Absturz an Finanzmärkten Schwarzer Freitag für Europas Börsen

Das Austrittsvotum der Briten schockiert Investoren an den Finanzmärkten. Nicht nur in London stürzen die Kurse ab - auch deutsche Aktien geraten ins Taumeln. Droht eine neue Krise?

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Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

  • • Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

  • • Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

  • • Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

Damit hatten die wenigsten gerechnet. Noch am Donnerstag schienen sich die Investoren sicher, dass die Briten für einen Verbleib in der EU stimmen würden. Doch am frühen Freitagmorgen kam der Schock - und die Panik an den Finanzmärkten.

Ob Aktien oder Währungen - die Investoren verkauften alles, was irgendwie durch einen Brexit belastet werden könnte. Und das gilt nicht nur für Großbritannien, sondern auch für Kontinentaleuropa. An der Frankfurter Börse brach der Dax Chart zeigen gleich zu Handelsbeginn um zehn Prozent ein, für den Londoner Leitindex FTSE 100 Chart zeigen ging es zeitweise um acht Prozent nach unten. Solche Verluste gab es zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Im Laufe des Tages verkleinerte sich das Minus etwas. Am Ende schloss der Dax mit einem Verlust von 6,8 Prozent.

Wie damals 2008 trifft es auch diesmal die Banken besonders hart. Der Aktienkurs der Royal Bank of Scotland Chart zeigen brach um bis zu 28 Prozent ein, bei der spanischen Santander Chart zeigen waren es ebenfalls mehr als 20 Prozent. Die Deutsche Bank Chart zeigen lag zeitweise knapp 17 Prozent im Minus, am Ende waren es noch rund 13 Prozent. Für die ohnehin angeschlagene Branche ist der Brexit ein Schock auf den sie zwar vorbereitet war, mit dem viele aber eigentlich nicht gerechnet hatten.

Nun stehen die Notenbanken bereit, um die angeschlagenen Institute mit ausreichend frischem Geld zu versorgen, falls es zu Engpässen kommt. Viel umstellen müssen sie dazu nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa agiert bereits seit 2008 im Krisenmodus. Das heißt, die Banken bekommen so viel billiges Geld, wie sie wollen.

Dennoch ist die Finanzbranche in heller Aufregung. Rund um den Globus müssen Kunden beruhigt und die eigenen Investoren getröstet werden. "Es sieht so aus, als ob Europas schlimmster Alptraum Wahrheit geworden ist", kommentierte Carsten Brzeski, Chefökonom der Bank ING-Diba. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen würden noch lange zu fühlen sein. "Die erste Marktreaktion gibt schon einen guten Vorgeschmack."

Das Kapital flieht in den Dollarraum

Die Richtung, in die es dabei geht, ist eindeutig: Raus aus Großbritannien, aber auch raus aus der Eurozone. Das lässt sich unter anderem am Devisenmarkt ablesen. Nicht nur der Wechselkurs des Pfunds stürzte ab und markierte zeitweise den niedrigsten Stand seit 1985. Auch der Euro wurde im Vergleich zum US-Dollar erheblich geschwächt.

Experten rechnen damit, dass dies so weitergehen wird. "Die Kapitalströme werden in der nächsten Zeit vermehrt in den Dollarraum umgeleitet werden", sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Er rechnet damit, dass das Pfund deshalb insgesamt um 15 bis 20 Prozent an Wert verlieren könnte.

Profitieren dürften neben dem Dollar Chart zeigen dagegen auch Währungen wie der japanische Yen und der Schweizer Franken. Wobei das Wort profitieren bei solch starken Kursbewegungen nicht ganz treffend ist: Die Schweizer Notenbank SNB etwa musste am Freitag bereits am Markt intervenieren, um die eigene Währung nicht zu stark steigen zu lassen. Denn das wäre schlecht für die Schweizer Exportwirtschaft. Und auch die Amerikaner dürften nicht allzu erfreut darüber sein, wenn der Kurs des Dollar enorm zulegt.

Das Geld, das die Investoren aus dem riskanten Aktienmarkt rausziehen, stecken sie gerne in Anlagen, die als sicher gelten. Dazu gehört etwa Gold. Der Preis für eine Feinunze sprang am Freitag bereits um mehr als sechs Prozent nach oben. Aber auch viele Staatsanleihen vermeintlich sicherer Länder waren gefragt. Entsprechend sanken die Renditen auf Tiefststände. In Deutschland brachte eine Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit am Vormittag eine Rendite von minus 0,17 Prozent. Das heißt: Wer dem Staat Geld leiht, muss draufzahlen. Für Schweizer Papiere sind es sogar minus 0,57 Prozent.

Ein Effekt des Brexits dürfte deshalb sein, dass auch die Sparer in Europa weiter mit Mini- oder gar Nullzinsen rechnen müssen.

Wie verzweifelt viele Anleger derzeit auf der Suche nach Rendite sind, zeigt sich daran, dass sie auch nach dem Austrittsvotum sogar britische Staatsanleihen kauften. Die Rendite sank am Freitagmorgen auf einen historischen Tiefstand von etwas mehr als einem Prozent - und das obwohl die Rating-Agentur Standard & Poor's bereit ankündigt hat, das Land im Falle eines Brexits herabzustufen und ihm die Bestnote AAA zu entziehen.

Stefan Kaiser im Video:

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
dingstabumsta 24.06.2016
1. Eine Krise hat ....
...Europa doch immer. Der Sieg der Brexisten ist ein Sieg der Antipolitik gegen die Elite, also genau die, die jetzt Jammern, gehören dazu. Schockierte Investoren werden sich das verlorene Geld schon irgendwie durch kreative Buchführung, Lohndumping oder irgendwie anders von unten holen... Europa wurde zuerst dadurch geschwächt, indem man gerade diese Elite die Politik machen gelassen hat, welches das Erwirtschaftete nicht weitergegeben hat. Dieser exsessive Lobbyismus hat einige wenige stark bevorteilt, aber die allgemeinheit mit Almosen abserviert. Mein hauptgrund für einen Ausstieg aus der Union wäre es gerade die Grenzen dieser Elite aufzuzeigen. Merkels Einwanderungspolitik hat diesen BetriX zu 60 % beeinflusst.
mod2 24.06.2016
2. Marktkapitalisierung
... ist zunächst wirklich nur eine theoretische Zahl. Wenn beispielsweise aufgrund eines plötzlichen Autounfalls des Vorstandsvorsitzenden für eine Aktie weniger reale Einahmen erzielt werden, wird der Wert (multipliziert mit der Anzahl an Aktien) des gesamten Unternehmens daraus abgeleitet und deutlich fallen. Echte Verluste machen nur die Leute, die die Papiere auch tatsächlich zu dem angegebenen Preis verkaufen, obwohl sie sie vorher teurer eingekauft haben ("Verlust realisieren"). Sobald sich aber herausstellt, dass der Vorsitzende wieder wohlauf ist, wird sich (mehr oder weniger) der ursprüngliche Wert einstellen. Das ist aber oftmals keine hochgehypte Mitteilung der Medien wert (übrigens ist genau das inzwischen - bis zu einem gewissen Grad - bereits heute Vormittag noch passiert; bitte das Wort "zeitweise" beachten)
dreamrohr2 24.06.2016
3.
Zitat von dingstabumsta...Europa doch immer. Der Sieg der Brexisten ist ein Sieg der Antipolitik gegen die Elite, also genau die, die jetzt Jammern, gehören dazu. Schockierte Investoren werden sich das verlorene Geld schon irgendwie durch kreative Buchführung, Lohndumping oder irgendwie anders von unten holen... Europa wurde zuerst dadurch geschwächt, indem man gerade diese Elite die Politik machen gelassen hat, welches das Erwirtschaftete nicht weitergegeben hat. Dieser exsessive Lobbyismus hat einige wenige stark bevorteilt, aber die allgemeinheit mit Almosen abserviert. Mein hauptgrund für einen Ausstieg aus der Union wäre es gerade die Grenzen dieser Elite aufzuzeigen. Merkels Einwanderungspolitik hat diesen BetriX zu 60 % beeinflusst.
stimmt...und die Politiker die das ermöglicht haben aber, sitzen immer noch in den Regierungen... hüben wie drüben...
schlauchschelle 24.06.2016
4. Das klingt gerade so
als ob die Bürger GB's an den Nullzinsen bzw. Negativzinsen schuld wären. Zitat: "Ein Effekt des Brexits dürfte deshalb sein, dass auch die Sparer in Europa weiter mit Mini- oder gar Nullzinsen rechnen müssen." Zitat Ende. Dabei ist es die völlig vermurkste Währungsunion mit all ihren Ungleichgewichten und Auswüchsen, welche daran schuld ist und die wiederum zum Brexit geführt hat. Wann wird man bei den EU-Fanatikern und Weltuntergangsspezialisten erkennen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann? Nun den Brexit-Befürwortern die Schuld an Allem zu geben ist zu kurz gedacht.
mrotz 24.06.2016
5. Wettgeschäfte....
"....belastet werden könnte." Jo mei. Würde niemand, solchen Schmarrn versuchen zu prognostizieren, würde es auch diese gleichzeitige Panikverkäufe nicht geben und es würde sich nur darum drehen, daß GB die Gurkenkrümmung nun selbst festlegen muß. Die Panik ist von den Wettern und Wettbüros selbst verursacht. mfg
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