Wegen Brexit Jaguar Land Rover führt Dreitagewoche ein

Großbritanniens größter Autobauer Jaguar Land Rover rechnet mit massiven Jobverlusten im Falle eines harten Brexits - und drosselt schon jetzt die Produktion. Auch der IWF schlägt Alarm.

Jaguar- und Land-Rover-Fahrzeuge bei der Automesse Frankfurt (Archiv)
AP/ Jaguar/ Land Rover

Jaguar- und Land-Rover-Fahrzeuge bei der Automesse Frankfurt (Archiv)


Großbritanniens größter Autobauer Jaguar Land Rover hat die Einführung einer verkürzten Arbeitswoche in seinem Werk Castle Bromwich angekündigt. Ab Oktober werden dort demnach nur noch an drei Tagen in der Woche Autos hergestellt. Der Schritt soll laut Unternehmensleitung dabei helfen, Entlassungen zu vermeiden.

Die Ankündigung kommt nur wenige Tage nachdem Konzernchef Ralf Speth vor den Folgen eines harten Brexits und Tausenden verlorenen Arbeitsplätzen gewarnt hatte. Angesichts der "andauernden Gegenwinde für die Autoindustrie vollziehen wir einige zeitweilige Anpassungen unseres Produktionsplans", teilte das Unternehmen mit.

Speth hatte zudem beklagt, die britische Regierung dämonisiere Dieselfahrzeuge, dies habe allein in diesem Jahr tausend Jobs gekostet. 90 Prozent der in Großbritannien verkauften Fahrzeuge von Jaguar Land Rover sind mit Dieselmotoren ausgestattet. Vonseiten der Anhänger eines Austritts Großbritanniens aus der EU wurde unterdessen heftige Kritik am Management des Autobauers laut, Konzernchef Speth betreibe "Panikmache".

IWF warnt vor "sofortigem Einbruch"

Allerdings hat inzwischen auch der Internationale Währungsfonds IWF eine Warnung an die Briten ausgesprochen. Ein Ausstieg aus der EU ohne ein Abkommen mit Brüssel werde nach IWF-Ansicht die Wirtschaft der Insel erheblich schwächen. Großbritannien müsse sich auf ein schwächeres Wachstum, sehr wahrscheinlich ein höheres Staatsdefizit und eine Abwertung des britischen Pfunds einstellen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorlage des Jahresberichts zur britischen Wirtschaft.

Zwar werde die Wirtschaft auch mit einem Abkommen durch den Brexit geschwächt, sagte Lagarde. Ein Austritt ohne Deal aber käme einem "sofortigen Einbruch" gleich. London müsse bei einem ungeregelten Brexit mit "erheblichen Kosten" rechnen. In einem schwächeren Maße würde ein Brexit ohne Abkommen aber auch die EU-Volkswirtschaften treffen, heißt es in dem Report.

Großbritannien wird nach bisherigen Plänen die Europäische Union am 29. März 2019 verlassen. Erst vor zwei Wochen hatte Premierministerin Theresa May den immer lauter werdenden Forderungen nach einem zweiten landesweiten Brexit-Referendum eine klare Absage erteilt. Zuletzt hatten sich selbst Abgeordnete aus Mays Konservativer Partei für ein erneutes Referendum ausgesprochen, sollte das britische Parlament das Ergebnis der Austrittsverhandlungen mit Brüssel ablehnen.

In dem Jahresbericht stellt der IWF fest, dass bereits seit dem knappen Ausgang des Referendums im Juni 2016 die Unsicherheit über die Bedingungen des EU-Austritts auf der Privatwirtschaft laste. Zudem seien wenige Monate vor dem entscheidenden Datum "fundamentale Fragen" unbeantwortet, etwa wie die Grenze zwischen Irland und Großbritannien offen bleiben kann.

beb/dpa/Reuters



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