Inflation und Niedrigzinsen Geldvermögen der Deutschen verliert an Wert

Sparer und Anleger haben weniger von ihrem Geld: Erstmals seit sechs Jahren bekommen die Deutschen laut Bundesbank auf ihr Privatvermögen negative Renditen. Es schmilzt also.

Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank
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Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank


Der reale Wert des Spar- und Anlagevermögens der Deutschen ist der Bundesbank zufolge erstmals seit Jahren gesunken. Niedrige Zinsen, sinkende Aktienkurse und eine wieder etwas höhere Inflation machen Sparern und Anlegern zu schaffen. Die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt abzüglich der Teuerung erzielte, betrug den Berechnungen zufolge im ersten Quartal 2018 minus 0,8 Prozent.

Die Notenbank berücksichtigt dabei Bargeldbestände, Ansprüche gegenüber Versicherungen sowie Anlagen in Aktien und Fonds, wie sie in ihrem Monatsbericht August ausführt. Auf Zinsanlagen gibt es dabei schon lange nicht mehr viel Rendite. Zu Jahresbeginn kam hinzu, dass auch Aktien- und Aktienfonds wesentlich schlechter abschnitten als zuvor. Rechnet man die Geldentwertung durch Inflation hinzu, kam so ein negativer Wert heraus.

Der Leitzins im Euroraum liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Dagegen zog die Inflation zuletzt an. 2016 betrug sie 0,5 Prozent und 2017 lag sie bei 1,8 Prozent. Im Juli dieses Jahres lag die Rate bei 2,0 Prozent.

Bundesbankpräsident: Zinsen werden wieder steigen

Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen sei verständlich, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ihre Altersvorsorge bauen Sie aber über mehrere Jahrzehnte auf. Das relativiert die aktuelle Zinssituation etwas. Und auch negative Realzinsen gab es durchaus schon in der Vergangenheit."

Weidmann, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Kurs der Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet, verwies in dem Interview auf die jüngsten Weichenstellungen der EZB: "Die Zinsen (werden) im Zuge der geldpolitischen Normalisierung auch wieder steigen." Die EZB will nur noch bis Ende dieses Jahres Anleihen kaufen und hat für die zweite Jahreshälfte 2019 eine erste Zinserhöhung angedeutet.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland liegt laut jüngsten Zahlen der Bundesbank für das erste Quartal 2018 auf einem Rekordniveau von 5875 Milliarden Euro. Zuletzt war es jedoch kaum noch gewachsen. Noch 2017 erzielten die Haushalte laut Bundesbank-Berechnungen mit den Vermögen abzüglich Inflation eine Rendite von durchschnittlich 1,4 Prozent nach 0,9 Prozent im Jahr 2016.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 82 Beiträge
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quark2@mailinator.com 20.08.2018
1.
Naja, werden wenigstens die Staatsschulden auch geringer ... Jeder, der weniger als etwa 25.000,- EUR auf der Bank hat, ist dann real im Plus.
Bondurant 20.08.2018
2. Brutto!
Die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt abzüglich der Teuerung erzielte, betrug den Berechnungen zufolge im ersten Quartal 2018 minus 0,8 Prozent. Nicht berücksichtigt sind bei dieser Rechnung die Steuern, die der "durchschnittliche Privathaushalt" auf die nominalen Erträge seines Geldvermögens entrichten muss. Netto sieht die Sache also noch schlechter aus; so viel zu der Behauptung, die "Euro-Krise" koste die Deutschen ja gar nichts.
derhey 20.08.2018
3. Ja und?
Dafür sind wir (wer?) wieder mal dreifacher Exportweltmeister. Billige hochqualitative Ware durch niedrige Löhne. Kann denn niemand einen durchschnittlichen Reallohn errechnen, der nötig wäre, um die Ungleichgewichte in den Bilanzen (Leistung u. Export) zu beseitigen. Hätten wir dann ein Lohnniveau wie in der Schweiz? Wäre doch ok, auch bei höheren Lebenshaltungskosten. So aber stecken sich die Rendite eben die Bosse ein. Und dann ruft Nahles und Gabriel schon wieder, wir, die Steuerzahler, müssen die Türkei, sprich Erdogan und seinnen Clan, retten.
alterknacker54 20.08.2018
4. Na Klasse
Den größten Exportüberschuss der welt, aber die kleinen Sparer werden um ihre Ersparnisse gebracht - danke Draghi, danke Merkel!
schwertas 20.08.2018
5. Wo bleibt die genaue Verteilungsstatistik
Mich würde einmal eine Statistik über die Vermögensverteilung in Form einer Grafik mit Balken von Vermögensklassen und Anzahl ihrer Mitglieder interessieren. Die Grenzen der Gruppen sollten zweckmäßig gewählt sein.
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