Einfuhrbeschränkungen Brasilien stimmt Importeure im Gammelfleischskandal um

In Brasilien haben mehrere Hersteller Gammelfleisch verkauft, die Folge waren rigide Einfuhrstopps einiger Länder. Jetzt kämpft die Regierung um den Ruf der Branche - der Präsident lädt sogar ins Steakhaus ein.

Theke einer Metzgerei in São Paulo, Brasilien
DPA

Theke einer Metzgerei in São Paulo, Brasilien


Bei ihren intensiven diplomatischen Bemühungen zur Eindämmung des Gammelfleischskandals macht die brasilianische Regierung Fortschritte: China, Ägypten und Chile kündigten am Wochenende das Ende ihrer zu Wochenbeginn verhängten Einfuhrstopps an. Die Importbeschränkungen sollen sich nur noch gezielt auf die 21 in den Gammelfleischskandal verwickelten Produzenten beziehen. Zuvor galt das Verbot gegen sämtliche brasilianischen Fleischhersteller.

China, Ägypten und Chile gehören zu den sechs wichtigsten Abnehmern von Rindfleisch aus Brasilien. Mit Fleischexporten erlöst das Land einen Jahresumsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro. Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Rindfleisch. In dem vor Kurzem bekannt gewordenen Skandal sollen Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Die brasilianische Verbraucherschutzbehörde veranlasste darauf eine Rückrufaktion.

Für die EU wurde am Freitagabend eine Importbeschränkung bekannt gegeben, die allerdings ebenfalls nur die 21 unter Verdacht stehenden Hersteller betrifft.

280 Entlassungen

Die brasilianische Regierung forderte die Welthandelsorganisation auf, die 163 Mitgliedstaaten von "willkürlichen" Einfuhrbeschränkungen abzuhalten. Sie startete eine Kampagne zur Wiederherstellung des Rufs der Fleischbranche und wies darauf hin, dass von den 4000 in der Fleischverarbeitung tätigen Unternehmen nur 21 von dem Skandal betroffen seien.

Unter den 11.000 Beschäftigten des Landwirtschaftsministeriums beziehe sich der Manipulationsvorwurf lediglich auf 33. Während im vergangenen Jahr 853.000 Fleischlieferungen exportiert worden seien, seien nur 184 Lieferungen in Manipulationsverdacht geraten.

Brasiliens Präsident Michel Temer lud als vertrauensbildende Maßnahme sogar Botschafter aus Importländern in ein Steakhaus in Brasilia ein.

Inzwischen wurden mehr als 30 Verdächtige festgenommen und drei Unternehmen geschlossen. Das Großunternehmen JBS kündigte am Donnerstag an, die Arbeit in 33 von 36 fleischverarbeitenden Betrieben vorerst ruhen zu lassen. In zwei anderen Unternehmen gab es bereits 280 Entlassungen.

Gammelfleischgefahr in der EU laut Verband "höchst unwahrscheinlich"

Der Verband der Fleischwirtschaft (VdF) in Deutschland hatte nach Bekanntwerden des Skandals betont: "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Rindfleischimporte der EU von den aktuell aufgedeckten Straftaten in Brasilien betroffen sind oder waren." Es würden nur ganze Teilstücke geliefert und keine Fleischmischungen oder mit Zutaten verarbeitete Erzeugnisse. Wegen der langen Transportdauer würden die Lieferungen direkt am Produktionsort vakuumverpackt.

Zudem würden Fleischimporte einer veterinären Einfuhruntersuchung unterzogen. Deutschland bezog dem Verband zufolge zuletzt 9000 Tonnen Rind- und 21.000 Tonnen Geflügelfleisch aus Brasilien pro Jahr.

cst/Afp



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