Finanzmärkte nach Brexit Pfund fällt auf 31-Jahrestief

Das Brexit-Votum verunsichert weiterhin die Anleger. Die Börsen schwächeln, der Kurs des Pfunds sinkt und sinkt. Staatsanleihen und Gold profitieren.

Londoner Börse
REUTERS

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Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Votums hat die europäischen Anleger wieder eingeholt. Der Kurs des Pfund Sterling stürzte auf ein 31-Jahres-Tief von 1,3098 Dollar. Dax Chart zeigen und EuroStoxx 50 Chart zeigen verloren jeweils knapp zwei Prozent auf 9532,61 und 2812,88 Punkte.

Verstärkt wurde die Verunsicherung der Investoren durch die Krise des italienischen Bankensektors, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt. "Italien könnte ein größeres Risiko für die Stabilität der Euro-Zone sein als der Brexit", warnte Andrew Edward, Chef des Brokerhauses ETX Capital. Das Land habe nach der Lehman-Pleite 2008 seine Hausaufgaben nicht gemacht und den Finanzsektor nicht reformiert.

Auch Konstantin Oldenburger, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, äußerte sich kritisch. "Der EU-Banken-Stresstest Ende des Monats könnte hier weitere Löcher und Schwächen der einzelnen Banken aufdecken."

Immobilienwerte brechen stark ein

Bestätigt sahen sich die Konjunkturpessimisten von Aussagen des britischen Notenbankchefs Mark Carney. Er warnte vor gravierenden Folgen des Brexit für die Wirtschaft auf der Insel. Gleichzeitig lockerte er die Kapitalvorschriften für die Geschäftsbanken, damit diese die Krise besser meistern. Nun stehen den Geldhäusern insgesamt 150 Milliarden Pfund (176 Milliarden Euro) zusätzlich zur Verfügung, die sie zum Beispiel als Kredite vergeben können.

Diese Ankündigung hievte den FTSE 100 Chart zeigen knapp ins Plus. Immobilienwerte wie Berkeley, Barratt oder Taylor Wimpey brachen dagegen um bis zu 6,5 Prozent ein. Die Geschäfte der Branche liefen im Juni so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr. "Die Probleme liegen aber noch vor uns", warnte Jerome Schupp, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SYZ. "Anleger werden bis zum Start der Bilanzsaison in einigen Tagen vorsichtig bleiben."

Vermeintlich sichere Anlagen erfreuen sich dagegen weiterhin großer Beliebtheit. Die "Antikrisen-Währung" Gold hielt sich mit 1346,01 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) in Reichweite ihres Zwei-Jahres-Hochs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schrammte mit minus 0,164 Prozent haarscharf an ihrem Rekordtief vorbei. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen fielen auf neue Rekordtiefstände. Treasuries mit zehnjähriger Laufzeit rentierten im Tief mit 1,375 Prozent, die Rendite dreißigjähriger Staatsanleihen fiel bis auf 2,14 Prozent.

msc/dpa/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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tulius-rex 05.07.2016
1. Inselwährung
Solange die Hängepartie (Brexit) andauert, werden sich Investoren tunlichst zurückhalten und damit das Pfund unter Druck setzen. In der Folge werden Arbeitsplätze abgebaut und somit die Wirtschaft weiter geschwächt. Eine ganz üble Situation für UK. Diese kann kurzfristig nur das britische Parlament beseitigen, in dem es klar und deutlich erklärt, sich nicht an die (durch Cameron illegal angezettelte und nicht bindende) Volksabstimmung über den Brexit zu halten (was legitimes Recht des britischen Parlaments ist).
jaguaros 05.07.2016
2. Aber dann bleibt alles wie es war
Sollte Brexit rueckgaengig gemacht werden, dann wird sich in Bruessel nichts aendern. EU-Kommision bleibt mit Juncker, Schulz und Co.
spon_3308703 05.07.2016
3. Aber dann
werden doch die Exporte begünstigt ! Ironie off*****
ferenghi1969 06.07.2016
4. was gibt es besseres
für GB als ein schwaches Pfund.. Die Exporteure wird es freuen, der Rest von Europa weiter jammern. Sicher jammert das Exportland Deutschland wenn der Export auf die Inseln zurückgeht. Wenn GB nicht unter dem Druck von Rest Europa zusammenbricht und sich so vor TTIP und CETA retten kann, war es das Beste was den Briten in den letzten 30 Jahren passiert ist.
urknallmarinchen@yahoo.de 06.07.2016
5. Es lebe die Queen, doch der BREXIT scheint ihr wohl mächtig aufs Gemüt zu schlagen...
Dabei wäre es so einfach, das Referendum für ungültig zu erklären und die Sache ad acta zu legen. Die Abneigung gegenüber dem EURO scheint jedoch der wahre Grund zu sein, weshalb man letztlich sogar ein zerbröseln Großbritanniens zu einem Kleinbritannien in Kauf nehmen würde.
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