Brexit-Sorgen Autoabsatz in Großbritannien bricht ein

In Großbritannien sind 2018 fast sieben Prozent weniger Autos verkauft worden. Ein Grund ist der nahende Brexit, den die Autoindustrie als existenzielle Bedrohung fürchtet. Und nicht nur sie.

Produktion in Mini-Werk in Oxford
AFP

Produktion in Mini-Werk in Oxford


Die Briten haben im vergangenen Jahr deutlich weniger neue Autos gekauft als noch im Jahr zuvor. Der Absatz sank 2018 um fast sieben Prozent auf 2,37 Millionen Fahrzeuge, teilte der britische Autobranchenverband SMMT auf Grundlage vorläufiger Daten mit. So stark waren die Verkäufe zuletzt im Zuge der Finanzkrise 2008 gesunken, damals betrug der Rückgang mehr als elf Prozent.

Als Gründe für den Einbruch der Verkaufszahlen nennt der Branchenverband die mit einem Minus von fast 30 Prozent deutlich geringere Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen, strengere Abgasstandards - und die Sorge der Verbraucher vor dem Austritt des Landes aus der EU, der am 29. März ansteht. Auch die Investitionen in britische Autowerke seien 2018 höchstwahrscheinlich gesunken, teilte die SMMT weiter mit.

Bereits im Herbst hatte die SMMT eindringlich vor den Auswirkungen des Brexits auf die Autobranche gewarnt, die mehr als 850.000 Menschen im Land beschäftigt. "Es fällt immer noch schwer, im Brexit irgendeinen Vorteil zu sehen", sagte SMMT-Chef Mike Hawes. "Jeder erkennt, dass der Brexit eine existenzielle Bedrohung für die britische Autoindustrie darstellt." Die Branche hoffe weiter auf eine "praktische Lösung".

76 Prozent der Industriebetriebe sehen Geschäftsrisiko

Die Aussichten für dieses Jahr sind dem Verband zufolge ebenfalls negativ. Auch 2019 würden sinkende Verkäufe erwartet. Sollte es tatsächlich zu einem Brexit ohne Abkommen mit der EU kommen, würde das Arbeitsplätze kosten. Zwar sei nicht zu erwarten, dass Autowerke sofort geschlossen würden, so Hawes, wohl aber eine Drosselung der Produktion - und die Betreiber der Werke seien internationale Autokonzerne, die die Fertigung ins Ausland verlagern könnten.

Die Sorge vor dem Brexit ist nicht nur in der Autobranche, sondern in der gesamten britischen Industrie verbreitet. Mehr als drei Viertel aller Betriebe des Sektors fürchten durch verstärkte Grenzkontrollen nach dem Brexit Verzögerungen im Warenhandel. 76 Prozent der befragten Firmen sähen darin ein Risiko für ihr Geschäft, teilte der Industrieverband EEF mit.

Der Industrieverband verwies unter anderem auf stärkere Schwankungen an den Devisenmärkten sowie höhere Beschaffungskosten als konkrete Belastungen. Die britische Wirtschaft war im vierten Quartal des Jahres 2018 nur noch um 0,1 Prozent gewachsen.

Mehr zum Thema: Die Angst der Autobosse vor dem harten Brexit

fdi/Reuters



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lanzarot 07.01.2019
1. "Ein Grund ist der nahende Brexit"
Ich fass´es nicht. Hat die britische Industrie seit 2 Jahren geschlafen? Oder die Universitäten, die nach 2 Jahren plötzlich merken, dass sie nach dem Brexit keine EU-Fördermittel mehr bekommen? Was ist mit GB eigentlich los? Man möchte sie am liebsten wachrütteln dort auf der Insel.
hpampel 07.01.2019
2. Ach ja der Brexit
Mal wieder eine Top News zum Brexit von SPON. In regelmäßigen Abständen die gleiche Botschaft. Ob Autoindustrie, Bankwesen oder Arbeitsplätze, seit Monaten schon wird von SPON nur noch einseitig über dieses Thema berichtet. Immer wieder wird dargestellt das der Untergang der Briten unmittelbar bevorsteht. Nicht das sich SPON auch bei den Briten noch entschuldigen muss, wegen unrichtiger Berichterstattung. Das meine Kritik nicht gedruckt wird ist mir dabei völlig egal. Ich bin meiner Staatsbürgerpflicht nachgekommen und weise die Redaktion darauf hin.
hrlehmann 07.01.2019
3. Einordnung - 0,2% Abstatzrückgang in Deutschland
Zur Einordnung der Zahlen wäre es hilfreich gewesen zu erwähnen dass die Zahl der PKW Neuzulassungen in Deutschland um 0,2% ( gegenüber 7% in UK ) zurückgegangen ist
Edgard 07.01.2019
4. Thatcher läßt grüssen...
"die Betreiber der Werke seien internationale Autokonzerne, die die Fertigung ins Ausland verlagern könnten." denn der Thatcherismus hat dafür gesorgt daß der eigene Produktionssektor in GB praktisch vernichtet wurde. Solange GB in der EU ist kann das ausgeglichen werden - Beispiel Airbus die Werle in GB unterhalten und britische Arbeiter in den Airbuswerken auf dem Kontinent arbeiten können. Das ist praktisch schon Vergangenheit; eine nationale Flugzeugproduktion gibt es praktisch nur noch in den USA, Russland und China (letztere international bedeutungslos). Britische Autos waren und sind (bis auf ein paar Ausnahmen) nicht wirklich die Bringer, in unserem Bekanntenkreis in UK fährt niemand eins, und vielleicht überlegt nun der Eine oder Andere beim nächsten Autokauf ob er oder sie damals wirklich die richtige Wahl getroffen hat... spätestens wenn es ein "Gebrauchter" vom Kontinent sein soll für das neben Einfuhrzoll dann auch noch eine mehr oder weniger aufwendige Zulassung erfolgen muß - die EU-Homologation ist dann auch perdu.... Und wem nützt der ganze Mist jetzt bitte?
skylarkin 07.01.2019
5.
Das hat mit dem Brexit wenig bis nichts zu tun. Hintergrund sind die seit September teilweise dramatisch einbrechenden Zahlen durch die Einführung des neuen Verbrauchs- und Abgasprüfverfahren WLTP. Allein im September brachen die Zahlen um über ein Viertel ein. Nach Wachstum im ersten Halbjahr liegen die Zulassungen europaweit 2018 in etlichen Ländern in der Summe im Minus. https://www.dw.com/de/autoabsatz-in-europa-bricht-ein/a-45917108
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