Brexit-Chaos Großbank empfiehlt Superreichen offenbar Rückzug aus Großbritannien

Für eine renommierte Bank ist das ein ungewöhnlicher Schritt: Die Credit Suisse hat laut einem Bericht der "Financial Times" ihren superreichen Kunden geraten, über die Verlagerung von Geld ins Ausland nachzudenken.

Londoner Bankenviertel
imago/ZUMA Press

Londoner Bankenviertel


Das Gezerre um den Brexit und die Furcht vor Zollchaos wirken sich auch auf Großbritanniens Superreiche aus. Privatbankiers der Schweizer Großbank Credit Suisse haben laut einem Bericht der "Financial Times" britischen Kunden geraten, über die Verlagerung von Vermögenswerten ins Ausland nachzudenken. Offenbar wollen die Banker damit sicherstellen, dass das Geld auch im Falle eines Brexit ohne Deal sicher ist.

Laut dem Bericht kontaktierten die Banker vergangene Woche ihre Topkunden, nachdem Premierministerin Theresa May die Abstimmung über den Brexit-Deal verschoben hatte. In den Schreiben hieß es, dass das derzeitige Chaos bereits einen Kundenansturm ausgelöst hätte. Viele hätten ihr Interesse bekundet, ihr Vermögen sicherheitshalber im Ausland zu parken. Superreiche Kunden wurden demnach darauf hingewiesen, dass sie ähnliche Pläne in Betracht ziehen sollten, bevor das Unterhaus in der dritten Januarwoche (vom 14. Januar an) über das Brexit-Abkommen abstimmt.

Konten auf den Kanalinseln und der Schweiz

Der Schritt der Bank ist ungewöhnlich. Vermögensverwalter raten ihren Kunden in der Regel nicht, Geld ins Ausland zu bringen. Eine Reihe von Vermögensverwaltern teilten gegenüber der "FT" mit, dass es für eine Bank sehr eigenartig sei, in einem Schreiben Kunden ausdrücklich auf die Möglichkeit hinzuweisen, Vermögenswerte ins Ausland zu schaffen. "Wir würden unsere Kunden sicherlich nicht dazu ermutigen, ihr Geld abzuziehen", sagte ein Banker der britischen Zeitung. "Unsere Rolle als Vermögensberater besteht darin, unsere Kunden zu beruhigen, anstatt die Hysterie noch anzufachen."

Doch die Kunden der Credit Suisse sind mit ihren Vorhaben sicher nicht allein. Derzeit schichten eine Reihe von britischen Investoren ihre Gelder um, wie es aus Finanzkreisen heißt. Die "FT" berichtete bereits im Oktober, dass britische Multimillionäre Konten in Kanalinseln und der Schweiz nutzen, um ihre Vermögen im Falle eines Brexit in Sicherheit zu bringen.

Credit-Suisse teilte mit, "gegenwärtig keine Hausmeinung zu haben, dass Kunden wegen des Brexit oder anderer politischer Entwicklungen in Großbritannien Vermögen aus Großbritannien heraus verlagern sollten."

hej



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
philemajo 18.12.2018
1. Ein Konto ist nicht in einer Kanalinsel ...
und im Übrigen bietet die CS in der Schweiz sicherlich nicht ganz uneigennützig ihre Mithilfe an ;-)
bigroyaleddi 18.12.2018
2. Aha, das Kapital weist schon den Weg
des vormaligen Empires in den Abgrund. irgendwie bezeichnend. Mich wundert nur, dass es bisher auf diesem Sektor so relativ ruhig war. Damit ist das nun sicher vorbei. Es heisst ja immer, dass das Kapital so eine furchtbar flüchtige Sache sei und schon bei nur kleinen Gerüchten sich in irgendeiner Form bewege. Jetzt dürfen wir alle mal gespannt sein, wie diese Situation sich weiter entwicken wird. Nebenbei gesagt hält sich mein Mitleid sowohl für die Superreichen als auch für die Brexitiers in sehr engen Grenzen.
ch.weichberger 18.12.2018
3. Das ganze
Erinnert an den floetenspieler von hameln. .. In der hauptrolle Farage...und britannien folgt brave in den Abgrund..es ist kaum zu glauben.. den eignen Augen zu trauen...
kayato_kasaki 18.12.2018
4.
Zitat von philemajound im Übrigen bietet die CS in der Schweiz sicherlich nicht ganz uneigennützig ihre Mithilfe an ;-)
Ob das Geld in der Schweiz sicherer ist, wage ich zu bezweifeln. Die SNB ist für die Schweiz eine Zeitbombe. Sie hat weltweit, mit Abstand die höchste Zentralbankbilanz bezogen auf das BIP. Die Devisenreserven liegen mit knapp CHF 780 Milliarden, weit über das BIP von knapp CHF 700 Milliarden. Die SNB besitzt mehr Facebookaktien als Mark Zuckerberg. Bei der nächsten Krise könnte es in der Schweiz gewaltig knallen. Ich würde jetzt jedenfalls in der Schweiz kein Geld anlegen, jedenfalls nicht in Franken.
potenz 18.12.2018
5. Na, da bringt der Brexit doch auch was Gutes ..
... für die Briten: Wenn "die Superreichen" abhauen bzw. ihr Kapital abziehen, dann wird es langfristig der britischen Gesellschaft guttun, wenn sie das GesXXXel los ist und gelernt hat, ohne deren Kapital zu leben.
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