geringere Strafe als erwartet


Houston - Etappensieg für den britischen Ölkonzern BP: Nach einem Urteil eines US-Bundesrichters muss BP wegen der verheerenden Explosion auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon" und der davon ausgelösten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine Buße von maximal 13,7 Milliarden Dollar zahlen. Das ist zwar mehr, als von BP geschätzt, aber deutlich weniger, als von der US-Regierung erwartet.

Strittig war, wie viel Erdöl 2010 bei der größten Ölpest in der US-Geschichte ausgelaufen ist. Richter Carl Barbier kam demnach auf 3,19 Millionen Barrel, während die Schätzung der US-Regierung 4,09 Millionen Barrel lautete. Für jedes Barrel (159 Liter) ausgelaufenes Öl muss BP wegen des Verstoßes gegen das Gesetz zum Gewässerschutz ("Clean Water Act") bis zu 4300 Dollar zahlen. Das ist die gesetzliche Höchststrafe wegen grober Fahrlässigkeit, bei Fahrlässigkeit beträgt sie 1100 Dollar je Barrel. BP hatte eine Strafgrenze von 3000 Dollar pro Barrel gefordert.

Zumindest beim Stopfen des Lecks nach dem Unfall habe BP aber nicht grob fahrlässig, rücksichtslos oder mutwillig gehandelt, schrieb Richter Carl Barbier. Nach Ansicht der US-Regierung hätte der Konzern mit bis zu 17,6 Milliarden Dollar haften müssen. Die genaue Strafhöhe wird in einem dritten Verfahrensabschnitt festgelegt, das in der kommenden Woche beginnt.

Die Explosion auf der Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 hatte elf Menschen getötet. 87 Tage lang strömte Öl in den Golf von Mexiko, es verschmutzte das Wasser und die Küsten in der Umgebung. Neben der Strafe wegen des Verstoßes gegen das Gesetz zum Gewässerschutz könnten weitere Zahlungen auf BP zukommen. Der Konzern hat mehr als 42 Milliarden Dollar für Schadensersatz, Strafen und Reinigungskosten zurückgestellt. Erst im Dezember war der Konzern mit seiner Berufung gegen einen Milliarden-Vergleich nach der Ölpest endgültig gescheitert.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Gort 16.01.2015
1.
13,7 Milliarden sollen eine "geringe Strafe" sein? Echt mal, liebes SPON, ich verstehe ja die Notwendigkeit von knackigen Schlagzeilen. Aber die sollten doch bitte bei der Wahrheit bleiben. Und 13.700 Millionen kann man wohl kaum als "gering" bezeichnen.
Atheist_Crusader 16.01.2015
2.
"Für jedes Barrel (159 Liter) ausgelaufenes Öl muss BP wegen des Verstoßes gegen das Gesetz zum Gewässerschutz ("Clean Water Act") bis zu 4300 Dollar zahlen. Das ist die gesetzliche Höchststrafe wegen grober Fahrlässigkeit, bei Fahrlässigkeit beträgt sie 1100 Dollar je Barrel. BP hatte eine Strafgrenze von 3000 Dollar pro Barrel gefordert." GEFORDERT. Sowas erlebt man wirklich nur bei Wirtschaftsverbrechen, dass sich Verbrecher anmaßen ihr Strafmaß selbst bestimmen zu können. Und wie werden die Verluste getragen? Wahrscheinlich verschlankt man ein bisschen die Strukturen, also schmeißt ein paar tausend völlig Unschuldige aus den untersten Rängen aus. Die Verursacher dieser "sparen wir doch an Sicherheit und Katastrophenprävention"-Misere werden schlimmstenfalls gefeuert, behalten aber auf jeden Fall ihre prall gefüllten Konten und ihre Freiheit.
marcw 16.01.2015
3.
Könnt Ihr es nicht lassen selbst bei so kurzen, hauptsächlich aus Material von Presseagenturen bestehenden Artikeln noch eine wertende Schlagzeile drauf zu klatschen?
Mannheimer011 16.01.2015
4. Neulich im Radio
kam ein Bericht über die Situation am Golf von Mexiko. Darin wurde gesagt, dass die Fischer auf dem Meer mit massiven gesundheitlichen Problemen kämpfen, die wohl von den Öl-Zersetzungsmitteln kommen. British Pinnochio "kauft" die Wissenschaftler, damit es keine direkte Zuordnung und Entschädigungen gibt.
trus 16.01.2015
5.
In dieser Situation noch Forderungen zu stellen, ist eine glatte Frechheit. Mit der Umwelt spielen, und bei den erstbesten Konsequenzen die Hände in die Luft reißen. Aber machen andere Ölkonzerne ja auch nicht anders. -.-
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