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Kinderbücher im "Happy Meal": Foodwatch kritisiert McDonald's-Aktion

Bei McDonald's gibt es jetzt Lesestoff statt Spielzeug: Der Konzern verteilt ab sofort vier Millionen Kinderbücher - als Teil des "Happy Meals". Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der Stiftung Lesen vor, sich für das Marketing der Fast-Food-Kette einspannen zu lassen.

Kinder bei McDonald's: Umstrittene Kooperation mit der Stiftung Lesen Zur Großansicht
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Kinder bei McDonald's: Umstrittene Kooperation mit der Stiftung Lesen

Hamburg - Vier Wochen lang gibt es bei McDonald's nun Bücher zum Burger. Der Fast-Food-Konzern kooperiert bei der Aktion mit der Stiftung Lesen, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel lautet: "Lesefreude wecken, um Lesekompetenz zu vermitteln." Die Stiftung bezeichnet die Aktion, bei der insgesamt vier Millionen Kinderbücher verteilt werden, als Chance, bildungsferne Schichten zu erreichen.

Doch ist dieses hehre Ziel Grund genug, Teil des Marketings der Burger-Kette zu werden? Die Verbraucherschützer von Foodwatch finden: nein. In einem Offenen Brief übt die Organisation scharfe Kritik an dem Projekt und fordert von der Stiftung, "auf Kooperationen zu verzichten, die Unternehmen wie McDonald's helfen, ihre Geschäftsinteressen mit einem Bildungsauftrag für Kinder zu bemänteln".

In dem Brief heißt es weiter: "Die Stiftung Lesen unterstützt ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten kalorienreiche Burger, Pommes und Softdrinks an Kinder vermarktet." Damit präge McDonald's den Geschmack und die Ernährungsgewohnheiten der Kleinsten, "damit sie ein Leben lang Kunden bleiben".

Foodwatch schreibt weiter, man teile die Ziele der Stiftung Lesen, bildungsfernen Schichten den Zugang zu Büchern zu erleichtern. Der Zweck heilige aber nicht die Mittel. Denn genauso wie Lesen sei es für Kinder wichtig, einen ausgewogenen Ernährungsstil zu lernen. Und genau dies werde durch die Aktion erschwert - immerhin seien die "Happy Meal"-Bücher bereits für Dreijährige gedacht.

"Man muss ungewöhnliche Wege gehen"

Bei der Stiftung Lesen reagiert man gelassen auf die Foodwatch-Kritik. "Es war uns bewusst, dass die Aktion für Kontroversen sorgen wird", sagte Bettina Müller, die Leiterin der Kommunikation, SPIEGEL ONLINE. "Wir sind aber der Meinung, dass man angesichts der erschreckend hohen Zahl von Analphabeten auch ungewöhnliche Wege gehen muss."

Insgesamt verteilt McDonald's in den kommenden vier Monaten acht verschiedene Bücher: Vorlese- und Bilderbücher für Drei- bis Fünfährige, Werke der "Was ist was?"-Reihe sowie die Titel "Conni geht in den Zoo" und "Der kleine Drache Kokosnuss".

Deutschland ist übrigens nicht das erste Land, in dem McDonald's zum "Happy Meal" Bücher verteilt. Anfang des Jahres sorgte die Aktion in Großbritannien für Aufregung. Der Chef einer Kampagne für gesunde Kinderernährung sprach von einer "unangemessenen Marketing-Strategie". Man müsse hinterfragen, ob es McDonald's Rolle in der Gesellschaft sei, sich um die Alphabetisierung der Kinder zu kümmern.

cte

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Daseinszweck
fludd 31.08.2012
Ein waches Aufe auf unsere Lebensmittelversorgung zu setzen ist eine gute Sache. Im konkreten Falle scheint mir, das Foodwatch das Kritisieren als eigenen Daseinszweck ausgemacht hat und eine zwanghaft negative Perspektive einimmt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Kind aus bildungsnahem Familienumfeld wegen dieser Aktion der Schnellfraß-Sucht verfällt. Doch besteht nicht Hoffnung, dass einige der Kinder, deren Eltern bislang nur TV, Nintendo, Playstation und Smarpthpone zur "Kinderbildung" benutzten, ein für sie vollkommen neues Medium als schöne Sache entdecken?
2. Notwendige Mittel zum Zweck
sally_lu 31.08.2012
Da viele Kinder wenig lesen bzw. es auch nicht sonderlich gut können und ich mir sehr gut vorstellen kann, dass der Großteil dieser Kinder häufig mit seinen Eltern zu McDonalds gehen, halte ich diese Kooperation für eine sinnvolle Sache. Jedenfalls ist das auch weitaus besser als das übliche "Spielzeug", welches es bei McDonalds gibt. Offenbar hat sich McDonalds Gedanken gemacht, sonst wäre es kaum solch eine Kooperation eingegangen. Fast Food wird mit Sicherheit nicht mehr oder weniger durch diese Aktion konsumiert - davon bin ich überzeugt. Und wenn man dadurch womöglich die Eltern mal zum Vorlesen animieren kann - meine Güte, warum dann nicht auf diesem Weg? Ich stimme der Stiftung Lesen voll und ganz zu! Man muss auch ungewöhnliche Wege gehen.
3. Kirche im Dorf lassen
Zauberhexe 31.08.2012
So sehr ich foodwatch schätze: Hier schiessen sie m. E. übers Ziel hinaus. Ich finde die Bücher-Aktion gut. Es liegt übrigens immer noch an den Eltern bzw. an mir als Oma ob und wie oft ich mit den Kids zu McDonalds gehe. Das kann ich - oh Wunder - ganz toll selbst entscheiden, freue mich sogar, wenn's zum Happy Meal Bücher anstatt Plastikspielzeug gibt und brauche dazu ganz gewiss nicht die "Unterstützung" von foodwatch.
4.
cheshirekitten 31.08.2012
ganz gleich was McDonalds tut, es wird immer in den Augen irgendwelcher Kritiker das falsche sein. Sollten nicht Eltern auf die Ernährung ihrer Kinder achten? Auch Fastfood sollte im Leben eines Kindes eine Rolle spielen dürfen, wenn ich einem Kind Fastfood vorenthalte, ist die Chance groß dass es später viel mehr danach gelüstet. Ich denke ab und zu McDonalds, dürfte nicht schaden.
5. Foodwatch: Sechs, setzen!
jObserver 31.08.2012
KEINER geht zu McDonalds, UM zu lesen. Und wer schon so ungesund isst und dann ein Buch bekommt, was für die Entwicklung eines Kindes leider viel wichtiger ist als es eben jene bildungsfernen Schichten denken (bzw. nicht denken), dann ist zwar nicht ernährungstechnisch, aber zumindest bildungstechnisch etwas besser gelaufen. Und nichts schlechter.
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