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Flugzeugbauer Embraer: Brasiliens riesiger Nischenspieler

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In Deutschland ist Embraer kaum bekannt, in Brasilien einer der wichtigsten Konzerne: Der Flugzeugbauer gehört zu den Hoffnungsträgern des WM-Landes. Dem Wettbewerb mit Airbus und Boeing geht er dennoch aus dem Weg.

Flugzeugkonzern Embraer: Der lachende Dritte Fotos
AP/ Embraer

Davos/Hamburg - Was können Brasilianer gut? Aus deutscher Sicht vor allem Samba, Fußball, Caipirinha. Als die Unternehmensberatung Globeone im vergangenen Jahr Deutsche nach brasilianischen Marken fragte, wurde am häufigsten der Zuckerrohrschnaps Pitú erkannt. Aber in einem brasilianischen Flugzeug fliegen? Hilfe! Dabei haben viele Lufthansa-Passagiere das längst getan - in einer Maschine von Embraer.

Den Konzern kennen hierzulande nur acht Prozent, dabei ist Embraer der drittgrößte kommerzielle Flugzeughersteller der Welt und einer der größten Hoffnungsträger der brasilianischen Wirtschaft. Die legte in jüngster Zeit ein rasantes Wachstum hin, gut 30 Millionen Menschen schafften den Sprung aus der Armut. Doch kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft zeigten die Proteste gegen soziale Ungleichheit, wie wacklig das brasilianische Wirtschaftsmodell noch ist. Umso wichtiger erscheint ein Unternehmen wie Embraer, das bereits einen Platz im globalen Wettbewerb gefunden hat.

Geführt wird Embraer von Frederico Fleury Curado, einem freundlichen Mittfünfziger mit Halbglatze. Von den Allüren anderer Vorstandschefs ist wenig zu spüren, wenn Curado die Erfolgsgeschichte des Unternehmens erzählt. Entscheidend sei dabei das "Rightsizing" gewesen, also die Suche nach der effizientesten Größe. Tendenziell gilt in der Luftfahrt: je größer, umso besser. Denn mit der Zahl der Sitze sinken die Transportkosten pro Passagier. Das Ergebnis dieser Kalkulation sind Großflugzeuge wie der A380 von Airbus oder Boeings Dreamliner. Die seien "großartig, solange man das Flugzeug füllen kann", sagt Curado. Doch auf vielen Routen sei die Passagierzahl deutlich geringer.

Embraers E-Jets haben zwischen 70 und 124 Sitzen und sind damit gut geeignet für weniger gefragte Strecken. Noch kleiner sind Regionaljets der ERJ-Familie, die zwischen 37 und 50 Plätze bieten und vor allem im Zubringerverkehr zu Drehkreuzen eingesetzt werden. Und schließlich baut Embraer für eine wohlhabende Klientel auch Privatjets wie die Legacy 600, in die maximal 14 Passagiere passen.

Ein Werk bei der ehemaligen Kolonialmacht

Das Bekenntnis zu kleinen Größen funktioniert, Embraer wächst stetig. Hatten um die Jahrtausendwende gerade einmal zwei Fluggesellschaften E-Jets im Betrieb, so sind es mittlerweile fast 70, darunter Branchengrößen wie United, British Airways Chart zeigen und Lufthansa Chart zeigen. Im vergangenen Jahr machte Embraer einen Umsatz von gut sechs Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von gut 700 Millionen Dollar. Heute hat der Konzern Werke auf drei Kontinenten, auch in Portugal, Brasiliens ehemaliger Kolonialmacht.

Wie wichtig das Unternehmen für Brasilien ist, zeigte sich auch auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Als Staatspräsidentin Dilma Rousseff dort in einer Rede um das bröckelnde Vertrauen von Investoren warb, saß Curado ganz vorne. "Wir sind stolz auf Embraer", hat die Präsidentin einmal gesagt. Kein Wunder: Bislang wird die brasilianische Wirtschaft vor allem vom Konsum angetrieben. Industrieunternehmen wie Embraer machen nur 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Deutschland sind es 25 Prozent.

Noch hängt Brasiliens Wirtschaft zudem stark vom Staat ab, der mit seinen Ausgaben für einen Großteil des Wachstums verantwortlich ist. Auch Embraer war früher ein Staatsbetrieb, wurde aber 1994 mit einer Privatisierung vor der drohenden Pleite gerettet. Heute besitzt der Staat noch eine goldene Aktie und ein Vetorecht in strategischen Fragen. Im täglichen Geschäft aber gebe es, "absolut keine Eingriffe", beteuert Curado. Freundlich lobt er staatliche Investitionen in die Infrastruktur, lässt dabei aber auch Kritik am Ausgabenrausch vor der WM durchscheinen: "Ich rede nicht von Stadien, sondern von Straßen, Krankenhäusern, Häfen, Flughäfen, Eisenbahn, Elektrizität."

Im Vergleich zu den Marktführern ist Embraer trotz allem ein Zwerg. Der Umsatz von Airbus liegt zehn Mal höher, der operative Gewinn rund vier Mal so hoch. Doch zum Geschäftsmodell von Embraer gehört es laut Curado ohnehin, nicht mit größeren Flugzeugen den Kampf mit den Branchen-Giganten zu suchen. "Sie sind zwei mächtige Firmen, sie haben gute Produkte", sagt er. Die selbstauferlegte Größenbeschränkung sei "eine eindeutige Entscheidung gewesen. Aber wir werden sie kontinuierlich überprüfen."

Das muss Embraer auch, denn unbedrängt ist es in seiner Nische nicht: Zum einen haben Airbus Chart zeigen und Boeing Chart zeigen in den vergangenen Jahren ihre Mittelstreckenflieger A320 und 737 mit neuen Motoren ausgestattet und so die Treibstoffeffizienz deutlich verbessert. Um den Vorteil der E-Jets wieder zu erhöhen, rüstet Embraer diese nun ebenfalls nach. Zum anderen konkurriert Embraer im Markt für Regionaljets nicht nur mit den Kanadiern von Bombardier Chart zeigen, sondern auch mit Mitsubishi aus Japan, Comac aus China und Suchoi aus Russland. Im vergangenen Jahr ging der Gewinn von Embraer bereits leicht zurück.

Die Hercules-Aufgabe

Auch deshalb ruhen erhebliche Hoffnungen auf der Verteidigungssparte von Embraer. Diese hat den Super Tucano hervorgebracht, ein leichtes Kampfflugzeug, das unter anderem Kolumbien im Kampf gegen die Farc-Rebellen einsetzt. Ende des Jahres plant Embraer nun die ersten Flüge des KC-390 - ein Transportflugzeug, das einen Teil der seit Jahrzehnten verbreiteten Hercules-Maschinen des US-Herstellers Lockheed Martin Chart zeigen ersetzen soll.

Das Projekt sei eine Herausforderung, sagt Curado. "Es ist das größte Flugzeug, das wir je entworfen haben." Noch sei Embraer in der Rüstung ein sehr kleiner Spieler, doch das habe auch Vorteile. "Wenn man klein ist, ist es leichter zu wachsen." Das wirft eine Frage auf, die sich Embraer ebenso stellen muss wie Brasiliens Wirtschaft insgesamt: Was will ich werden, wenn ich ganz groß bin?

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1. Embraer mit höherer Gewinnquote als Airbus?
raber 18.06.2014
Bin sehr oft Embraer-Maschinen geflogen und finde sie gut. Vom Artikel wundert mich, dass bei Airbus der Umsatz 10 Mal höher liegt, aber der Gewinn nur 4 Mal. Als Laie auf dem Gebiet, scheint es aber nicht gut auszusehen bei Airbus bei so einem Unterschied.
2. Titellos
UnitedEurope 18.06.2014
Zitat von raberBin sehr oft Embraer-Maschinen geflogen und finde sie gut. Vom Artikel wundert mich, dass bei Airbus der Umsatz 10 Mal höher liegt, aber der Gewinn nur 4 Mal. Als Laie auf dem Gebiet, scheint es aber nicht gut auszusehen bei Airbus bei so einem Unterschied.
Dann kann ich Sie beruhigen, das hat per se nichts zu sagen. Airbus ist anders aufgestellt, hat einen größeren Verteidigungsposten, höhere Arbeitskosten, muss mehr Geld investieren da sie größere Flugzeuge mit größeren Stückzahlen bauen etc. Je größer ein Unternehmen desto schwieriger wird es meist, eine hohe Rendite einzufahren. Schon alleine die Logistik steigt quasi exponentiell an.
3.
shiwo 18.06.2014
Zitat von raberBin sehr oft Embraer-Maschinen geflogen und finde sie gut. Vom Artikel wundert mich, dass bei Airbus der Umsatz 10 Mal höher liegt, aber der Gewinn nur 4 Mal. Als Laie auf dem Gebiet, scheint es aber nicht gut auszusehen bei Airbus bei so einem Unterschied.
DAs ist doch ganz einfach: Die Produktionskosten sind doch in F und D wesentlich hoeher, die GEHAELTER, amigo, Sie verdienen in Europa zu viel. Saludos aus Suedamerika
4. Problem KC-390
DonCarlos 18.06.2014
Das Problem der KC-390 wird genau der Punkt sein, dass sie versucht die C-130 1:1 zu ersetzen. Der Frachtraum der C-130 und KC-390 sind aber zu klein und die Zuladung zu gering für moderne Schützenpanzer. Genau dieses Problem haben die USA und Airbus macht sich Hoffnungen mit dem A400M...
5. Das liegt daran, das deren Produktentwicklungkosten um
hdudeck 18.06.2014
Zitat von raberBin sehr oft Embraer-Maschinen geflogen und finde sie gut. Vom Artikel wundert mich, dass bei Airbus der Umsatz 10 Mal höher liegt, aber der Gewinn nur 4 Mal. Als Laie auf dem Gebiet, scheint es aber nicht gut auszusehen bei Airbus bei so einem Unterschied.
einiges hoeher sind, da diese mit entsprechender Groesse und Produktpalette wachsen. Zudem weiss eigentlich jeder, das von kleinen Zahlen ausgehend, die Prozente von Wachstum halt hoeher sind, selbst wenn die absuluten Zahlen anders herum sind.
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