EU-Austritt Deutsche Wirtschaft reagiert cool auf den Brexit

Brexit-Alarm, Panik bei den Unternehmen? Nichts dergleichen, zumindest deutsche Manager sehen den Abschied der Briten aus der EU gelassen. Das liegt auch an der schwachen Verhandlungsposition der Regierung in London.

Autohändler in Sunderland (Archivbild)
AFP

Autohändler in Sunderland (Archivbild)


Neun von zehn Firmen in Deutschland erwarten durch den Brexit für die nähere Zukunft keine starken Auswirkungen auf ihr eigenes Geschäft. Das hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergeben.

Das IW hat dafür 2900 Unternehmen zum angekündigten EU-Austritt Großbritanniens befragt. Von diesen erwarten nur 15,5 Prozent Folgen für ihre eigene Personalplanung, 17 Prozent sehen durch mögliche Unsicherheiten im Großbritannien-Geschäft ihre Produktionsprozesse berührt.

Im Juni 2016 hatten 52 Prozent der Briten für einen Ausstieg aus der EU votiert. Die neue Premierministerin Theresa May setzt auf einen harten Ausstiegskurs.

Immerhin 37 Prozent befürchten Dämpfer für ihre Exporte durch den Absturz des britischen Pfunds, das zuletzt auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief gefallen war. Allerdings erwarten davon nur 9,9 Prozent einen starken Rückgang und 27 Prozent eher begrenzte Effekte. Fast ein Viertel der befragten Firmen hofft auf höhere Umsätze, weil Geschäfte aus Großbritannien in die EU verlagert werden könnten.

Aus den Zahlen ergibt sich aus Sicht von Studienautor Jürgen Matthes auch eine politische Konsequenz: "Großbritannien hat weniger Druckmittel in den Brexit-Verhandlungen, als die Regierung zu erwarten scheint", sagte der IW-Experte in Brüssel. Die Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft aus Furcht vor einem harten Brexit auf Zugeständnisse an London dringe, gehe wohl nicht auf.

rom/dpa-AFX



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