Murdoch gegen Comcast Britische Regierung macht Weg frei für Bieterwettbewerb um Sky

Der Murdoch-Konzern 21st Century Fox und US-Kabelkonzern Comcast dürfen nun um den möglichen Erwerb von Sky ringen - die britische Regierung erlaubt eine Übernahme. Einige Auflagen stehen bereits fest.

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Großbritannien ermöglicht die Übernahme des Bezahlfernsehsenders Sky durch den Medienmogul Rupert Murdoch. Voraussetzung sei jedoch, dass Murdoch den Nachrichtensender Sky News wie von ihm vorgeschlagen an den US-Medienkonzern Walt Disney oder einen anderen Käufer veräußere. Das wäre voraussichtlich der angemessenste und wirksamste Weg, um die Bedenken im Zusammenhang mit der Übernahme auszuräumen, sagte der britische Kulturminister Matt Hancock.

Die Entscheidung macht für Murdochs Konzern 21st Century Fox den Weg frei, im Übernahmekampf um Sky gegen den Konkurrenten Comcast weiter anzutreten.

Sorge um zu viel Kontrolle über Nachrichtenanbieter

Murdoch, dem bereits 39 Prozent an Sky gehören, hatte Ende 2016 ein Kaufangebot für den Rest der Anteile vorgelegt. Doch das Geschäft war bei der britischen Regierung und der Wettbewerbsbehörde auf Widerstand gestoßen. Sie hatten die Sorge geäußert, dass Murdoch eine zu große Kontrolle über Nachrichtenanbieter in Großbritannien erlangen könnte. Ende Februar hatte dann der größte US-Kabelnetzbetreiber Comcast seinen Hut in den Ring geworfen und ein höheres Gegengebot vorgelegt.

Fox hatte bereits zugesichert, zehn Jahre lang ein unabhängiges Sky-Nachrichtenangebot zu betreiben. Murdoch hatte zudem angekündigt, nach einer Übernahme die Sky-Beteiligung im Rahmen der mehr als 50 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Großteilen des Murdoch-Imperiums durch Walt Disney an den Unterhaltungskonzern weiterreichen zu wollen.

Hancock erklärte, dass er im Übernahmepoker zwischen Murdoch und Comcast nicht eingreifen werde. Fox begrüßte die Ankündigung des Kulturministers. Das Unternehmen sei zuversichtlich, eine endgültige Entscheidung erreichen zu können, um die Transaktion unter Dach und Fach zu bekommen.

Sky zog Empfehlung für Murdoch-Gebot zurück

Sky erklärte, dass sich seine unabhängigen Direktoren weiterhin auf die Maximierung des Werts für die Sky-Aktionäre konzentrierten. Diese hatten im April nach der Offerte von Comcast ihre bereits erteilte Empfehlung für die Annahme des Gebots von Murdoch zurückgezogen.

Gegen den 87 Jahre alten Medienmogul Murdoch sitzt das Misstrauen in Großbritannien spätestens seit dem Abhörskandal um die 2011 eingestellte Wochenzeitung "News of the World" tief. Jahrelang hatten Murdochs Journalisten Handygespräche von Verbrechensopfern und Prominenten abgehört und Polizisten bestochen.

Murdoch gehören bereits die auflagenstärkste Zeitung des Landes, das Boulevardblatt "The Sun", die seriöse "Times" und die gleichnamigen Sonntagszeitungen. Die Briten fürchten dabei nicht nur den Einfluss auf die Meinung der Massen, sondern auch auf die Politik. Kein britischer Politiker könnte es sich leisten, den Zorn dieser geballten Medienmacht auf sich zu ziehen, so die Sorge.

cop/dpa/Reuters



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Seite 1
frenchie3 06.06.2018
1. Die Sorgen sind
mehr als berechtigt. Könnte sich komplett in Luft auflösen wenn die Leute nicht immer denken würden "muß ja was dran sein, steht ja in der Zeitung".
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