Gehaltsforderungen Frankreichs Wirtschaftsminister warnt vor Ende von Air France

Die kompromisslose Haltung der Air-France-Piloten stößt bei Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire auf Unverständnis. Die Fluglinie sei in ihrer Existenz bedroht.

Air-France-Maschinen in Paris
AFP

Air-France-Maschinen in Paris


Im erbitterten Tarifstreit bei der Fluggesellschaft Air France hat Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire den Piloten verantwortungsloses Verhalten vorgeworfen. "Wenn man weiß, dass ein Unternehmen in Gefahr ist, dann stellt man nicht solch hohe Forderungen wie die, die jetzt auf dem Tisch liegen", sagte Le Maire am Sonntag in einem Interview bei dem TV-Sender BFMTV. Die Forderungen der Piloten seien nicht gerechtfertigt. Der Minister warnte: "Air France wird verschwinden, wenn es nicht die nötigen Bemühungen unternimmt, um wettbewerbsfähig zu sein."

Die französischen Gewerkschaften fordern für die Air-France-Beschäftigten eine sofortige Gehaltserhöhung um 5,1 Prozent, nachdem der Konzern seinen Gewinn 2017 kräftig gesteigert hatte. Das Unternehmen hatte sieben Prozent verteilt über vier Jahre angeboten.

Seit Ende Februar haben Beschäftigte von Air France an 13 Tagen gestreikt. Die Ausstände kosteten den Konzern im ersten Quartal 75 Millionen Euro und drückten den Konzern tief in die roten Zahlen. Von Januar bis März verbuchte Air France-KLM einen operativen Verlust von 118 Millionen Euro - nach einem Minus von 33 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Frankreich ist mit gut 14 Prozent an dem französisch-niederländischen Konzern beteiligt. Der Staat sei nicht dafür da, die Schulden eines Unternehmens zu übernehmen, das nicht genug für seine Wettbewerbsfähigkeit tue, sagte Le Maire. "Ich hoffe, dass man zum sozialen Dialog zurückkehrt und dass die Vernunft siegt."

Zuletzt hatte der Konflikt Konzernchef Jean-Marc Janaillac den Posten gekostet. Er hatte nach einer Mitarbeiterbefragung seinen Rücktritt angekündigt, bei der sich eine Mehrheit gegen den jüngsten Gehaltsvorschlag des Managements ausgesprochen hatte. Janaillac soll noch bis zum 15. Mai im Amt bleiben. Dann entscheide der Verwaltungsrat über eine Übergangslösung, teilte Air France mit.

Montag und Dienstag streiken die Air-France-Beschäftigten erneut. Am Montag fallen nach Unternehmensangaben 15 Prozent der Flüge aus.

mik/dpa-AFX



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Steve.Joe 07.05.2018
1. Piloten
Gerade die Luftfahrtunternehmen unterliegen einem Kostendruck aus der Globalisierung. Ich habe den Eindruck, dass die Piloten das noch nicht erkannt haben. Im letzten Jahrzehnt sind viele ehemaligen Staatsairlines verschwunden; und damit sind die Arbeitspätze an ausländische Anbieter gefallen. Der Minister hat recht, wenn er zu Mäßigung aufruft. Ich vermute, dass in vielen Luftfahrt-Unternehmen eine Gruppe von Piloten gibt, die um ihren Besitzstand fürchten. Die jungen Piloten werden wohl kaum entsprechende Verträge haben. Und die Unternehmen müssen Gewinne machen können; sonst überleben diese nicht den nächsten konjukturellen Einbruch.
g.dieffenbach 07.05.2018
2. immer die gleiche alte Leier
hohe Lohnforderungen stürzen das Unternehmen in die Krise, gar in den wirtschaftlichen Ruin, ja, ja. Schmeißt alle Manager raus, die mehr als 150.000,-- Euro pro Jahr verlangen, deren Wirkungsgrad ist nämlich ohnehin gleich null und fliegen können sie auch nicht. Dann setzt die Dividenden der Aktionäre auf null und macht aus der AG eine gemeinnützige Genossenschaft... e voila und Air France fliegt die nächsten 100 Jahre. Liebe Grüße, Eure Gabi
wolfi55 07.05.2018
3. 150.000€ im Jahr
Das sind bei den Fluggesellschaften ziemlich viele Mitarbeiter, weil die ganze besseren piloten in der Gehaltsklasse liegen. Und dass Großverdiener verantwortungsbewusst mit dem Thema Bestand der Firma umgehen, das ist doch nur ein frommer Wunsch. Es kann nichts teuer genug sein, wenn es den Großverdienern noch ein paar Euro zusätzlich in die Kassen spült. In Frankreich müssen einige noch viel lernen in der Hinsicht und Macon und seine Regierung werden da noch einiges aushalten müssen. Aber das was wir mit der Agenda 2010 hattem das muss Frankreich noch durchmachen. Deren Industrie ist kaum noch wettbewerbsfähig im globalen Maßstab. Das ist in Deutschland anders. Aber den Gewerkschaften in Frankreich geht das Wohl der Arbeitnehmer dort gelinde gesagt am Arsch vorbei und der Politikerkaste zum großen Teil auch. Die leben in einer Parallelwelt.
Spr. 07.05.2018
4.
Wenn eine neoliberale Regierung hofft, dass in einem Tarifstreit "die Vernunft siegt", ist das gleichbedeutend mit der Forderung an die Arbeitnehmer, zukünftig zu immer schlechter werdenden Bedingungen bei real sinkenden Löhnen länger und "verdichteter" zu arbeiten. Die Mitarbeiter von Air France tun gut daran, sich dagegen mit aller Macht zu wehren! Täten sie das nicht, ginge es ihnen bald so wie der Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland: Bezahlung auf dem Niveau der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts nebst inzwischen deutlich schlechterem Arbeitsschutz bei Preisen von heute! Kommt Macron dagegen damit durch, in Frankreich den Schröder zu machen und mit Lohndumping, Sozialabbau und massiven Vergünstigungen für Unternehmen eine neue Unterschicht zu etablieren, kann es nur noch schlimmer werden. Denn dann ist damit zu rechnen, dass Macron in der nächsten Legislaturperiode die Merkel macht und die "wirtschaftskonforme Demokratie" einführt, in der die Demokratie immer hinter den Wünschen und Forderungen "der Wirtschaft", was hier insbesondere internationale Großkonzerne meint, zurückzustehen hat.
florafauna 07.05.2018
5. Gewinnsteigerung
2017 gab es eine kräftige Gewinnsteigerung und jetzt gehen sie in die Knie? Ja, klar....
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