Medienbericht: Bundesbank-Chef Weidmann dachte an Rücktritt

Der Streit mit der EZB über den Kauf europäischer Staatsanleihen hat Bundesbank-Chef Jens Weidmann offenbar stärker belastet als bekannt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe Weidmann mehrfach seinen Rücktritt erwogen haben - die Bundesregierung soll ihn zum Bleiben bewogen haben.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Rücktritt erwogen und verworfen Zur Großansicht
dapd

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Rücktritt erwogen und verworfen

Berlin - In mehreren Interviews hatte Bundesbank-Chef Jens Weidmann seine Haltung gegen das geplante Aufkaufprogramm für Staatsanleihen südeuropäischer Schuldenländer verteidigt. Trotzdem soll er einem Bericht der "Bild"-Zeitung in den vergangenen Wochen mehrfach einen Rückzug von seinem Amt erwogen haben. Wie die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, habe Weidmann einen solchen Schritt auch im engsten Kreis der Bundesbank-Spitze erörtert.

In den Interviews der vergangenen Wochen klang das anders. Auf die Frage, ob er - wie seine Vorgänger Axel Weber und Jürgen Stark - irgendwann zurücktreten werde, antwortete Weidmann dem SPIEGEL er könne seiner Aufgabe am besten gerecht werden, wenn er im Amt bleibe. Laut "Bild"-Zeitung habe die Bundesregierung intern auf sein Bleiben gedrungen. Inzwischen habe sich Weidmann auch vorerst gegen einen Rücktritt entschieden.

In der kommenden Woche wolle der Bundesbank-Chef im EZB-Rat gegen das geplante Aufkaufprogramm für Staatsanleihen kämpfen. Weidmann sei derzeit überzeugt, auf diesem Weg mehr für Euro-Stabilität und EZB-Unabhängigkeit erreichen zu können. Von der Bundesbank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auch nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Weidmann derzeit nicht vor, seinen Posten aufzugeben. Weidmanns Vorgänger Axel Weber war allerdings ebenso wie der deutsche Ex-Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, im Streit über den Kurs in der Krise zurückgetreten.

EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst angekündigt, im Rahmen seines Mandats alles zum Erhalt des Euro zu tun. Zugleich stellte er ein Anleihenkaufprogramm für Schuldenstaaten in Aussicht, die sich unter den Euro-Rettungsschirm begeben und sich im Gegenzug zu Reformen verpflichten. Weidmann hatte den Kurs massiv kritisiert und im SPIEGEL davor gewarnt, dass eine solche Hilfe "wie eine Droge" zur Abhängigkeit der Schuldenländer führen könne. Zugleich sieht der oberste Notenbanker Deutschlands die Gefahr, dass die Retter-Rolle der EZB in der Eurokrise die Zentralbank in Konflikt mit ihrer wichtigsten Aufgabe bringen würde, die Preise stabil zu halten.

nck/Reuters/dpa

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1. Weg frei für den rückgratlosen ...
yso 31.08.2012
Asmussen. Ich hoffe, dass Weidmann zurücktritt, dann ist das letzte Feigenblatt von Merkels Personalpolitik auch weg und der Weg frei für unseren systemkonformen Karriereristen Amussen. Weidmann passt sowieso nicht in das Konzept, da er nicht den Weg von Merkels "Wir zahlen Alles-Politik" geht und nicht Alles gut heisst was Draghi un seine Helfer in der EZB beschliessen. Durch den Rücktritt Weidmann würde endlich ein neuer farbloser Ja-Sager und Diener des Mamons und der Bilderberger-Elite aufrücken. Da passt es auch gut ins Bild, dass die Lebensgefährtin Asmussens Entscheidungsträgerin ist bei der deutschen Börse ... da besteht auch nie die Gefahr eines Interessenkonfliktes.
2. ist es sein Gewissen,
Ernesto_de_la_Vita 31.08.2012
Zitat von sysopDer Streit mit der EZB über den Kauf europäischer Staatsanleihen hat Bundesbank-Chef Jens Weidmann offenbar stärker belastet als bekannt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe Weidmann mehrfach seinen Rücktritt erwogen haben - die Bundesregierung soll ihn zum Bleiben bewogen haben. Bundesbank-Chef Weidmann soll über Rücktritt nachgedacht haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853086,00.html)
oder doch die Angst davor, irgendwann zur Rechenschaft gezogen zu werden? Eigentlich ein eindeutiges Zeichen für die vorherschende Verzweiflung. Kleiner Tipp: der Titel " denn sie wissen nicht was sie tun" ist bereits vergeben, falls es später um die Filmrechte gehen sollte! Bis jetzt eine absolut entäuschende Vorstellung, ohne jegliche Form der Ursachenbekämpfung. Naja, was solls, die Zündschnur im Nahen Osten brennt ja schon, da rücken solche Belanglosigkeiten dann in den Hintergrund.
3. Auf Sicht wird ihm in den kommenden
herr_kowalski 31.08.2012
Zitat von sysopDer Streit mit der EZB über den Kauf europäischer Staatsanleihen hat Bundesbank-Chef Jens Weidmann offenbar stärker belastet als bekannt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe Weidmann mehrfach seinen Rücktritt erwogen haben - die Bundesregierung soll ihn zum Bleiben bewogen haben. Bundesbank-Chef Weidmann soll über Rücktritt nachgedacht haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853086,00.html)
24 Monaten entweder nur das Heulen mit den Wölfen der EZB übrigbleiben oder aber er "wird zurückgetreten". Dafür werden schon die Wahlen 2013 mit der neuen BundesreGIERung sorgen. Dann geht es im Galopp in die Schuldenunion. Mit oder ohne Weidmann.
4. nein
Mahatschmanladen 31.08.2012
Zitat von sysopDer Streit mit der EZB über den Kauf europäischer Staatsanleihen hat Bundesbank-Chef Jens Weidmann offenbar stärker belastet als bekannt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe Weidmann mehrfach seinen Rücktritt erwogen haben - die Bundesregierung soll ihn zum Bleiben bewogen haben. Bundesbank-Chef Weidmann soll über Rücktritt nachgedacht haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853086,00.html)
Der soll nicht gehen sondern bleiben und dafür sorgen, dass Asmussen endlich verschwindet.
5. Er trägt den Vertragsbruch nicht mit
peligro 31.08.2012
Artikel 123 AEUV (1) Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten bei der Europäischen Zentralbank oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (im Folgenden als „nationale Zentralbanken“ bezeichnet) für Organe, Einrichtungen oder sonstige Stellen der Union, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietskörperschaften oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstige Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die Europäische Zentralbank oder die nationalen Zentralbanken.
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