IWF-Chefin Lagarde Märkte haben Brexit-Votum "erheblich unterschätzt"

Stürzende Aktienkurse, das Pfund im 30-Jahres-Tief: Die Finanzmärkte haben sich beim Brexit ganz offenbar verzockt. IWF-Chefin Lagarde spricht von einer Fehleinschätzung - Panik habe es aber nicht gegeben.

IWF-Chefin Lagarde
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Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

  • • Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

  • • Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

  • • Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

Als sich in der Nacht zu Freitag abzeichnete, dass die Briten mehrheitlich für einen EU-Austritt gestimmt haben, reagierten weltweit die Märkte: Binnen weniger Stunden stürzten die Kurse dramatisch ab, das Pfund sackte auf einen historischen Tiefstand.

Von einer Panik an den Märkten will die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde dennoch nicht sprechen - allerdings hätten die Finanzmärkte das Referendum "erheblich unterschätzt".

"Es gab keine Panik", sagte Lagarde. Die Notenbanken seien vorbereitet gewesen und hätten ihren Job gemacht, die Marktsituation sei unter Kontrolle gewesen. In den Tagen vor dem Votum waren die Kurse gestiegen, Anleger waren von einem Verbleib der Briten in der EU ausgegangen.

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Nun machte die IWF-Chefin deutlich, dass die weitere Entwicklung an den Börsen davon abhängig sei, wie London und Brüssel nun mit dem Referendum umgingen. Im Moment herrsche noch große Unsicherheit. Politiker und Institutionen müssten nun zusammenarbeiten, um die Auswirkungen des Brexit-Votums zu bewältigen.

Pfund und Euro erneut unter Druck

Das Pfund und der Euro gerieten am Montag erneut unter Druck. Die britische Währung verlor gegenüber dem US-Dollar mehr als zwei Prozent und wurde mit 1,3355 Dollar gehandelt. Damit näherte sich die britische Währung wieder dem tiefsten Wert seit 1985 an, den sie am Freitag mit 1,3228 Dollar erreicht hatte. Einen Tag nach der Volksabstimmung hatte das Pfund um elf Prozent nachgegeben.

Auch auf den Euro-Kurs drückte die Entscheidung der Briten erneut. Die Gemeinschaftswährung gab in Fernost zum Dollar gut ein Prozent nach auf 1,1000 Dollar. Der Dollar wurde mit 102,05 Yen gehandelt. Der Schweizer Franken notierte zum Euro mit 1,0724 und zum Dollar mit 0,9742.

Die asiatischen Börsen starteten mit einem Minus in die neue Handelswoche, nachdem die US-Börsen am Freitag deutlich schwächer geschlossen hatten. Dagegen legte in Tokio der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,64 Prozent zu auf 15.206 Punkte. Damit machte er seine kräftigen Verluste von fast acht Prozent vom Freitag teilweise wieder wett.

brk/Reuters



insgesamt 109 Beiträge
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ackergold 27.06.2016
1.
Camoron sollte endlich das Votum respektieren und die sofortigen Austrittsverhandlungen einleiten. Jeder Tag, an dem England einzahlt, ist ja bekanntlich ein verlorener Tag. Und dann sollte er noch diese Woche den Platz für einen anderen frei machen. Der Crook Johnson ist es nicht, denn der hat nicht die Fähigkeit, Austrittsverhandlungen überhaupt nachzuvollziehen, geschweige denn sie zu leiten.
noalk 27.06.2016
2. Masslos überschätzt
Die Reaktion des internatiinternationalen Geldhandes ist nicht durch Fakten gerechtfertigt. Da greifen lediglich Reflexe, ohne Sinn und Verstand.
lathea 27.06.2016
3. Schlimmer wird jetzt das Warten, ob sich in GB jemand findet, der das Brexitvotum auch umsetzt
in der Zwischenzeit werden die europäischen Exporte billiger und die Reisen teurer. Ausserdem verdienen daran wieder nur reiche Anleger. Es sollte sich wenigstens Schottland um eine schnellere Entscheidung bemühen und die EU sollte Schottland eine Zusicherung zur Aufnahme für den Fall einer Abspaltung geben. Die EU solte sich jetzt um stärkeres und schnelleres Zusammenwachsen bemùhen - wenigstens bei den Euro-Staaten.
divStar 27.06.2016
4. Die Frage ist doch überhaupt...
.. warum die an der Börse überhaupt "zocken" dürfen - vor allem ist es doch nicht ihr Geld und trotzdem wetten sie (denn nichts anderes ist das für mich am Ende des Tages). Da sie leider das Geld regieren, wird ihnen jedoch so schnell keiner mehr einen Riegel vorschieben.
phoeni 27.06.2016
5. ...
Ach alles halb so wild... einen Tag gings etwas runter, der Nikkei ist an Tag 2 schon wieder >2,5% im Plus... Außer heiße Luft war das doch nix...
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