Vor dem Brexit Finanzfirmen ziehen 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien ab

Großbritanniens Finanzbranche bereitet sich auf den Brexit vor: Immer mehr Unternehmen verlagern Firmenteile und Vermögen ins EU-Ausland. Ein Profiteur ist Frankfurt.

Londons Finanzdistrikt (Archivbild)
AFP

Londons Finanzdistrikt (Archivbild)


Der Finanzplatz London ist vom geplanten EU-Austritt Großbritanniens einer Studie zufolge besonders stark betroffen: Mehr als 275 Finanzfirmen ziehen der Denkfabrik New Financial zufolge Vermögenswerte von umgerechnet insgesamt 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien in die EU ab.

Demnach verschieben zehn große Banken und Investmentbanken 800 Milliarden Pfund beziehungsweise fast zehn Prozent der Vermögenswerte des Landes in die EU. Dazu kommen unter anderem Vermögensgegenstände von Versicherern in Höhe von 35 Milliarden Pfund und von Anlageverwaltern in Höhe von 65 Milliarden Pfund.

Mehr als 250 Firmen errichten der Studie zufolge neue Zentralen auf dem Kontinent, mehr als 210 haben neue Rechtsgebilde angeregt oder sich für neue Banklizenzen beworben. Durch den Brexit ziehen 5000 Beschäftigte um oder werden an den neuen Standorten eingestellt, wie die Autoren errechneten. Diese Zahl werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Umzugskosten wurden auf zusammen drei bis vier Milliarden Dollar beziffert.

Diese Entwicklung werde sich auch noch verschärfen, sagte William Wright, Chef von New Financial. "Das wird Großbritanniens Einfluss in der europäischen Finanz- und Bankenbranche verringern, die Steuereinnahmen aus dem Wirtschaftszweig verringern und die Finanzdienstleistungsausfuhren in die EU verringern", sagte Wright.

Die stärkste Anziehungskraft hat Dublin. Hierhin zählten die Experten 100 Umzüge. Vor allem Vermögensverwalter wählten Irlands Hauptstadt. Es folgen Luxemburg mit 60 Umzügen, Paris mit 41, Frankfurt mit 40 und Amsterdam mit 32. Für Frankfurt entschieden sich insbesondere Banken, für Amsterdam Handelsplattformen und Handelshäuser.

Am Dienstag soll das britische Parlament erneut über einen Austrittsvertrag aus der EU abstimmen. Viele deutsche Unternehmen bereiten sich auf einen harten Brexit ohne Abkommen vor. Unklar ist außerdem, ob es bei dem 29. März als Austrittsdatum bleibt oder ob der Brexit verschoben wird.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von 1,2 Billionen Pfund die Rede. Es handelt sich aber um Dollar. Wir haben das korrigiert.

kko/Reuters



insgesamt 84 Beiträge
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gigi76 11.03.2019
1. gut so.
Dann kann man sich bald wieder entspannter ein Leben in London leisten. Wenn die ganzen überzahlten Finanzmitarbeiter weg sind, sollte ein paar nette Apartments frei werden.
damei 11.03.2019
2. Untergang
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
ForistGump2 11.03.2019
3. "Ein Profiteur ist Frankfurt..."
Vielleicht ein paar Investmentbanker in Frankfurt. Die Bevölkerung "profitiert" lediglich von steigenden Mietpreisen und Lebenshaltungskosten.
HerrPeterlein 11.03.2019
4. Erklärt die überraschend guten Zahlen
Ich war überrascht warum die Wirtschaftsdaten im Moment aus GB noch so gut sind, dieses erklärt es aber zum Teil. Die Kosten die bei einem Umzug, größerem Lager usw. entstehen sorgen kurzfristig für eine Belebung der Wirtschaft, ab dem April kommt dann die Ernüchterung. Selbst wenn der Brexit jetzt komplett abgesagt wird, der Schaden ist jetzt schon da. Und es wird zu dem harten Brexit kommen.
radlrambo 11.03.2019
5. Was ist schon 1 Billion
im Vergleich zu der Option, dass man sich den Gurkenkrümmungswinkel nicht mehr von der EU vorschreiben lassen muss, sondern einen GB Spezial-Gurkenkrümmungswinkel einführen kann oder auch gar keinen. Die Freigheit nehm ich mir! Ok, eigentlich berührt mich das in meinem Alltagsleben gar nicht, sondern lediglich die Gurken-Verpackungsindustrie, und die muss sich ja immer noch an den bösen EU-Gurkenkrümmungswinkel halten um weiterhin in die EU exportieren zu können. Aber GB hat wenigstens die Freiheit sich einen zusätzlichen Bürokratismus zu leisten (böse GB Technokraten müssen ja jetzt selber nicht nur um den guten GB Gurkenkrümmungswinkel, sondern ja auch noch dafür schauen, dass der böse EU-Gurkenkrümmungswinkel eingehalten wird. Dagegen ist doch 1 Billion lediglich ein Fliegeschiss..ha,ha die Briten werden uns alle auslachen (Irony off)
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