Energie Netzagentur lehnt neue Subventionen für Kraftwerke ab

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, lehnt Prämien für den Betrieb von fossilen Kraftwerken ab. Er warne vor Lösungen, mit denen neue Subventionen geschaffen werden, sagte Homann dem "Handelsblatt". Die Aktien der Stromversorger reagierten mit Verlusten.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde: Die Energieverteilung ist das Problem
DPA

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde: Die Energieverteilung ist das Problem


Frankfurt - Keine Unterstützung für die Stromversorger: Die Bundesnetzagentur lehnt Prämien für den Betrieb von fossilen Kraftwerken ab. "Ich warne vor Lösungen, mit denen neue Subventionen geschaffen werden", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, dem "Handelsblatt". Der Branchenverband BDEW plädiert für sogenannte Kapazitätsmärkte, bei denen die Versorger Prämien erhalten könnten, um fossile Kraftwerke weiter zu betreiben und damit die Versorgungssicherheit zu garantieren. Wegen der gefallenen Großhandelspreise für Strom stapeln sich bei der Bundesnetzagentur die Anträge von Energieversorgern zur Stilllegung von Kraftwerken.

Die Aktien der Versorger reagierten am Freitag mit Verlusten, da sich die Hoffnung auf Subventionen für die vielfach defizitären Kraftwerke zu zerschlagen droht. RWE-Papiere verloren 0,7 Prozent, E.on-Titel büßten ein halbes Prozent ein.

Den derzeit diskutierten Modellen für Kapazitätsmärkte stehe er "sehr skeptisch gegenüber", sagte Homann. Auch ohne solche Zahlungen sei die Versorgungssicherheit gewährleistet. "Wenn man den deutschen Kraftwerkspark betrachtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass es aktuell insgesamt ausreichende Erzeugungskapazitäten gibt. Lediglich die regionale Verteilung ist ein Problem", sagte der Behördenchef. Im Süden und Südwesten seien die Erzeugungskapazitäten knapp, im Norden dagegen mehr als reichlich. "Wir reden also nicht über ein Kapazitätsproblem, sondern über ein Verteilungsproblem. Und dieses Problem lösen wir durch den Ausbau der Netze", sagte Homann.

In den vergangenen Monaten haben diverse Betreiber angekündigt, Kraftwerke stillzulegen. Dazu gehören E.on, RWE, EnBW oder der südwestfälische Versorger Enervie. Sie begründen dies unter anderem mit den gefallenen Börsenpreisen für Strom. Diese sind auch wegen des wachsenden Ökostromanteils unter Druck.

Vergangene Woche hatte Homann gesagt, die Kraftwerksbetreiber wollten 28 Blöcke mit einer Leistung von rund 7000 Megawatt abschalten. Dies entspricht in etwa der Leistung von sieben Atomkraftwerken. Die Anträge müssen ein Jahr im Voraus eingereicht werden. Sollten die Kraftwerke nach Einschätzung der Netzbetreiber unverzichtbar für die Stromversorgung sein, kann die Bundesnetzagentur ihren Weiterbetrieb anordnen. Die Versorger erhalten in diesem Fall Entschädigungszahlungen.

Mit den derzeit diskutierten Kapazitätsmarktmodellen würde die Bereithaltung von Kraftwerksleistung grundsätzlich entlohnt. Derzeit wird im Einzelfall entschieden, ob ein Kraftwerk aus Gründen der Versorgungssicherheit am Netz bleiben muss und der Betreiber eine Entschädigung erhält.

nck/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Palmstroem 01.11.2013
1. Energiewende trifft besonders NRW
Zitat von sysopDPADer Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, lehnt Prämien für den Betrieb von fossilen Kraftwerken ab. Er warne vor Lösungen, mit denen neue Subventionen geschaffen werden, sagte Homann dem "Handelsblatt". Die Aktien der Stromversorger reagierten mit Verlusten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bundesnetzagentur-lehnt-neue-subventionen-fuer-kraftwerke-ab-a-931227.html
Ein Problem der Energiewende sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die einzelnen Bundesländer. Während die Nordländer allgemein durch die Windkraft profitieren, werden etwa Bayern oder Baden-Württemberg ihre bisherige autarke Stellung bei der Energieversorgung verlieren. Am schlimmsten allerdings wäre NRW betroffen. Denn sowohl RWE als auch e.on sichern dort mit ihren Kohlekraftwerken zehntausende von Arbeitsplätzen und Milliarden-Gewerbesteuereinnahmen für die NRW-Kommunen. So wird klar, dass Hannelore Kraft daran nicht groß interessiert sein kann, da bereits mit Nokia, Thyssen oder Opel große Unternehmen NRW verlassen haben. Städte wie Oberhausen mit einer 2 Milliarden Schuldenlast sind aber auf jeden Arbeitsplatz und jeden Euro Gewerbesteuer angewiesen!
Jom_2011 01.11.2013
2. .
Zitat von PalmstroemEin Problem der Energiewende sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die einzelnen Bundesländer. Während die Nordländer allgemein durch die Windkraft profitieren, werden etwa Bayern oder Baden-Württemberg ihre bisherige autarke Stellung bei der Energieversorgung verlieren. Am schlimmsten allerdings wäre NRW betroffen. Denn sowohl RWE als auch e.on sichern dort mit ihren Kohlekraftwerken zehntausende von Arbeitsplätzen und Milliarden-Gewerbesteuereinnahmen für die NRW-Kommunen. So wird klar, dass Hannelore Kraft daran nicht groß interessiert sein kann, da bereits mit Nokia, Thyssen oder Opel große Unternehmen NRW verlassen haben. Städte wie Oberhausen mit einer 2 Milliarden Schuldenlast sind aber auf jeden Arbeitsplatz und jeden Euro Gewerbesteuer angewiesen!
Da drängt sich doch die Frage auf, warum eine Stadt mit ca. 212.500 Einwohnern derartige Schuldenberge angehäuft hat. Das jetzt auf nichtvorhandene hochkarätige Gewerbesteuerzahler zu schieben finde ich etwas seltsam.
mit66jahren 01.11.2013
3. Fossile Kraftwerke müssen am Netz bleiben
Mit Gas-, Kohle- und Wasserkraftwerken kann Strom rund um die Uhr preisgünstig hergestellt werden. Den mit hohen Subventionen erzeugten temporären Stromüberschuss aus Photovoltaik und Windkraft in wiederum mit neuen Subventionen zu errichtenden Speichern zwischenlagern zu wollen, wäre wenig sinnvoll. Prämien für die Bereithaltung von Gas- und Kohlekraftwerken sind kurz- und mittelfristig sinnvoll. Es gilt zudem, die temporären Überschüsse zu vermeiden, die wir alle über die Stromumlagen zu berappen haben. Unser langfristiges Bestreben muss sein, durch Forschungsprojekte gefördert, Sonnenenergie direkt in speicherbare chemische Energie zu wandeln. Dies kann in Wüstenregionen geschehen oder an entlegenen Wasserläufen.
specialsymbol 01.11.2013
4. Kommt bestimmt!
Merkel sieht ein wie wichtig das für unsere Wirtschaft ist. Und eine kleine Spende wird's schon richten.
Kontinuum 01.11.2013
5. Strom - Nein Danke!
Die Planwirtschaft (mit kalkulierten Subventionen für regenerative Energien in Höhe von 1.000.000.000.000 €) schafft es nicht im Ansatz, eine sichere Stromversorgung zu garantieren. Konventionelle Kraftwerke sind notwendig und diese, auch wenn Teile davon nur temporär am Netz sind, kosten Geld. Kein marktwirtschaftliches Unternehmen wird auf Dauer seine Produktionsanlagen gesichert vorhalten, wenn dies zu permanenten Verlusten führt. Im übrigen würde ich einen Bereitstellungsbeitrag nicht als Subvention bezeichnen. Eine gesicherte Stromversorgung - auch in Zukunft - ist lebensnotwendig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.