Teure Bundesliga-Rechte: Analysten misstrauen der Euphorie bei Sky

Der Bezahlsender Sky hat erneut die TV-Rechte an der Bundesliga gewonnen, die Manager jubeln. Doch Experten warnen, die Firma könnte sich mit dem hohen Preis verheben. Für die "Sportschau" bleibt alles beim Alten, allerdings könnte der Springer-Verlag der Kultsendung Konkurrenz machen.

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Fußballspieler im Zweikampf: Poker um Bundesliga-Rechte ist entschieden

Frankfurt am Main - Kaum wurde der Zuschlag für Sky bei der Bundesliga-Übertragung verkündet, prophezeite Firmenchef Brian Sullivan dem Bezahlsender eine glänzende Zukunft. Die verlängerten und erweiterten Rechte gäben Sicherheit für die nächsten fünf Jahre "und eröffnen uns großartige neue Möglichkeiten für Wachstum und Innovation", verkündete er.

Doch Sky Chart zeigen muss für die Übertragungsrechte tief in die Tasche greifen und zahlt in den vier Spielzeiten ab 2013/14 fast doppelt so viel für die Live-Rechte wie zwischen 2009 und 2013. Insgesamt lässt sich das von Medienunternehmer Rupert Murdoch beherrschte Unternehmen die Bundesliga-Rechte gut 1,9 Milliarden Euro kosten.

Diese hohe Summe sorgte bei Analysten und Börsenhändlern für Skepsis. "Der Preis ist zu hoch und der Bezahlsender wird Schwierigkeiten bekommen, diese Kosten wieder zu erwirtschaften", sagte Jörg Heineke von TAO Capital. Er halte sogar eine Kapitalerhöhung für möglich. Analyst Jan Christian Göhmann von der Nord/LB sagte, die Fußballrechte seien zwar wichtig für Sky, doch um den Sender rentabel zu machen, brauche dieser vor allem neue Abonnenten. Dabei seien allerdings Rückschläge möglich.

Unternehmensberater Alexander Henschel erklärte, ohne die Übertragungsrechte hätten wohl die Investoren von Sky die Lust an der Firma verloren. "Aber angesichts des hohen Preises ist es schwer vorstellbar, dass Sky in nächster Zeit in die schwarzen Zahlen kommt", sagte der Geschäftsführer von Goetzpartners. Das Unternehmen habe bei den Abo-Preisen kaum mehr Spielraum nach oben.

Sky schreibt noch immer rote Zahlen

Auch an der Börse ließ die Euphorie nach. Zum Handelsstart hatten Gerüchte über den Zuschlag für Sky die Aktie um mehr als 25 Prozent steigen lassen. Am Nachmittag notierte das Papier noch acht Prozent im Plus.

Sky konnte seine Verluste im vergangenen Jahr erheblich eindämmen, schreibt aber immer noch rote Zahlen. Dank hoher Finanzspritzen von Medienmogul Murdoch konnte der Sender sein Programm ausbauen und bietet unter anderem einen Live-Sportnachrichtensender und mehr Angebote bei hochauflösenden Programmen an. Vergangenes Jahr schaffte Sky den Sprung über die wichtige Marke von drei Millionen Abo-Kunden. Fußball gilt als Angebot, das viele Kunden anlockt.

Auch die ARD feierte sich im Kampf um die Bundesliga-Rechte als Sieger. Denn im Bereich des frei empfangbaren Fernsehens bleibt die "Sportschau" erhalten. Die Sendung könne ihre große Tradition fortsetzen, sagte ARD-Vorsitzende Monika Piel.

Springer ist erstmals bei der Bundesliga-Vermarktung dabei

Allerdings könnte der Axel-Springer-Verlag Chart zeigen dem öffentlich-rechtlichen Angebot Konkurrenz machen. Der Medienkonzern ist im Bundesliga-Vermarktungsgeschäft neu dabei und erwarb das Recht für die Verwertung von Videoclips in Internetzusammenfassungen aller Spiele. Diese darf Springer ab der Saison 2013/14 via Web- oder Mobil-TV anbieten.

Der Verlag kann die Zusammenfassungen laut Deutscher Fußball Liga (DFL) ab einer Stunde nach Abpfiff kostenpflichtig, später auch umsonst verbreiten. Der Verlag könnte die Berichte etwa in die digitalen Ausgaben seiner Zeitungen integrieren. "Mit der Highlight-Berichterstattung heben wir unsere Fußballberichterstattung in Sachen Aktualität und Multimedialität auf eine neue Stufe", sagte der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Alfred Draxler.

Telekom will bei Sky Rechte erwerben

Die Telekom dagegen war bei der Versteigerung leer ausgegangen. Denn die sogenannten IPTV-Rechte für Live-Übertragungen sicherte sich ebenfalls Sky. Die Telekom setzt nun auf eine Zusammenarbeit mit Sky. "Ich gehe davon aus, dass wir eine kommerzielle Einigung mit Sky hinbekommen", sagte Telekom-Marketing-Chef Christian Illek. Das Produkt Liga Total, das die Telekom über ihr Entertain-Programm ausstrahlt, werde es ab der Bundesliga-Saison 2013/14 nicht mehr in dieser Form geben. Der aktuelle Vertrag läuft noch bis 30. Juni 2013.

Die Telekom will aber auch danach Bundesliga-Fußball live über Internet, mobil und auch über Satellit anbieten können und setzt dabei ganz auf den Rechteinhaber Sky. "Wir wollten nicht mehr für die Rechte zahlen, als wir damit erwirtschaften können", sagte Illek zum Angebot der Telekom bei der DFL. Eine genaue Summe nannte er aber nicht. "Wir haben ein ambitioniertes Angebot für alle Live-Rechte abgegeben. Dabei sind wir an die Grenze dessen gegangen, was wir wirtschaftlich verantworten konnten." Das Angebot der Telekom lag demnach "deutlich unter dem Preis, den Sky geboten hat".

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Einfach zu teuer
graubereich 17.04.2012
Zitat von sysopDPADer Bezahlsender Sky bejubelt seinen Sieg im Milliarden-Poker um die Bundesliga-Rechte. Doch Experten warnen, die Firma könnte sich mit dem hohen Preis verhoben haben. Für die "Sportschau" bleibt alles beim alten, allerdings könnte der Springer-Verlag der Kultsendung Konkurrenz machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828123,00.html
SKY hat ein sehr gutes Angebot an Sendern und Sport. Abes SKY ist einfach für ein Großteil der deutschen Fernseh Zuschauer zu teuer. Ich gehe noch bei einer monatlichen Gebühr von 16,90€ mit. Aber eine Gebühr von 33,90€ inkl. nur Bundesliga ist einfach eine Frechheit. Macht es billiger dann bekommt ihr auch mehr Kunden und mehr Kunden bedeutet auch mehr Geld. Wahrscheinlich mehr geld als mit diesen Abzocker Preisen.
2. Sky macht schon jetzt Verluste !
Michael KaiRo 17.04.2012
Zitat von sysopDPADer Bezahlsender Sky bejubelt seinen Sieg im Milliarden-Poker um die Bundesliga-Rechte. Doch Experten warnen, die Firma könnte sich mit dem hohen Preis verhoben haben. Für die "Sportschau" bleibt alles beim alten, allerdings könnte der Springer-Verlag der Kultsendung Konkurrenz machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828123,00.html
Sky Deutschland macht schon jetzt Millionen Euro Verluste. Mir ist unbegreiflich, wie die die teuren Bundesliga-Rechte jemals finanzieren wollen. Vor Sky hat es bekanntlich der Leo Kirch versucht und ist darüber schon Pleite gegangen. Hinzu kommt die aktuelle Finanzkrise, wo es sowieso in Kürze Bumm machen wird; dann ist sowieso alles Makulatur.
3. was macht die bundesliga ...
blitzunddonner 17.04.2012
... eigentlich, wenn sky aufgrund des stark überhöhten angebotes insolvent wird? wandern dann die starspieler ab oder verzichten auf gehalt?
4. Bezahlfernsehen
HorstOttokar 17.04.2012
Pay-TV setzt in Deutschland seit seiner Einführung praktisch ausschließlich auf Fußball. Nur deshalb müssen sie diese Mondpreise zahlen - wenn sie keine Bundesliga zeigen könnten, würden sie die Existenzberechtigung verlieren. Ehrlich gesagt, verstehe ich diesen eingeengten Ansatz nicht. In Frankreich und den USA gibt es seit vielen Jahren profitable Pay-TV-Sender, die auf Qualitätsfernsehen setzen (teils sogar aus Eigenproduktionen) oder Kinofilme fördern (und dann natürlich als erste/einzige zeigen dürfen). Warum geht das bei uns anscheinend nicht?
5. Passiert nicht von heute auf morgen
helkaruthion 17.04.2012
Zitat von blitzunddonner... eigentlich, wenn sky aufgrund des stark überhöhten angebotes insolvent wird? wandern dann die starspieler ab oder verzichten auf gehalt?
Dann passiert das gleiche wie damals: Bundesliga: Wege aus der Kirch-Krise - manager magazin - Unternehmen (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/0,2828,191363,00.html) Augen zu und durch und auf einen anderen Partner warten/hoffen/vertrauen.
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