Brexit Morgan Stanley und Citigroup planen offenbar Umzug nach Frankfurt

Die US-Investmentbank Morgan Stanley verlagert offenbar ihren EU-Sitz nach Frankfurt. Auch die Citigroup siedelt ihre Handelssparte infolge des Brexits wohl in der Mainmetropole an. Weitere Institute könnten folgen.

Citigroup-Zentrale in Londoner Finanzdistrikt
AFP

Citigroup-Zentrale in Londoner Finanzdistrikt


Die US-Investmentbank Morgan Stanley will ihren EU-Sitz infolge des Brexits wohl nach Frankfurt verlagern. Das berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und Press Association übereinstimmend und berufen sich dabei auf Insider. Auch die Zahl der Mitarbeiter in Frankfurt soll sich vor diesem Hintergrund von 200 auf 400 verdoppeln. Der europäische Hauptsitz soll allerdings weiterhin London bleiben.

Damit folgt Morgan Stanley einer Reihe anderer Geldhäuser, die es im Zuge des Brexits ebenfalls nach Frankfurt zieht: Auch die amerikanische Citigroup plant laut übereinstimmenden Medienberichten, ihre Handelssparte von London nach Frankfurt zu verlagern. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, könnten in Frankfurt 150 bis 250 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Aktuell beschäftigt das Institut dort etwa 360 Mitarbeiter.

Großbritannien will Ende März 2019 aus der EU austreten. In London tätige Banken brauchen danach eine Gesellschaft mit EU-Banklizenz, wenn sie weiter Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten der Union anbieten wollen. Viele Geldhäuser prüfen deshalb die Verlagerung von Geschäften. Es kann bis zu 18 Monate dauern, um die nötigen Banklizenzen zu erhalten, Büros anzumieten und Beschäftigte zu entsenden, daher werden in den kommenden Monaten zahlreiche weitere Entscheidungen wie die von Morgan Stanley oder der Citigroup erwartet.

Konkurrenzkampf zwischen den Städten

Zwischen den potenziellen Zielen der abwanderungswilligen Banken ist inzwischen ein Konkurrenzkampf ausgebrochen. Außer Frankfurt buhlen auch Paris, Luxemburg und Dublin um die Arbeitsplätze und das zusätzliche Bankengeschäft. Für Frankfurt spricht die stabile deutsche Wirtschaft, die gute Infrastruktur sowie die ebenfalls in der Stadt angesiedelte Europäische Zentralbank. Der Verband der Auslandsbanken in Deutschland geht davon aus, dass wegen des Brexits allein in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen werden.

Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge haben bereits bis Ende Juni 59 der 222 größten Finanzunternehmen mit bedeutsamen Geschäftsaktivitäten in Großbritannien angekündigt, Personal und Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Am stärksten profitieren Dublin, wohin es 19 Unternehmen zieht, sowie Frankfurt (18) und Luxemburg (11). Die Auflistung erfasst Vermögensverwalter, Banken, Finanzinvestoren, Versicherer und Fintechs.

Für Frankfurt hat sich bereits die britische Großbank Standard Chartered entschieden, laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" planen auch Goldman Sachs und JP Morgan die Verlagerung von Hunderten Arbeitsplätzen nach Frankfurt. Die drei japanischen Banken Daiwa Securities, Nomura und Sumitomo Mitsui zieht es ebenfalls nach Frankfurt. Auch die Deutsche Bank wird voraussichtlich Tausende Arbeitsplätze aus London in die deutsche Finanzmetropole verlegen.

Rund tausend Jobs wird die britische Großbank HSBC nach Paris verlagern, während Barclays voraussichtlich in die irische Hauptstadt Dublin ausweichen wird.

fdi/ehh/Reuters/dpa

insgesamt 54 Beiträge
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spaceagency 19.07.2017
1. gegen Frankfurt spricht
das katStrophale deutsche Bankwesen und die mangelnde Internationalität. Frankfurt hat eine grosse Börse. Als Finanzplatz ist es hingegen weit abgeschlagen. Trotz Brexit wird London Finanzplatz 1 der Welt bleiben. Auf dem Kontinent ist die Nummer 2 übrigens Zürich.......Frankfurt Platz 10.....es gibt viel zu tun....
checkitoutple 19.07.2017
2. Das wird den Londoner Wohnungsmarkt ordentlich endlasten.
macht bei 50 bis 100 Tausend direkt bei Finanzinstitut beschäftigten dann noch mal mindesten 50000 indirekte Arbeitsplätze die in der City of London wegfallen. Will mal positiv schreiben damit sich die Brexit Befürworter nicht angegriffen fühlen. Das schafft also billigeren Wohnraum und niedrigere Büromieten in London. Das ist genau das was sich die Britische Regierung wünscht. Weil es ja sowieso zu viele Arbeitsplätze auf hohem Lohn Niveau in England gibt. Da kann man endlich den ersten großen Schritt auf den Zusammenbruch der Immobilien Preise machen. Ist ja auch von der Regierung gewünscht, weil man so am besten den Kurs des Pfundes halbieren kann. Aus Solidarität zu den Südeuropäischen Ländern. Wer Ironie findet darf sie behalten.
HansPa 19.07.2017
3. Danke
Herzlichen Dank für den medialen Geifer um die Übernahme von Arbeitsplätzen aus GB infolge des Brexits! Das ist gut für die Stimmung in DE. Dann können die deutschen Unternehmen ob ihrer Exportgewinne in die EU sichern sein. Und darum geht es doch schließlich oder?
outsider-realist 19.07.2017
4. Nein Danke
Der Brexit soll einen großen Bogen um Frankfurt machen. Ich möchte als Bürger dieser Stadt kein zweites London sein. Warum soll ich mich bei unbezahlbaren Mieten und steigenden Kosten als Gewinner fühlen?
ttvtt 19.07.2017
5. Die Karawane zieht weiter
der Mammon hat Dooscht auf freien Zugang zum EU Markt. Und wie die Lemminge werden eine Bank nach der anderer London verlassen. Positiv für London: es wird viel frei in der Innenstadt und die Immobilienpreise fallen. Nützt aber niemanden etwas, weil niemand mehr einen Job hat.
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