Wegen Brexit Frankfurt rechnet mit Banker-Ansturm aus London

Bringt der Brexit das Aus für den Finanzplatz London? Die deutsche Finanzlobby rechnet von 2017 an schon mit einem Banker-Run auf Frankfurt - 10.000 neue Arbeitsplätze könnten demnach entstehen.

Frankfurt am Main
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Der Finanzplatz Frankfurt rechnet damit, dass sich wegen des Brexit-Votums im kommenden Jahr verstärkt Banker aus London am Main niederlassen werden. Einige kleinere Umzüge könne es bereits in den nächsten Monaten geben, der Großteil der Banken werde Geschäfte aber erst später an andere Orte verlagern, sagte Hubertus Väth, der Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, am Rande einer Brexit-Konferenz in London. "Große Bewegungen wird es ab dem zweiten Halbjahr 2017 geben."

Frankfurt Main Finance ist das Sprachrohr des größten deutschen Finanzplatzes. Väth rechnet damit, dass wegen der Brexit-Entscheidung in den kommenden fünf Jahren rund 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen. Er wisse von den Plänen mehrerer Banken, im nächsten Jahr Geschäft nach Deutschland zu verlagern, sagte Väth. "Wir haben sehr, sehr starke Indikationen, dass Dinge verschoben werden, allerdings nicht alles."

Bei vielen Banken seien derzeit Teams dabei, sich mit allen Aspekten eines Umzugs zu beschäftigen. Auch ein auf die Finanzbranche spezialisierter Anwalt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er rechne ab 2017 mit einer steigenden Zahl von Umzügen nach Frankfurt.

Wenn Großbritannien nach einem Brexit den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert, brauchen Banken eine eigene Gesellschaft in der EU, um ihre Produkte in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen. Gerade amerikanische und asiatische Finanzkonzerne, die ihre Europazentrale bisher in London haben, müssen sich aus Sicht von Experten deshalb Gedanken über die Gründung oder den Ausbau einer Niederlassung in einem anderen EU-Staat machen.

Beim Werben um Banker aus London steht Frankfurt unter anderem im Wettbewerb mit Dublin, Amsterdam und Paris. Bei global tätigen Finanzinstituten, mit denen er gesprochen habe, werde die Entscheidung zwischen der französischen Hauptstadt und Frankfurt fallen, sagte Arnaud de Bresson, der Chef der Pariser Finanzmarktlobby, auf der Brexit-Konferenz.

Um attraktiver für Geldhäuser aus London zu werden, wolle Paris die Steuern für ausländische Banker reduzieren. Andere Experten glauben, dass auch außereuropäische Städte wie New York, Singapur und Hongkong vom Brexit profitieren werden.

nck/Reuters

insgesamt 36 Beiträge
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the_grosser 17.10.2016
1. Steuersenkungsreflex?
"Um attraktiver für Geldhäuser aus London zu werden, wolle Paris die Steuern für ausländische Banker reduzieren" Wie kann man sich über die Steuerpolitik z.B. Irlands echauffieren und dann das Gleiche im eigenen Land ankündigen. Wer so handelt, handelt gegen seine eigenen Bürger und gegen Europa.
radamriese 17.10.2016
2. tja, dann wird auch Ostend, nur für reiche MIeter da sein
Mieten, Wohnungen und H-äuser werden immer teurer, in Frankfurt und drumherum.Wohne in der NÄhe. Kommen die Bänker aus England, wird es unbezahlbar
aleamas 17.10.2016
3. Die Arbeitsplätze...
...in der Finanzindustrie werden an verschiedenen Orten entstehen. Nicht alle werden London verlassen - aber der Großteil. Davon werden manche nach Frankfurt gehen, manche nach Dublin, sicher auch manche nach Paris oder Amsterdam. Insgesamt wird sich die Branche über diese Metropolen verteilen. Das dürfte insgesamt eher dazu führen, dass Ungleichgewichte im Anteil am BIP durch die Finanzwirtschaft ausgeglichen werden. Das ist zu begrüßen.
eifelhippe 17.10.2016
4. Brexit
Mein Mann arbeitet bei einer grossen internationalen Bank, deren Europageschäft von London geführt wird. Die Pläne zur Umsiedelung nach Frankfurt im Fall eines Brexits lagen bei denen schon lange in der Schublade. und werden demnächst umgesetzt.
bartsuisse 17.10.2016
5. Nüchtern bleiben
warum sollen die Banker unbedingt nach Frankfurt wollen? Weder ist es internationaler noch interessanter als seine Konkurrenten. Ausser der EZB hat es eine platte kapputte nationale Bankenlandschaft.....
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