Brexit-Folge Nissan baut neuen SUV in Japan statt England

Autobauer Nissan verlagert einen Teil seiner Produktion aus Großbritannien nach Japan. Einer der Gründe: der bevorstehende Brexit.

Arbeiter im Nissan-Werk in Sunderland (Archivbild)
REUTERS

Arbeiter im Nissan-Werk in Sunderland (Archivbild)


Vier Monate nach dem Brexit-Referendum hatte Autobauer Nissan noch bestätigt, dass es seinen neuen X-Trail im nordenglischen Sunderland fertigen lassen würde. Jetzt gab das Unternehmen bekannt, das neue SUV-Modell werde stattdessen in Japan produziert. Das liegt nicht nur, aber auch, am bevorstehenden Brexit.

"Wir haben die Entscheidung zwar aus wirtschaftlichen Gründen getroffen. Doch die andauernde Unsicherheit über die zukünftigen Verbindungen zwischen Großbritannien und der EU helfen Unternehmen nicht, für die Zukunft zu planen", sagte der Europa-Chef von Nissan, Gianluca de Ficchy. Das Unternehmen plane jedoch weiterhin, die nächsten Juke- und Qashqai-Modelle in Sunderland fertigen zu lassen.

Im Nissan-Werk in Sunderland werden mehr als eine halbe Million Autos pro Jahr produziert, das entspricht rund einem Drittel der gesamten Produktion Großbritanniens. Circa 7000 Menschen arbeiten in dem Werk.

Bereits im vergangenen Jahr gab es hier Kürzungen, Hunderte Menschen verloren ihren Job, weil die Nachfrage nach Dieselmodellen gesunken war.

Wichtige Branche

Für Großbritannien ist die Autoindustrie sehr wichtig, mehr als 850.000 Menschen arbeiten in der Branche. Doch sowohl für die Produktion als auch für den Verkauf ist der freie Handel zwischen den EU-Staaten eine wichtige Voraussetzung.

Bauteile kommen aus der ganzen Welt, Lieferketten laufen quer durch die EU. Grenzkontrollen könnten Lieferungen verzögern, Zölle würden sie teurer machen.

Ähnlich sieht es mit dem Handel aus. "Der Grund dafür, dass viele Hersteller in Großbritannien sind, ist, dass sie auf den europäischen Markt zollfrei exportieren konnten", sagte der Europachef von Toyota im vergangenen Oktober.

Der Chef des britischen Branchenverbands SMMT, Mike Hawes, sagte erst kürzlich, die Branche "befindet sich in Alarmstufe Rot". "Die Unsicherheit rund um den Brexit hat bereits enormen Schaden bei der Produktion, den Investitionen und den Arbeitsplätzen angerichtet." Dies sei aber nichts im Vergleich zu dem, was bei einem ungeordneten Brexit auf die Branche zukomme.

wbr/rtr/AP

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albatross507 03.02.2019
1. Binnenmarkt
Das Grundproblem ist, dass die meisten EU-Bürger gar nicht verstanden haben, was genau der Binnenmarkt eigentlich ist. Z.B. in Lateinamerika ist jeder Import mit Steuern belegt, teilweise mit einem komplexen Sammelsurium aus verschiedenen Steuern. In GB wurden nach langer Tradition der Rosinenpickerei die Vorteile der EU komplett ausgeblendet.
tamna 03.02.2019
2. nachvollziehbare und verantwortungsvolle Entscheidung
...kann darüber irgendjemand überrascht sein? Es wird nicht bei Nissan bleiben.
StonyBrook 03.02.2019
3. Realitätsverlust
Das Ausmaß, das der Realitätsverlust der britischen Regierung und auch von Teilen der Opposition erreicht hat, ist beängstigend. Noch immer wird so getan, als wäre der 29. März eine Deadline, bis zu der man eine Einigung braucht. Dabei ist die Frist längst verstrichen. Die Firmen haben Ihre Notfallpläne aktiviert, und wir Rest-Europäer können uns kaum darüber freuen. Aber solange die Briten weder an der Spitze noch in der Masse einsehen, was für einen Schaden sie da anrichten, wird sich nichts daran ändern. Dadurch, dass jetzt Theresa May die von ihr selbst entworfene Irland-Lösung über den Haufen werfen will, stehen die Chancen auf eine Lösung immer schlechter.
Galluss 03.02.2019
4. Nicht überzeugend
Bisher hatte Nissan mit dem Standort Sunderland an der Ostküste kurz vor Schottland guten Zugang zum EU-Markt. Das wird mit dem Brexit etwas schwieriger, aber die Wege bleiben die gleichen. Die Schweden und Norweger direkt gegenüber werden keine Nissans mehr kaufen. Die wollen nur noch e-autos. Wenn Nissan die Autos in Japan produzieren, haben sie sowohl Probleme mit dem Export nach England wie mit dem Export in die EU. Und lange Seewege. Das wäre dumm. Es geht also um etwas ganz anderes: denen ist der US-Markt wegen der neuen hohen Einfuhrzölle -die die US-Fabrikanten von SUV´s schützt- weggebrochen. Mit dem Standort Japan haben sie besseren Zugang zum chinesischen Markt mit mehr als doppelt soviel Konsumenten als EU und USA zusammen.
bogedain 03.02.2019
5. Bei allem Respekt
für die Briten,die EU zu verlassen...sind das leider logische Entscheidungen der Wirtschaft.Und es werden weitere folgen einschliesslich Airbus.Ich hoffe,dass sind unüberhörbare Warnschüsse an das britische Parlament,es nicht auf die Spitze zu treiben.Kapital sucht sich immer den einfachsten Weg
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