Monatsbericht der Bundesbank Deutsche Wirtschaft wächst offenbar schwächer als erwartet

Die deutsche Wirtschaft legte in den vergangenen Quartalen immer wieder Spitzenzahlen vor. Nun fällt das Wachstum laut Bundesbank plötzlich niedriger aus. Die Gründe: Streiks und Grippewellen.

Warnstreik auf dem Bosch-Betriebsgelände in Waiblingen (Baden-Württemberg)
DPA

Warnstreik auf dem Bosch-Betriebsgelände in Waiblingen (Baden-Württemberg)


Die deutsche Wirtschaft hat nach Ansicht der Bundesbank zu Jahresbeginn ihr Wachstumstempo wohl deutlich gedrosselt. Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte demnach im ersten Vierteljahr "spürbar niedriger ausgefallen sein" als in den Vorquartalen, wie die deutsche Zentralbank in ihrem Monatsbericht mitteilte.

Die Hochkonjunktur halte zwar an. Entgegen den bisherigen Erwartungen dürfte das verarbeitende Gewerbe den Bundesbank-Volkswirten zufolge jedoch allenfalls geringfügig zum Wachstum beigetragen haben.

"Mit Blick auf die niedrige Erzeugung im Februar dürften die Streiks in der Metall- und Elektroindustrie sowie die ungewöhnlich starke Grippewelle eine Rolle gespielt haben", heißt es in dem Bericht. Die Krankheitswelle dürfte demnach auch die Entwicklung in anderen Branchen beeinträchtigt haben. Die Auftragslage in der Industrie sei aber nach wie vor "sehr gut", und auch im Baugewerbe mangele es nicht an neuen Aufträgen.

Im vierten Quartal 2017 war die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen. Im Sommer vorigen Jahres lag das Plus beim BIP sogar bei 0,7 Prozent. Eine erste Schätzung des Statistischen Bundesamtes zum BIP des ersten Quartals soll am 15. Mai veröffentlicht werden.

Stärkerer Lohnanstieg erwartet

Gleichzeitig rechnet die Bundesbank wegen des grundsätzlichen Aufschwungs mit stärkeren Lohnanstiegen. Es spreche vieles dafür, "dass sich in den kommenden Jahren die zunehmenden Knappheiten am Arbeitsmarkt stärker in der tatsächlichen Lohnentwicklung niederschlagen werden", heißt es im Bericht.

In einer Studie hat die Bank die Lohnentwicklung der vergangenen Jahre mit der Entwicklung in anderen Ländern verglichen. Das Ergebnis: Es gebe "keine Hinweise darauf, dass der nominale Lohnanstieg in Deutschland in den vergangenen Jahren ungewöhnlich schwach war".

Das habe laut der Studie unter anderem am gestiegenen Angebot an verfügbaren Arbeitskräften aus der EU, den niedrigen Inflationsraten der Jahre 2015 und 2016 und den vergleichsweise geringen Zuwächsen der Produktivität gelegen.

ans/Reuters/dpa



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echoanswer 23.04.2018
1. Lohnanstieg?
Wo? im Öffentlichen Dienst, für den wir alle bei stetig sinkenden Leistungen, zahlen dürfen.
eulenspiegel1979 23.04.2018
2. Wachstum Wachstum Wachstum
Ich kann es nicht mehr hören. Wohin will man eigentlich wachsen? Und das auch noch quartsalsweise? ich stelle mir vor, ich hätte ein Stück Land und würde es beackern, um genug zu Essen für mich und meine Familie zu haben. Und alle drei Monate kommt von irgendwo eine Stimme aus dem Off, die mir einflüstert, dass ich mehr anbauen muss, um zu wachsen. Also bestelle ich noch mehr Land und ernte mehr Nahrung, als ich verbrauchen kann und schmeiße 1/3 weg. Wachsen tue ich aber weiter und weiter und weiter, weil Kontinuität (nicht zu verwechseln mit Stillstand) ja nicht in Frage kommt. Irgendwann komme ich an einen Punkt, wo ich meinem Nachbarn auf die Füße trete, weil mein Land zu klein wird und ich gern seins hätte, meine Gesundheit versagt, weil ich mich totarbeite und sich Milliarden von Fliegen um meinen Komposthaufen prügeln, weil ich mittlerweile 80% meiner produzierten Erzeugnisse vergammeln lassen muss. Wohin soll also diese maßlose Wachstum führen, außer zu Dividenden?
yvowald@freenet.de 23.04.2018
3. Fetisch Wachstum
Zitat von eulenspiegel1979Ich kann es nicht mehr hören. Wohin will man eigentlich wachsen? Und das auch noch quartsalsweise? ich stelle mir vor, ich hätte ein Stück Land und würde es beackern, um genug zu Essen für mich und meine Familie zu haben. Und alle drei Monate kommt von irgendwo eine Stimme aus dem Off, die mir einflüstert, dass ich mehr anbauen muss, um zu wachsen. Also bestelle ich noch mehr Land und ernte mehr Nahrung, als ich verbrauchen kann und schmeiße 1/3 weg. Wachsen tue ich aber weiter und weiter und weiter, weil Kontinuität (nicht zu verwechseln mit Stillstand) ja nicht in Frage kommt. Irgendwann komme ich an einen Punkt, wo ich meinem Nachbarn auf die Füße trete, weil mein Land zu klein wird und ich gern seins hätte, meine Gesundheit versagt, weil ich mich totarbeite und sich Milliarden von Fliegen um meinen Komposthaufen prügeln, weil ich mittlerweile 80% meiner produzierten Erzeugnisse vergammeln lassen muss. Wohin soll also diese maßlose Wachstum führen, außer zu Dividenden?
Was sollen diese Veröffentlichungen über sinkendes oder steigendes Wirtschaftswachstum? Wen interessieren solche Meldungen? Wenn überhaupt, dann profitieren nur einige Wenige bereits Superreiche von weiteren Wachstumsraten, aber wir, die arbeitende Bevölkerung? Es ist eine Farce, und DER SPIEGEL sollte sich künftig nicht mehr an solchen Veröffentlichungen beteiligen.
muellerthomas 23.04.2018
4.
Zitat von yvowald@freenet.deWas sollen diese Veröffentlichungen über sinkendes oder steigendes Wirtschaftswachstum? Wen interessieren solche Meldungen? Wenn überhaupt, dann profitieren nur einige Wenige bereits Superreiche von weiteren Wachstumsraten, aber wir, die arbeitende Bevölkerung? Es ist eine Farce, und DER SPIEGEL sollte sich künftig nicht mehr an solchen Veröffentlichungen beteiligen.
Glauben Sie ernsthaft, die Lebenssituation der Menschen würde sich verbessern, wenn das Land in einer Daurrezession wäre? Und glauben Sie wirklich, dass es der großen Mehrheit in Deutschland so schlecht geht?
smartphone 23.04.2018
5. Dauerrezession
Sie sprechen etwas interessantes an . habenwir wirklich Wachstum - NEIN , denn das hier in D erforderliche Überschreiten von 2,5% sahen wir wann zuletzt ? .... Ich zitiere einen interessanten Kommentar hierzu aus einem IT Forum : "Das Lohnniveau ist seit der Finanzkrise kräftig gesunken, und hat nicht mehr das Niveau erreicht, das es vor der Finanzkrise hatte. Das steht im kompletten Gegensatz zu dem, was uns die Industrie seit Jahren mit einem Mangel vorbetet. Lohnentwicklung und angebliche Situation passen nicht zusammen. Um die Löhne zu drücken, haben Industrievertreter auf Hartz eingewirkt. Mit Hartz 4 wurden arbeitslose gesellschaftlich legitim zu Asozialen degradiert (obwohl das un ein ganz geringer einstelliger Pozentsatz der Bezieher ist!). Arbeitslosigkeit führt zum finanziellen Ruin - die Angst davor macht die Angestellten gefügig. Auch das hat hervorragend funktioniert - passt aber auch keineswegs zur vorliegenden Lohnsituation. Mit der Greencard wurde versucht, Fachkräfte zu bekommen. Die Inder, die nichts taugten, sind alle wieder daheim, die Inder, die was drauf hatten, am Silicon Valley. Es hat sich de facto nichts geändert, doch die Lohnsituation ist unverändert. Jetzt kommt die Blue Card - doch auch sie ändert nichts. Das Problem ist allerdings viel viel tiefsitzender. Der jetzige Boom ist eine reine Erhöhung der Produktion und Absatzmenge. Solange also die Wirtschaft gut läuft, sind viele Menschen beschäftigt und es werden viele Güter produziert. Sobald die Wirtschaft jedoch wieder abkühlt, ist das nicht mehr der Fall. Schlagartig sind viele Menschen überflüssig. Kern des Problems ist, dass trotz steigender Technologiesierung und dem Fortschritt die Produktivität der Betriebe nicht gewachsen ist. Es halt also keine Steigerung der Firmen gegeben, den Gewinn ohne zusätzlich investiertes Geld zu steigern. Die aktuellen Gewinnsteigerungen basieren ausschließlich auf einer Absatzsteigerung. Das ist kein nachhaltiges Wachstum. Geht man also davon aus, dass die Wirtschaftsleistung nicht noch weiter steigen wird, der Konkurrenzdruck aus Fernost immer größer wird, die Produktivität nicht steigt, und endloses Wachstum schlicht nicht möglich ist, so bleibt nur ein Schluss übrig: Solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wird es auch in 15 Jahren keinen Fachkräftemangel geben. Eher wird es ungekehrt sein, denn Deutschland verpasst gerade, sein Humankapital zu erweitern. Der Fokus ist zunehmend auf billige Produktion gerückt. Akademisierung wird sogar als negativ verschrien. Genau das Gegenteil müsste aber passieren. "
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