Brexit-Folge Britische Immobilienkonzerne schreiben Millionenverluste

Jahrelang boomte der Häusermarkt in Großbritannien. Doch seit dem Brexit-Votum scheint es damit vorbei zu sein. Jetzt rutschen große Immobilienfirmen in die roten Zahlen.

London
imago/Westend61

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Die Londoner Immobilienfirmen gehörten jahrelang zu den Gewinnern eines geradezu aberwitzigen Booms. Wie kaum eine andere Stadt zog die britische Metropole Superreiche aus der ganzen Welt an. Die Nachfrage nach luxuriösen Apartments war gigantisch, die Preise stiegen jahrzehntelang.

Doch damit ist es jetzt womöglich vorbei. Seit die Briten dafür gestimmt haben, die EU zu verlassen, steht der Immobilienmarkt in Großbritannien unter massivem Druck. Die Branche leidet so sehr wie keine andere.

Weil die britischen Immobilienkonzerne kaum auf den Brexit vorbereitet waren, müssen sie jetzt große Verluste vermelden. British Land, die Nummer zwei der Branche, gab am Mittwoch für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres einen Verlust von 205 Millionen Pfund (238 Millionen Euro) bekannt. Ein Jahr zuvor machte die Immobiliengesellschaft noch einen üppigen Gewinn von 823 Millionen Pfund. Der Firma Land Securities geht es ähnlich: Der größte britische Immobilienkonzern meldete einen Verlust von 95 Millionen Pfund - nach einem Gewinn von 708 Millionen Pfund im Jahr zuvor.

Der Grund für die Verluste: Die Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt hatte für tiefe Verunsicherung im Immobiliensektor des Landes gesorgt. Unternehmen stellten bereits unmittelbar nach dem Referendum Überlegungen an, ihr Geschäft teilweise oder ganz aus Großbritannien abzuziehen. Die mögliche Folge: Nicht nur Firmen, sondern auch vermögende Privatleute könnten aus der Stadt ziehen, die Nachfrage nach Wohnraum könnte sinken und dies zu niedrigeren Preisen am Immobilienmarkt führen. Tatsächlich sind die Preise für Bürogebäude in London in diesem Jahr das erste Mal seit dem Jahr 2009 zurückgegangen. Auch bei den Wohnimmobilien in den Nobelvierteln geht es bergab.

Besonders hart getroffen hat es den Projektentwickler Berkeley Group. Das Unternehmen gehört zu den führenden Adressen auf dem Londoner Häusermarkt. Während der Finanzkrise kaufte Berkeley zwischen 2009 und 2013 Grundstücke zu Tiefstpreisen auf - und verkaufte sie dann teuer weiter.

Doch jetzt fallen die Preise. Nach dem Brexit-Votum brach der Kurs der Immobilienfirma um rund 25 Prozent ein, inzwischen flog das Unternehmen aus dem britischen Leitindex FTSE 100.

Doch glaubt man den Immobilienkonzernen, ist das alles halb so schlimm. London bleibe "ein globales Zentrum", heißt es von den Unternehmen. Sie erwarten zwar eine nachlassende Nachfrage. Bei einem Umzug von Firmen in die Europäische Union würden aber Branchen wie der Technologiesektor den frei werdenden Platz in London "aufsaugen". Und dann würden sich auch die Preise wieder erholen.

hej/Reuters



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