Neues Programm: Bundesregierung warnt O2 vor Handel mit Standortdaten

Klares Signal an O2: Die Bundesregierung will dem Mobilfunkanbieter nicht erlauben, die Standortdaten deutscher Kunden zu verkaufen. Das Verbot gelte auch dann, wenn O2 die Daten anonymisiere.

Handy-Nutzer: Tests in Großbritannien Zur Großansicht
Corbis

Handy-Nutzer: Tests in Großbritannien

Hamburg - Für viele Unternehmen wären sie eine attraktive Ware: Standortdaten deutscher Mobilfunknutzer, mit denen beispielsweise Ladenbesitzer gezielt ihre Angebote bewerben könnten. Doch in Deutschland bleibt dem Mobilfunkanbieter O2 der Verkauf solcher Daten verwehrt. "Der Handel mit Standortdaten ist grundsätzlich verboten", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch in Berlin.

Auch anonymisierte Daten dürfen dem Sprecher zufolge nur mit Einwilligung des Handybesitzers weitergegeben werden - und dann auch lediglich an "Dienste mit Zusatznutzen", etwa zur Registrierung von Verkehrsströmen. Eine Prüfung des Ministeriums habe ergeben, dass der von O2 geplante Handel mit Standortdaten keine solche Zusatznutzen biete.

Zuvor war bekanntgeworden, dass O2 ein Programm namens "Smart Steps" entwickelt, mit dem die Bewegungsdaten der Smartphone-Besitzer für die Werbeindustrie ausgewertet werden sollen. Dabei solle der Standort des Telefonbesitzers mit weiteren Daten wie Alter und Geschlecht kombiniert werden. Angaben wie Name und Anschrift würden hingegen nicht herausgeben.

Der spanische Telekomkonzern Telefónica Chart zeigen, Betreiber von O2, bestätigte die Existenz des Ortungsprogramms. Es werde derzeit in Großbritannien getestet. Ob und wann die Software in Deutschland zum Einsatz kommt, sei nicht entschieden, sagte ein Konzernsprecher. Falls das der Fall sein sollte, werde der Konzern sicherstellen, dass alle deutschen Datenschutzregeln beachtet werden.

Kritik an den Plänen von O2 kam auch aus dem Verbraucherschutzministerium. Ein Sprecher sagte, mit solchen Vermarktungspraktiken werde der Verletzung der Privatsphäre Tür und Tor geöffnet.

Telefónica ist mit 58 Milliarden Euro verschuldet und somit dringend auf neue Einnahmen angewiesen. Diese sollen unter anderem aus dem Börsengang von O2 kommen, den der Konzern am Dienstag erfolgreich abschloss. Für die Platzierung von gut 23 Prozent der Anteile an O2 kassierte Telefónica rund 1,45 Milliarden Euro. Es war der größte deutsche Börsengang seit 2007.

dab/dpa/Reuters

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1. Zwei Dinge....
MaxGrabowski 31.10.2012
Zitat von sysopKlares Signal an O2: Die Bundesregierung will dem Mobilfunkanbieter nicht erlauben, die Standortdaten deutscher Kunden zu verkaufen. Das Verbot gelte auch dann, wenn O2 die Daten anonymisiere. Bundesregierung warnt Mobilfunkanbieter O2 vor Datenhandel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bundesregierung-warnt-mobilfunkanbieter-o2-vor-datenhandel-a-864591.html)
... die mir sofort bei den gestrigen Meldungen in den Kopf schossen, die aber anscheinend sonst nicht beachtet werden: 1.) Telefonica bringt die Meldung exakt am Tag des Börsengangs ihrer Tochter O2. Nun dies wird die Werbewirtschaft freuen und damit die institutionellen Anleger - weil das heisst, daß der Rubel rollt - und schwupps wird die Aktie gekauft... (zumal in fast jeder News zum Börsengang verlautbart wurde, daß Telefonica Cash dringend benötigt)! 2.) Habe ich durchaus Sympathie für die Ankündigung, weil dadurch eine Diskussion überhaupt erst möglich gemacht wird. Wieviele Mobilfunk-, DSL- und Festnetzanbieter vergleichbares in der Schublade oder schon in der Mache haben, will ich garnicht spekulieren! Von Retargeting im Online-Marketing ganz zu schweigen, oder Adresshandel einiger App-Entwickler (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Falsche-Faehrten-fuer-Schnueffel-Apps-1733397.html) oder dem Einwohnermeldeamt ;-)
2.
Rainer Helmbrecht 31.10.2012
Zitat von sysopKlares Signal an O2: Die Bundesregierung will dem Mobilfunkanbieter nicht erlauben, die Standortdaten deutscher Kunden zu verkaufen. Das Verbot gelte auch dann, wenn O2 die Daten anonymisiere. Bundesregierung warnt Mobilfunkanbieter O2 vor Datenhandel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bundesregierung-warnt-mobilfunkanbieter-o2-vor-datenhandel-a-864591.html)
Na, da bin ich Mal gespannt, ob ich gespannt bin;o). Wenn die Parteien, ihre Bürger schützen würden, dann gäbe es viel zu tun, ein umfassender Datenschutz wäre nicht schlecht, für den Anfang;o). MfG. Rainer
3. yoooh
geotie 01.11.2012
Früher hätte ich schwören können, dass es in Deutschland ein Aufschrei geben würde. Seitdem es Facebook gibt, kann ich mir vorstellen, dass O2 die Daten gegen Aufpreis veröffentlichen darf und somit ein Gewinn macht. Für mich ist diese Firma gestorben, eine Firma die weiß wo ich mich aufhalte, mit wem ich telefoniere, wie lange und vielleicht auch mit Aufzeichnung. Ich wiederum weiß kaum etwas über die Firma, selbst den Vertrag zu kündigen ist hundert Mal schwieriger als ein Vertrag aufzusetzen.
4. Innovationen vom Bundeswirtschaftsministerium
HansGusto 01.11.2012
Das Bundeswirtschaftsministeriums entscheidet für uns was nützlich ist und was nicht. Das ist ja nett, dann muss ich nicht selbst nachdenken. Mal ehrlich, was ist gegen die Nutzung von anonymisierten Daten einzuwenden? Ich denke, da gäbe es einige nützliche Anwendungsfälle (personalisierte Werbung ist keiner). Vielmehr bräuchten wir eine Definition was "anonymisiert" heißt. Mit Weitergabe von Standort, Alter und Geschlecht könnte ich leben, solange die Daten nicht über mehr als eine Stunde historisiert werden.
5. Die Regierung warnt...
watislos 01.11.2012
Zitat von sysopKlares Signal an O2: Die Bundesregierung will dem Mobilfunkanbieter nicht erlauben, die Standortdaten deutscher Kunden zu verkaufen. Das Verbot gelte auch dann, wenn O2 die Daten anonymisiere. Bundesregierung warnt Mobilfunkanbieter O2 vor Datenhandel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bundesregierung-warnt-mobilfunkanbieter-o2-vor-datenhandel-a-864591.html)
Gleichzeitig fordert die Regierung von den Providern für etliche Behörden Zugriff auf sämtliche Daten der Kunden. Nicht nur Inhalte... Passwörter, Pins, Standortdaten... STASI 2.0 ist Vergangenheit... diese Regierung steuert auf 1984 zu.
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