Wegen Brexit EU-Firmen verlassen die Insel - britische Manager rechnen mit Jobverlusten

Großbritannien verlässt 2019 die EU, viele Manager setzen aber schon heute Notfallpläne um. Für britische Bürger wird das wohl teuer: Die Firmen wollen die "lähmenden Brexit-Kosten" auf die Kunden abwälzen.

London
AFP

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Die Unsicherheit über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen nach dem britischen Austritt aus der Europäischen Union hat schon jetzt Folgen: Einer Manager-Umfrage zufolge haben zahlreiche EU-Unternehmen sich teilweise von der Insel zurückgezogen. Der britische Branchenverband CIPS erklärte am Dienstag, 14 Prozent der europäischen Firmen mit einer Präsenz in Großbritannien hätten entsprechende Schritte bereits eingeleitet und beispielsweise Firmenniederlassungen oder Lager verlagert. Zudem hätten elf Prozent Mitarbeiter außerhalb des Königreichs verlegt.

Die Studie basiert auf einer regelmäßig durchgeführten Befragung von 2418 Firmenmanagern, die in ihren Firmen zuständig sind für die Steuerung von Lieferketten. Sie stehen damit an Schnittstellen, die womöglich durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union Anfang 2019 besonders stark getroffen werden: Viele Unternehmen kaufen zahlreiche Vorleistungen ihrer Produkte überall auf dem EU-Binnenmarkt ein. Mit dem Brexit könnten diese Lieferketten abreißen - oder unrentabel werden. Die Umfrage wurde vor der jüngsten Einigung der EU und der britischen Regierung auf eine Übergangszeit nach dem Austritt erhoben.

Allerdings stehe bei den Unternehmen ohnehin weniger die langfristige Beziehung zwischen der EU und Großbritannien im Fokus, sagte der CIPS-Volkswirt John Glen. Die Firmen seien vielmehr besorgt wegen der anhaltenden Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Austritt: "Irgendwann kommt der Augenblick, an dem die Firmen ihre Notfallpläne umsetzen müssen."

Die Umfrage zeigt zudem, dass viele britische Firmen inzwischen Schwierigkeiten haben, ihr Geschäft über das Brexit-Datum hinaus verlässlich zu planen. Manager von rund einem Viertel der befragten Firmen meldeten Probleme beim Abschluss langfristiger Lieferverträge mit Partnern in der EU. Laut dem Verband CIPS planen bereits 23 Prozent der britischen Firmen, Stellen zu streichen. 41 Prozent geben an, Preise erhöhen zu müssen. Die Wirtschaft habe keine andere Chance als die "lähmenden Kosten des Brexits" an die Kunden weiterzugeben, so der CIPS.

beb/Reuters



insgesamt 170 Beiträge
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observerlbg 20.03.2018
1. Wie erwartet....
Kommt jetzt nicht überraschend. Viele Geschäftsmodelle lassen nur wenig Spielraum. Flexibilität kostet immer. Der Alleingang eines Staates wird letztendlich immer von der Bevölkerung bezahlt. UK wird sich aber anpassen und es wird sich eine neue Balance finden, bei der es nicht nur Verlierer gibt. Besonders die Engländer haben immer pragmatische Lösungen gefunden. Europas größte Probleme finden sich viel weiter südlich. Wenn wir Deutsche uns weiter hinter unserer Besitzstandswahrung verbarrikadieren, werden uns DIESE Probleme überrollen.
geradsteller 20.03.2018
2. Klar, wird das teuer
Jedoch: Wenn man sich den Eiertanz der EU bei Glühbirnen, Griechenland u Migration ansieht, mag man sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
jujo 20.03.2018
3. ....
Wie haben sich die Brexiteers das vorgestellt? Da gibt es nichts zu fordern. Die britische Regierung scheint das so langsam einzusehen. (Johnson mal ausgenommen, dessen Statements zum Brexit konnten ja noch nie ernstgenommen werden.) Es gibt keine Rosinen mehr! In Zukunft müssendie Briten ihre sauren Drops lutschen
GueMue 20.03.2018
4. Was nicht sein darf
Soll auch nicht sein. Demokratisch haben die Englaender beschlossen aus der EU auszutreten. Das mit demokratisch ist aergerlich. Zuerst waren es nur die. Ü60 laendlichen Männer. Die sind ja so unten durch. Dann wurde klar, es durfte kein erfolg werden, sonst gehen alle. Unsre linke Presse ist voller Panik, dass ihre internationale eine chimaera ist, England Identitaet haelt und fragt sich, ob man selbst noch auf der Gewinnerseite ist.
ulmer_optimist 20.03.2018
5. Logisch
Unternehmen planen längerfristig und brauchen dazu klare Rahmenbedingungen. Es ist völlig logisch, dass sie sich aus einem Land, das diese Rahmenbedingungen nicht bietet, zurückziehen. Die Briten leben noch im "Empire", aber die Zeiten sind lange vorbei. Wenn die Regierung keine klaren Aussagen macht, werden die Unternehmen verunsichert und gehen eben lieber nach Europa zurück. Wer möchte schon bei Personal und Material riskieren, dass durch Steuern oder Aufenthaltsverbote die Lieferkette abreisst oder das Unternehmen produktionsunfähig wird? Die Briten werden als relativ kleines Land in einer globalen Welt bald ziemlich alleine dastehen. Sie haben es ja nicht anders gewollt und ich hoffe nicht, dass die EU wieder mal einknickt und diese unsägliche britische Rosinenpickerei weiter ermöglicht.
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