Fusion von O2 und E-Plus Kartellamt will Prüfung an sich ziehen

Eigentlich ist für derart große Fusionen die EU-Kommission zuständig - doch bei der Übernahme von E-Plus durch die O2-Mutter Telefonica beansprucht das Bundeskartellamt die Prüfung für sich. Behördenchef Mundt spricht in einem Interview von "erheblichen Folgen für den Wettbewerb".

Logos von E-Plus und O2 im bayerischen Germering: Kartellamt ist kritisch
REUTERS

Logos von E-Plus und O2 im bayerischen Germering: Kartellamt ist kritisch


Berlin/Frankfurt am Main - Das Bundeskartellamt beansprucht die Zuständigkeit für die Prüfung der E-Plus-Übernahme durch Telefonica Deutschland (O2). Normalerweise ist in Fällen, in denen das entstehende Unternehmen einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro macht, die EU-Kommission zuständig. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" machte Kartellamtspräsident Andreas Mundt nun aber deutlich, dass er in diesem Fall die deutsche Behörde in der Verantwortung sieht.

"Sollte Telefonica Deutschland den Zusammenschluss mit E-Plus anmelden, gehört der Fall aus unserer Sicht eindeutig nach Bonn. Andere EU-Länder können keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte Mundt der Zeitung.

Zugleich erkennt der Wettbewerbshüter Schwierigkeiten in der geplanten Fusion. "Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand", sagte Mundt. O2, eine Tochter des spanischen Telefonica-Konzerns, bietet rund acht Milliarden Euro für E-Plus, eine Tochter des niederländischen Telekom-Konzerns KPN. Zusammen würden O2 und E-Plus in Deutschland zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen. Die Konzernmütter hatten sich im Juli geeinigt.

Hauptantrieb für den Deal sind Einsparungen. Die Kosten sollen vor allem durch die Verschmelzung der beiden Handy-Netze um mehr als fünf Milliarden Euro sinken. Damit bleiben in Deutschland nur noch drei Mobilfunkanbieter. Laut Mundt sind es in den meisten EU-Staaten zumindest vier Anbieter.

Am 2. Oktober sollen die Aktionäre von KPN über den Deal entscheiden. Stimmberechtigt seien nur Aktionäre, die nach Börsenschluss am 4. September Anteile an dem Unternehmen hielten, teilte KPN am. Gleichzeitig bereitet aber der KPN-Hauptaktionär, der mexikanische Milliardär Carlos Slim, die mehrheitliche Übernahme von KPN vor. Slim ist scharfer Kritiker der Verkaufspläne. Die Finanzierung sei gesichert, teilte Slims Mobilfunkfirma América Móvil Medienberichten zufolge mit.

fdi/Reuters/dpa



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insgesamt 7 Beiträge
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semanino 21.08.2013
1. Begrüßenswert!
Was nützen mir 4 Anbieter, wenn ich aufgrund des Netzausbaus sowieso nur unter 1 oder 2 wählen kann?! Beispiel LTE: in der Fläche kaum verfügbar, meist nur 1 Anbieter. Die Überversorgung in den Ballungsräumen ist ein Witz, und dort ist erhebliche Konkurrenz durch WLAN-Zugangspunkte absehbar. Die Verteilung der Funkfrequenzen kann durch minimale Verkäufe seitens des vereinigten O2+E-plus an Telekom oder Vodafone ausgeglichen werden (Übersicht siehe z.B. c't 18/2013, Seite 88 - nur Druckausgabe). Es ist überfällig, einen schlagkräftigen Konkurrenten zu diesen beiden Platzhirschen zu schaffen. Das Kartellamt möge sich doch bitte erstens auf den technologischen Status Quo begeben und sich zweitens bitte um Unsitten wie die Filterung von VoIP-Datenverkehr in Mobilfunknetzen, oder die selektive Zählung von Datenverkehr kümmern, anstatt die sinnvolle Nutzung von Synergien zu blockieren.
ego_me_absolvo 21.08.2013
2. Es ist an der Zeit!
Es ist wirklich an der Zeit, den Brüsseler Bonzokraten, denen ja die mangelnde Bodenhaftung aus allen Knopflöchern schießt und die auch in dem Geschmäckle stehen "Zuwendungen" gegenüber offen zu sein, nun mal Paroli zu bieten. Solche Oligopole wie sie entstehen sollen verursachen nur höhere Kosten - für den Verbraucher. Wir dürfen es nicht soweit kommen lassen, dass der Hamburger Müllwerker erst das OK aus Brüssel braucht, bevor er zur Toilette darf!
tangosquash 21.08.2013
3. die Telekom
wird sich freuen und mit Sicherheit ein Wörtchen mitreden wenn es um die Zuständigkeit geht. Deren Einfluss dürfte sich bei einer deutschen Behörde deutlicher darstellen als eine der EU. Als ehemaliges Staatsunternehmen pflegt man Beste Verbindungen, von daher gehört diese Entscheidung, so wenig ich diese Eurologation mag, nach Brüssel.
melnibone 21.08.2013
4. Vielleicht gibt es ja ...
eine ´Vorgabe seitens der Politik´ als Begründung warum das Bundeskartellamt aus dem Sommerloch gekrochen kommt. Eine kleine ´Verflechtung´ hier oder da? Ein neuer Player, der den Platzhirschen ans Bein pinkeln könnte, scheint wohl unerwünscht. Das tolle Bundeskartellamt könnte sich ja z.B. intensiv um die deutschen Energieversorger und deren ´Bedienungsmentalität´ kümmern. Das wäre wenigstens nützlich und zum Wohle der Bürger!
thorusch 21.08.2013
5. Genau!
Zitat von melniboneeine ´Vorgabe seitens der Politik´ als Begründung warum das Bundeskartellamt aus dem Sommerloch gekrochen kommt. Eine kleine ´Verflechtung´ hier oder da? Ein neuer Player, der den Platzhirschen ans Bein pinkeln könnte, scheint wohl unerwünscht. Das tolle Bundeskartellamt könnte sich ja z.B. intensiv um die deutschen Energieversorger und deren ´Bedienungsmentalität´ kümmern. Das wäre wenigstens nützlich und zum Wohle der Bürger!
Die Preise in der Telekommunikation kennen seit Jahren nur einen Weg: Nach unten! Bei Energie im Allgemeinen und Kraftstoff im Besonderen siehts ganz anders aus und das ist nicht nur eine Folge der Erzeugungskosten. Da will aber niemand ran...
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