Brexit-Verhandlungen Warum britische Scotch-Brenner einen EU-Deal ablehnen

Scotch Whisky macht ein Fünftel der britischen Lebensmittelexporte aus. Wohl auch deshalb gehörten Whisky-Brenner zu den stärksten Gegnern des Brexits. Einen Deal mit der EU wollen sie dennoch nicht.

Arbeiter in einer Whisky-Fabrik in Glasgow
REUTERS

Arbeiter in einer Whisky-Fabrik in Glasgow


Britische Scotch-Whisky-Brenner wollen nach dem Brexit keinen Deal mit der Europäischen Union. Wenn die Branche kein Mitspracherecht im Fall eines Verbleibs im Europäischen Binnenmarktes erhalte, würden die Brenner die Einfuhr in die EU eher unter den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) laufen lassen, sagte Karen Betts, Vorstandsmitglied der Scotch Whisky Association (SWA).

Die Whisky-Hersteller gehörten zu den stärksten Gegnern des Brexits, nach dem Austrittstermin Großbritanniens Ende März 2019, sei ein Verbleiben im Europäischen Binnenmarkt jedoch nicht ratsam.

"Wenn man genau darüber nachdenkt, birgt es wirkliche Risiken, im Binnenmarkt zu bleiben, an die EU-Regeln gebunden zu sein, aber keinerlei Mitspracherecht zu haben", sagte Betts. Während der Verhandlungen zwischen Brüssel und London würde die Branche neuen Vorschlägen gegenüber allerdings aufgeschlossen bleiben.

Null Prozent Einfuhrzölle nach WTO-Regeln

Nach den Regeln der Welthandelsorganisation gibt es null Prozent Einfuhrzölle für Scotch Importe in die Europäische Union. Dieser gilt für beinahe alle Spirituosen und verschafft den Brennern eine besonders vorteilhafte Stellung im Vergleich zu anderen Lebensmittelproduzenten.

Die Position der Whisky-Industrie hat Gewicht: 2017 exportierten die Hersteller Scotch im Wert von knapp fünf Milliarden Euro. Das sind mehr als ein Fünftel aller britischen Lebensmittelexporte. In der britischen Whisky-Branche sind rund 40.000 Menschen beschäftigt.

Nach britischem Gesetz darf Scotch nur in Schottland hergestellt werden. Doch die Branche wird von multinationalen Konzernen wie Diageo Chart zeigen oder Pernod Ricard dominiert - Exporte generieren 90 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zu den zehn größten Importländern zählen auch Frankreich, Spanien und Polen.

ans/Reuters



insgesamt 30 Beiträge
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Stäffelesrutscher 21.02.2018
1.
»Dieser gilt für beinahe alle Spirituosen und verschafft den Brennern eine besonders vorteilhafte Stellung im Vergleich zu anderen Lebensmittelproduzenten.« Zwar bedeutet das Wort Whisky »Wasser des Lebens«, aber dass diese Spirituose als »Lebensmittel« eingestuft würde, wäre dann doch sehr seltsam. Insofern sollten Sie das Wörtchen »anderen« vor den »Lebensmittelproduzenten« lieber entfernen. Prost!
hansulrich47 21.02.2018
2. Na und?
Ich hab selten so was highly overrated erlebt wie Scotch. Das Gesöff lebt davon, dass in Spanien Sherryfässer das Aroma des Sherrys aufgenommen haben und dann in Schottland mit klarem Destillat von Gerstenschnaps gelagert werden. Nicht mal 'ne saubere Kolonnendestillation konnte man mir in Schottland zeigen. Da wird Stärke vergoren und 'thermisch umgeschüttet', im spanischen Fass gelagert und dann mit viel Werbung als 'single malt' vergoldet. Wenn es aus nur einem Fass kommt. Wird's aus mehreren Fässern gemischt, ist es blended und hat weniger Wert. Sei's drum. Mich beeindruckt es nicht mehr!
Lankoron 21.02.2018
3. Tja, wenn man fast
konkurenzlos ist, braucht man sich auch nicht vor etwas zu fürchten, was einem sowieso kaum schadet. Und wieviel von den 5 Mrd werden denn überhaupt in der EU erzeugt? Und ganz ehrlich, selbst wenn man 20% Steuern draufschlägt...ob der Macallen dann 60 oder 70 Euro kostet, ist auch egal. Wehtun würde es lediglich den Industrieerzeugern.
capote 21.02.2018
4. Sturm im Whiskyglas
Der Löwenanteil beim Preis des Durchschnitts Scotch ist die Alkoholsteuer auf die dann noch mal Mehrwertsteuer erhoben wird. Brexit hin- oder her wird sich am Verkaufserfolg von Scotch nichts ändern.
karlsiegfried 21.02.2018
5. Ist schon lustig
Zigaretten werden verteufelt und Alkohol wird verharmlost. Mag das der Grund dafür sein, Zitat: 'Die Position der Whisky-Industrie hat Gewicht: 2017 exportierten die Hersteller Scotch im Wert von knapp fünf Milliarden Euro. Das sind mehr als ein Fünftel aller britischen Lebensmittelexporte. In der britischen Whisky-Branche sind rund 40.000 Menschen beschäftigt.'
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