Britische Bank Barclays kappt Boni trotz Rekordgewinns

Die zweitgrößte britische Bank will mit gutem Beispiel vorangehen: Obwohl Barclays im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielte, kürzt das Finanzinstitut die Boni seiner Mitarbeiter. Einige Manager verzichten sogar ganz auf die Zusatzvergütung.

Barclays: Prämienzahlungen im Umfang von 1,5 Milliarden Pfund für 2009
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Barclays: Prämienzahlungen im Umfang von 1,5 Milliarden Pfund für 2009


London - Es ist ein Zeichen gegen die Gier der Banker: Trotz eines Rekordgewinns im Jahr 2009 fährt die britische Großbank Barclays ihre Boni-Zahlungen deutlich zurück. Vor Steuern erwirtschaftete das Institut im Krisenjahr dank eines Spartenverkaufs mit 11,6 Milliarden Pfund (rund 13,4 Milliarden Euro) fast doppelt so viel wie 2008 und verdiente damit mehr als jede andere europäische Bank.

Dabei profitierte Barclays auch schon davon, zum Höhepunkt der Finanzkrise das US-Geschäft der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers geschluckt zu haben. Börsianer waren begeistert: Die Aktien des Instituts legten in London um acht Prozent zu und zogen in ganz Europa Branchentitel mit nach oben.

Barclays kam in der Krise im Gegensatz zu vielen seiner einheimischen Konkurrenten ohne direkte Staatshilfen aus. Bankchef John Varley sieht sein Institut dennoch in der Pflicht, auf die öffentliche Empörung über hohe Boni-Zahlungen zu reagieren. "Der Bund des Vertrauens muss durch das Verhalten der Banken wiederhergestellt werden - durch unsere Kreditvergabe und unsere Bezahlung."

38 Prozent der Einnahmen für die Beschäftigten

Barclays kündigte Prämienzahlungen im Umfang von 1,5 Milliarden Pfund für 2009 an, weitere 1,2 Milliarden Pfund will das Geldhaus in langfristigen Aufschlägen auszahlen, die binnen der kommenden drei Jahre fällig werden und wieder zurückgezogen werden können. Die Investmentbanker des Instituts erhalten im Schnitt für das abgelaufene Jahr einen Bonus von 95.000 Pfund, womit sich ihre Gesamtvergütung auf 191.000 Pfund (knapp 220.000 Euro) beläuft.

Spartenchef Bob Diamond und Varley selbst wollten jedoch mit gutem Beispiel vorangehen und verzichteten das zweite Jahr in Folge auf Barzulagen. Insgesamt zahlt das Institut in der Investmentsparte Barclays Capital 38 Prozent der Einnahmen an die Beschäftigten aus - vor einem Jahr waren es noch 44 Prozent.

Damit bewegen sich die Briten wieder im Branchenschnitt, während sich die Deutsche Bank mit 40 Prozent gegenüber ihren Investmentbankern etwas großzügiger zeigt. Sie erwirtschaftete 2009 einen Nettogewinn von fünf Milliarden Euro.

Investmentsparte verdoppelt Gewinn

Barclays profitierte im vergangenen Jahr von der Erholung an den Kapitalmärkten. Rund die Hälfte des Gewinns stammt jedoch aus dem Verkauf der Vermögenssparte BGI, die im ersten Halbjahr für 13,5 Milliarden Dollar an den Finanzkonzern BlackRock ging. Davon abgesehen erwirtschaftete Barclays 5,6 Milliarden Pfund nach 1,6 Milliarden Pfund im Vorjahr. Die Investmentsparte konnte ihren Gewinn ebenfalls nahezu verdoppeln auf 2,5 Milliarden Pfund.

Branchenexperten zeigten sich zudem erleichtert darüber, dass die faulen Kredite mit gut acht Milliarden Pfund deutlich niedriger ausfielen als erwartet. Das Institut sprach zur Freude der Börsianer auch von einem guten Start ins neue Jahr. Varley erklärte, beim Vorsteuergewinn zeichne sich bislang eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab.

böl/Reuters



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