Dammbruch in Brasilien Polizei nimmt TÜV-Süd-Mitarbeiter fest

Wer trägt die Verantwortung für die verheerende Minenkatastrophe in Brasilien? Im Visier steht die Bergbaufirma Vale - und der TÜV Süd, der die nun gebrochenen Dämme geprüft hatte.

TÜV-Süd-Gebäude in München
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

TÜV-Süd-Gebäude in München


Nach dem verheerenden Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien hat die Polizei zwei Mitarbeiter des Münchner Unternehmens TÜV Süd festgenommen. "Wir können zum jetzigen Zeitpunkt bestätigen, dass zwei Mitarbeiter von TÜV Süd in Brasilien verhaftet wurden", teilte die Firma mit. Zur Staatsangehörigkeit wollte sich das Unternehmen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern. "Aufgrund der laufenden Ermittlungen können wir zurzeit keine weiteren Auskünfte geben. Wir unterstützen die Ermittlungen vollumfänglich." Der TÜV Süd hatte im vergangenen Jahr die Dämme an der Mine geprüft.

Zudem nahm die Polizei drei Mitarbeiter der Betreiberfirma Vale fest. Der Bergbaukonzern teilte mit, das Unternehmen arbeite mit den Behörden zusammen. "Vale wird die Ermittlungen weiterhin unterstützen, um die Fakten zu klären", hieß es in einer Stellungnahme.

Der Damm an der Mine Córrego do Feijao war am Freitag gebrochen. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen hinweg und schlug eine Schneise der Zerstörung. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg auf 65, wie der Zivilschutz mitteilte. 279 weitere Menschen wurden noch vermisst.

Die Zahl der Todesopfer dürfte demnach noch steigen. "Leider ist es sehr unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden", sagte Feuerwehrsprecher Pedro Aihara im Fernsehsender Globo News.

Im Jahr 1866 als "Dampfkesselrevisionsverein" gegründet, ist der TÜV Süd heute ein weltweit tätiger Konzern. Die Abkürzung steht für Technischer Überwachungsverein. Der TÜV Süd ist die größte der deutschen TÜV-Holdings. Konkurrenten sind etwa der TÜV Rheinland und der TÜV Nord.

Laut dem aktuellen Jahresbericht des TÜV Süd von 2017 arbeiten an 1000 Standorten in 50 Ländern mehr als 24.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaften. Neben der bekannten Hauptuntersuchung für Autos testet und zertifiziert der TÜV Süd beispielsweise auch Schulranzen, berufliche Fortbildungen und Atomkraftwerke.

Mehr zu den Hintergründen finden Sie hier: Wer trägt die Verantwortung für die Schlammlawine?

beb/dpa/AFP



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