Bundesliga-Videos bei "Bild": Sky dribbelt Springer aus

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20 Millionen Euro hat Axel Springer in die Übertragung von Fußball-Bundesliga-Videos investiert - nun macht ausgerechnet der Bezahlsender Sky dem Medienriesen Konkurrenz. Ein Rückschlag für den Verlag schon vor Anpfiff des ersten Spiels.

Sky-Kameramann: Konkurrenz für Springer-App Zur Großansicht
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Sky-Kameramann: Konkurrenz für Springer-App

Hamburg - "Von Fußball versteh ich nix", sagte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner kürzlich in einem Video namens "Axel Springer im Silicon Valley". Es handelt sich dabei um einen Werbe-Clip in eigener Sache, in dem Manager des Verlags Kaliforniens Kreativ-Szene erkunden, um Ideen für digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Seit diesem Donnerstag hat Döpfners Satz eine neue Bedeutung. Ausgerechnet mit der Vermarktung von Bundesliga-Rechten im mobilen Internet droht dem Springer-Konzern ein teurer Flop.

Ab dem 9. August wollte Springer mit Ausschnitten von Bundesligapartien neue Nutzer für sein Bezahlangebot "Bild Plus" ködern. Abonnenten bekommen künftig jeden Spieltag rund eine Stunde nach Abpfiff einen Zusammenschnitt der Höhepunkte geliefert - im Web oder via App. Doch wie nun bekannt wurde, startet auch der Pay-TV-Anbieter Sky fast zeitgleich eine Bundesliga-App, die die Highlights früher und billiger zeigt.

Was bei Springer im "Bild"-Paket monatlich mindestens 7,98 Euro kostet, will Sky für "unter fünf" Euro anbieten - und schon fünf Minuten nach Spielende. "Zudem ist dem Sport-TV-Sender eine größere Bewegtbildkompetenz zuzutrauen als dem Zeitungshaus Springer", sagt Alexander Henschel, Geschäftsführer von Goetzpartners, einer Unternehmensberatung für Medien- und Telekommunikationsfirmen.

Die Bundesliga bei "Bild" sollte zum Aushängeschild für die von Springer-Chef Mathias Döpfner betriebene Transformation eines klassischen Printprodukts in ein lukratives Digitalangebot werden. Gerade hat Springer ein dickes Bündel Zeitungen und Zeitschriften verkauft, um Ressourcen für den weiteren Ausbau seiner digitalen Sparte freizusetzen. Nun muss ausgerechnet das Prestigeprojekt der Digitaloffensive einen Rückschlag verkraften.

Konventionen des Fußballguckens falsch eingeschätzt

Bislang wirft "Bild.de" fast ausschließlich Geld über Anzeigen ab. Springer will die Gewinne mit digitalen Bezahlvarianten erhöhen; bislang ist fraglich, ob das mit den Inhalten von "Bild" gelingen kann. Ob Nutzer wirklich zahlen, wenn man sie via Link aus dem Gratisangebot auf einen kostenpflichtigen Artikel leitet? Springer hat dazu bislang keine Zahlen veröffentlicht.

Die Bundesliga soll das ändern, sie soll "Bild Plus" so aufwerten, dass mehr Leser das Bezahl-Angebot nutzen. 20 Millionen Euro waren Springer die Exklusivrechte an den Videoclips wert. An anderer Stelle wird indes eisern gespart: Nach SPIEGEL-Informationen erwägt Springer, die Kosten bei "Welt", "Bild" und "B.Z." zu drücken - um bis zu 20 Millionen Euro. Nach dem Sky-Vorstoß ist allerdings fraglich, ob Springer das Geld gut angelegt hat.

"Die Erfolgsaussichten der Highlight-Clips waren ohnehin schon immer gering", sagt Florian Riedmüller, Experte für Sportmarketing an der Technischen Hochschule Nürnberg. Eingefleischte Fußballfans wollen die Spiele live schauen - viele sind bereit, dafür Geld zu zahlen. Die übrigen Zuschauer haben mit der ARD-Sportschau ein kostenloses, qualitativ hochwertiges Format für Spiele-Zusammenfassungen.

Springer versucht nun zwischen diesen beiden Welten Geld zu verdienen: mit einem Format, das kein Echtzeit-Erlebnis bietet und es schwer haben wird, qualitativ an die Sportschau heranzureichen. "Dafür gibt es höchstens einen kleinen Nischenmarkt", sagt Riedmüller. "Der Verlag hat die Konventionen des Fußballguckens nicht richtig analysiert."

Heimvorteil für Sky

Experten fragten sich schon länger, was Springer in diesem Nischenmarkt sieht. Doch Verlagschef Döpfner glaubte offenbar an das Geschäft - und verknüpfte es mit der Weiterentwicklung der Marke "Bild" ins Digitale. Nun hat das Unternehmen in dem Nischenmarkt zwischen Live-Fußball und Sportschau auch noch einen Konkurrenten.

Den Sky-Vorstoß will Springer nicht kommentieren. Aus dem Verlag ist allerdings zu hören, dass man von der Deutschen Fußball-Liga exklusiv die Übertragungsrechte für ein sogenanntes Video-on-Demand-Format bekommen habe. Was bedeutet: Nutzer können die Spielzusammenfassungen zeitunabhängig ansehen - und so oft sie wollen.

Das ist tatsächlich mehr als das, was Sky bietet. Dessen App ist hauptsächlich ein Live-Stream des Spartenkanals Sky Sport News HD - auf dem schon jetzt fünf Minuten nach Spielende Zusammenfassungen laufen. Künftig können auch Nicht-Sky-Abonnenten dieses Programm mittels App auf dem Handy anschauen. Das immerhin ist eine effiziente, Synergieeffekte hebende Strategie. Eine wohlkalkulierte Zweitverwertung in einem Nischenmarkt, bei der das Scheitern nicht so schmerzhaft wäre. Ganz anders ist das bei Springer.

"Von Fußball versteh ich nix", sagte Döpfner im hauseigenen Silicon-Valley-Werbevideo. Ebenso ergeht es nun vielleicht dem Springer-Verlag, der sich Kritikern zufolge vom Journalismus abkehrt, in der digitalen Welt zusehends zum Service- und Unterhaltungsdampfer wird und dabei in Märkte vordringt, von denen seine Manager wenig verstehen. Märkte, in denen andere Heimvorteil haben - und diesen eiskalt ausnutzen.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. jawoll...
wegdabinarzt 01.08.2013
.. es wäre doch zu schön, wenn Döpfner und Friede mal links und rechts was an die Backen bekommen... und BILD, BILD.de und Bild+ eingestellt werden müssen, weil die Auflage und die Klicks gen NULL gehen. Da mach ich n Fass auf, sollte ich diesen Tag noch erleben und Friede, die olle Hexe ihre Macht, ihren Einfluss und ihre Kohle verliert.
2. sky
holmhamburg 01.08.2013
Vielleicht hat sich die waz, resp. Funke-Gruppe ja mit dem von Springer gestundeten geldern bei sky eingekauft?
3. mehr als den Titel lese ich schon gar nicht mehr bei BILD
ProDe 01.08.2013
bei jedem zweiten Artikel stellt sich nach den Klick heraus, dass er Teil von BILD+ ist. Ehrlich gesagt freut mich das ein wenig. Ich finde diesen liberalen Talibanjournalismus gefährlich, fliege aber da fast täglich drüber damit ich die Meinung und die Themen kenne, die "das Volk" demnächst haben wird. Einfach um vorbereitet zu sein. Ich hoffe allerdings, dass viele Leser sich andere Online Angebote suchen wenn ihnen diese Bezahlmasche auf den Wecker geht.... v.a. in Bereichen wie Sport, wo BILD schon nicht so schlecht ist.
4. Jawoll
holmhamburg 01.08.2013
Döpfner hat doch schon mal 800 mio mit seinem postzustelldienst auf kosten der steuerzahler versemmelt. Das hat Friede auch nicht gestört.
5. Guter Zug
steffen_t. 01.08.2013
Alles was Döpfner, Freide und dem Springer Verlag schadet kann nur gut sein für die deutsche Medienlandschafft. Und wenn sie sich selber schaden ist es noch besser.
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