Büro-Alltag Hilfe, meine Kollegin ist so komisch!

Die neue Mitarbeiterin ist kompetent, hat aber ein paar Marotten, die allen missfallen. Sollen die Kollegen sie darauf hinweisen? Auf jeden Fall, rät Managementberater Rüdiger Klepsch. Und verrät gleich noch, warum jeder vom Feedback anderer Menschen profitiert.

Neuer Kollege in der Firma: Sich so häufig wie angemessen Rückmeldung geben lassen
Corbis

Neuer Kollege in der Firma: Sich so häufig wie angemessen Rückmeldung geben lassen


"Wir haben seit vier Wochen eine wirklich sympathische, sehr kompetente Kollegin. Die neue Mitarbeiterin hat nur ein Problem: Wenn sie etwas erklärt, macht sie das mit einer abgehackten Sprache und einer ausgesprochen affektierten Mimik. Nun hat mein Chef mich gebeten, sie darauf hinzuweisen. Und damit habe ich ein Problem." Heike V.

Sehr geehrte Frau V., Ihre Situation können viele Angestellte gut nachvollziehen. Schließlich wechseln die Mitarbeiter immer schneller zwischen den Firmen und einzelnen Abteilungen - und deshalb muss sich jedes Team regelmäßig auf neue Gesichter einstellen. Merkwürdiges Verhalten der frischen Kollegen inklusive.

Als Kollegin sollten Sie der neuen Mitarbeiterin vertraulich eine Rückmeldung anbieten. Als Vorgesetzter muss man dies sogar tun. Es wäre also zuallererst die Aufgabe Ihres Chefs, dem neuen Teammitglied ein Feedback zu geben, statt diese Aufgabe an Sie zu delegieren.

Ob Sie es letztlich machen oder Ihr Vorgesetzter - alle werden davon profitieren. Denn eine gute Einarbeitung - und dazu gehört auch das "Einstimmen" in die neue Gruppe - ist der beste Garant für eine früh einsetzende, hohe Leistungsfähigkeit. 80 Prozent davon, wie zwischenmenschliche Kommunikation wirkt, leitet sich aus nonverbalen Signalen wie der Gestik, der Mimik oder der Modulation der Stimme ab. Nur 20 Prozent der Verständlichkeit werden durch die gesprochenen Worte transportiert.

Was also konkret tun? Ein Lustigmachen über die Kollegin durch Nachäffen ist keine Lösung. Hinter dem Rücken küchenpsychologische Hypothesen zu entwickeln und darüber beim Kaffee mit den Kollegen zu schwatzen, wirkt sich negativ auf das Arbeitsklima aus. Allerdings hilft ignorieren nach dem Motto: "Das wächst sich raus!" auch nichts. Natürlich ist das Leben bunt, und so sollte es auch bleiben. Unterschiedlichkeit ist eine Bereicherung. Wenn Unterschiedlichkeit aber aneckt, dann muss dem Betroffenen zumindest die Chance zur Reflexion gegeben werden.

Das Ziel: Die "blinden Flecken" kennenlernen

Schließlich hat jeder von uns blinde Flecken. Ein kleiner Test für diejenigen, die das nicht glauben: Lassen Sie sich auf einem Video bei einem Gespräch aufnehmen. Beim Anschauen werden Sie kleine Gesten, Blicke, ein Herumfuchteln mit den Händen und anderes bei sich entdecken, das Sie stört. Und Ihre Körperhaltung insgesamt dürften Sie als ungewöhnlich und ein wenig irritierend wahrnehmen.

Für den Alltag heißt das: Lassen Sie sich so häufig wie es sozial angemessen erscheint (also nicht einmal die Woche) eine Rückmeldung geben. Und zwar nach Möglichkeit von unterschiedlichen Menschen. Aber Vorsicht: Diesem Feedback zuzuhören, heißt dann nicht unbedingt, ihm auch zuzustimmen. Vielmehr ist die Rückmeldung von anderen eine ungeheure Bereicherung, um die eigene Wirkung in unterschiedlichen Situationen kennenzulernen.

Je früher Ihre Kollegin also eine Rückmeldung darüber bekommt, wie sie wirkt, umso schneller kann sie den "blinden Fleck" - also das, was andere wahrnehmen, sie selbst aber nicht - für sich einschätzen. Und sich der Frage stellen, ob sie so bleiben will oder doch dazulernt. Je genauer man selbst über seine "blinden Flecken" Bescheid weiß, umso besser kann man die eigene Wirkung beurteilen und lenken.

Will die Kollegin an ihrem Auftreten arbeiten, hat sie verschiedene Möglichkeiten: Es gibt Stimmtrainer, die einem helfen, die Modulation zu verbessern. Ziel ist hierbei nicht die Ausbildung zum Nachrichtensprecher, vielmehr geht es um den Aufbau oder Ausbau von Selbstsicherheit im und durch den Gebrauch der Stimme. Weiter gibt es Verhaltenstrainer, die einen bei leichteren Auffälligkeiten unterstützen, diese zu "überschreiben". Oder es gibt die zu Unrecht häufig verpönte Möglichkeit, an seiner sozialen Selbstsicherheit psychotherapeutisch zu arbeiten.



insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kraij 02.07.2010
1. Hilfe...
...mein Managementberater hat sie nicht mehr alle. "...eine wirklich sympathische, sehr kompetente Kollegin..." reicht das nicht? Muss sie nun auch noch was Ausdruck und Optik angeht dem Selbstbild des Unternehmens entsprechen? Verpassen wir ihr doch noch n Minirock, ein paar Pumps und bringen ihr bei was sich schickt. Herzliches Lachen ist zum Beispiel in unserer Branche unangemessen.
popcornhexe 02.07.2010
2. Ich könnte...
kotzen, wenn ich so was lese. Abgesehen davon, dass es nach der "faulen KollegIN" jetzt eine "komische KollegIN" sein muss, frage ich mich, mit welchem Recht eigentlich hier Menschen mit sozialem Gruppendruck, vermeintlich von "Oben" legitimiert, festlegen, was "merkwürdig" ist und was nicht? Wieso macht Ihr Euch zum Handlager von solchen Leuten, die doch nur ihre Beratungsleistungen verkaufen wollen und mit niedersten Instinkten wie Ausgrenzung statt mit Integration und Toleranz arbeiten? Am allerschlimmsten finde ich, dass durch den Artikel wieder mal suggeriert wird, dass diese Einstellung in Ordnung ist, weil sie der Profitmaximierung und Erhöhung der Leistungsfähigkeit dient. Ich wünsche jedem Performer, der seine schrägen Marotten in einem solchen Schleimerumfeld schon aus Selbsterhaltungsgründen aufrecht erhält, von Herzen alles Gute und hoffe auf eine Erweiterung seines Repertoires, das den anderen Unfreien den "Spiegel" vorhält.
SBasker 02.07.2010
3. Fair geht vor
Wichtig ist, dass man fair miteinander umgeht. Eine gewisse Offenheit gehört dazu, aber Respekt und Verständnis sind dabei wichtig. Nicht immer passen neue Mitarbeiter in eine Firma, manchmal sind aber Firma auch so erstarrt, dass sie nur schwer neue Mitarbeiter verkraften können. Dann ist Flexibilität gefragt: Übersicht von mehr als 100 Stellenbörsen (http://www.plantor.de/2010/uebersicht-von-mehr-als-100-stellenboersen-im-2wid-webkatalog/).
schweineigel 02.07.2010
4. Muss sein...
Zitat von kraij...mein Managementberater hat sie nicht mehr alle. "...eine wirklich sympathische, sehr kompetente Kollegin..." reicht das nicht? Muss sie nun auch noch was Ausdruck und Optik angeht dem Selbstbild des Unternehmens entsprechen? Verpassen wir ihr doch noch n Minirock, ein paar Pumps und bringen ihr bei was sich schickt. Herzliches Lachen ist zum Beispiel in unserer Branche unangemessen.
Seien Sie nicht so empört. Diese Probleme haben nun mal manche Menschen. Man konnte es zum Beispiel bei DSDS sehen, dass manche ihre Wirkung völlig falsch einschätzen. Es ist auch ziemlich schwierig sich in einer Realsituation zu kontrollieren. Insofern müssen die Berufskollegen das nachholen, was offensichtlich ihre Freunde und Bekannten bislang versäumt haben - eigentlich eine traurige Situation.
mschomm 02.07.2010
5. Ein guter Anfang!
Zitat von popcornhexekotzen, wenn ich so was lese. Abgesehen davon, dass es nach der "faulen KollegIN" jetzt eine "komische KollegIN" sein muss, frage ich mich, mit welchem Recht eigentlich hier Menschen mit sozialem Gruppendruck, vermeintlich von "Oben" legitimiert, festlegen, was "merkwürdig" ist und was nicht? Wieso macht Ihr Euch zum Handlager von solchen Leuten, die doch nur ihre Beratungsleistungen verkaufen wollen und mit niedersten Instinkten wie Ausgrenzung statt mit Integration und Toleranz arbeiten? Am allerschlimmsten finde ich, dass durch den Artikel wieder mal suggeriert wird, dass diese Einstellung in Ordnung ist, weil sie der Profitmaximierung und Erhöhung der Leistungsfähigkeit dient. Ich wünsche jedem Performer, der seine schrägen Marotten in einem solchen Schleimerumfeld schon aus Selbsterhaltungsgründen aufrecht erhält, von Herzen alles Gute und hoffe auf eine Erweiterung seines Repertoires, das den anderen Unfreien den "Spiegel" vorhält.
Schon mal ein guter Anfang für gesellschaftsfähige Kommunikation ;-) Gut, lassen wir die die im Deutschen schwer zu vermeidende Geschlechtsnennung im konstruierten Fallbeispiel weg, was bleibt? Es wird erwähnt, dass ALLE sich an der Sprechweise der Person stören, nicht (nur) der Chef. Somit ist es kein Machtproblem, sondern ein Gruppenproblem. Soziale Konventionen werden nun mal von Gruppen gemacht. Und da finde ich ein (höfliches) Hinweisen auf Abweichung von der Konvention allemal besser als die Alternativen. Es muss ja nicht immer die Sprache sein, durch die jemand auffällt. Denkbar sind hier als Themen z.B. starker Schweißgeruch oder fehlende persönliche Distanz bei Gesprächsthemen über die reine Arbeit hinaus. Beides habe ich in meinem beruflichen Umfeld selbst schon erlebt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.