Umfrage unter Managern Brexit treibt Investoren nach Deutschland

Die deutsche Wirtschaft dürfte vom geplanten EU-Austritt Großbritanniens profitieren - und das gilt nicht nur für den Finanzstandort. Laut einer Umfrage planen mehr ausländische Firmen Investitionen in Deutschland.

London im Regen
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London im Regen


Das Brexit-Votum und die in der Folge befürchteten Auswirkungen auf den Freihandel erhöhen offenbar die Attraktivität von Deutschland für Investoren. In einer Umfrage sahen 40 Prozent der ausländischen Firmen Deutschland als attraktiven Investitionsstandort, das waren zwei Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr, wie aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) hervorgeht.

Für mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Firmen, die bislang in Großbritannien aktiv sind, wäre Deutschland ein bevorzugtes Ziel außerhalb des Vereinigten Königreichs. Allerdings warnt EY-Deutschlandchef Hubert Barth: "So erfreulich die steigende Attraktivität des Investitionsstandortes Deutschland ist - dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU viele deutsche Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellen wird."

So steht beispielsweise für die Automobilindustrie viel auf dem Spiel. Neue Handelshemmnisse über Zölle oder Vorschriften seien für viele Unternehmen eine Belastung. (Lesen Sie hier, wie ein Handelsrechtsexperte beispielsweise die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump mit Strafzöllen bewertet.)

Die Auswirkungen des Brexit-Votums spüren knapp drei Viertel (71 Prozent) der Unternehmen schon jetzt, obwohl Großbritannien frühestens in zwei Jahren aus der Europäischen Union austreten wird. Bei etwa 28 Prozent sind die Gewinnmargen, also das, was vom Umsatz übrigbleibt, geschrumpft, weil Importe wegen des niedrigen Pfund-Kurses teuer geworden sind. 29 Prozent klagen über höhere Einkaufspreise vor Ort.

Die Unternehmensberatung Ernst & Young hatte für die Untersuchung im vergangenen November 254 Manager dazu befragt, welche Risiken, die ihre Investments betreffen, den größten Einfluss auf Investitionsentscheidungen in Europa haben. Eine Frage lautete, welches Land oder welche Region das bevorzugte Ziel, wäre, falls Unternehmensteile verlagert werden sollten.

nck/dpa

insgesamt 44 Beiträge
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ackergold 31.01.2017
1. Habe nichts anderes erwartet
Für die Wirtschaft und damit auch für die Beschäftigung ist nun mal Stabilität und offene Märkte wesentlich förderlicher, als Nationalismus und Protektionismus, aber einige werden das nie begreifen.
mailo 31.01.2017
2.
Ist auf jeden Fall erfreulich. Besser ist es für Deutschland wenn such Länder wie Frankreich oder Italien profitieren.
Trolf77 31.01.2017
3. Ob das so erfreulich ist ?
Die deutsche Wirtschaft befindet sich bereits jetzt in einem ziemlich überhitzten Zustand, die Ungleichgewichte in der Euro-Zone sind nach wie vor gewaltig. Ob da noch mehr Investitionen in Deutschland begrüßenswert sind ? Höchstens für Leute, denen die Immobilienpreise noch zu niedrig und die Zuwanderung noch nicht groß genug ist. Wäre dafür, den Begriff "Profitieren" an dieser Stelle mal zu hinterfragen.
urbanism 31.01.2017
4. Wir wollen mal abwarten..
Wir wollen mal abwarten, wenn die potenziellen Investoren ihre ersten Erfahrungen mit der deutschen Bürokratie, Gesetze, Auflagen, Steuern, Abgaben und Bürgerklagen gemacht haben, dann ist Deutschland, wie bisher, bestimmt nicht erste Wahl...
Freedom of Seech 31.01.2017
5. @ackergold
Stimme Ihnen zu. Am Ende werden maßgebliche Vertreter der Wirtschaft hoffentlich stark genug sein, um den Spuk der pseudo-demokratischen Populisten bzw. Bauernfänger und deren irrationalen Nationalismus und Protektionismus ein Ende zu bereiten. Das verführte Volk und die politischen Parteien sind dazun offenbar nicht in der Lage.
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