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Energiewende: Bundestag kippt Verbot von Nachtspeicheröfen

Nachtspeicheröfen galten als Energiefresser und sollten abgeschafft werden. Doch jetzt hat der Bundestag überraschend entschieden: Sie dürfen weiter betrieben werden. Umweltschützer sind entsetzt. Konzerne wie RWE dagegen loben sie als flexible Stromspeicher und Lösung für die Energiewende.

Strommasten vor RWE-Kohlekraftwerk: Schwankungen im Netz Zur Großansicht
DPA

Strommasten vor RWE-Kohlekraftwerk: Schwankungen im Netz

Hamburg - Nachtspeicherheizungen können in Deutschland auch über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden. Der Bundestag kippte am frühen Freitagmorgen ein entsprechendes Verbot aus den Zeiten der großen Koalition mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP. Im Bauausschuss des Bundestages hatten CDU, CSU und FDP schon am Mittwoch für Änderungen im Energieeinsparungsgesetz gestimmt, die den Rückzieher bei den Nachtspeicherheizungen ermöglicht.

Die einst massenhaft installierten Nachtspeicheröfen waren lange Zeit als teure Stromfresser verpönt. Neuerdings werden sie jedoch als flexible Stromspeicher dargestellt. Sie sollen mit moderner Regeltechnik ausgestattet und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken genutzt werden. Für eine solche Nutzung hat sich unter anderem der Energiekonzern RWE stark gemacht, um die Auslastung seiner Grundlast-Kohlekraftwerke zu verbessern. Auch der Versorger EnBW spielt ein solches Modell durch.

In Deutschland gibt es ungefähr 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen. Die Große Koalition hatte eigentlich beschlossen, dass alle vor 1990 installierten Nachtspeicher nur noch bis Ende 2019 erlaubt sind und alle nach 1990 angeschlossenen Geräte maximal 30 Jahre laufen dürfen. Diese Regelung ist nun hinfällig.

Umweltschützer sehen den Beschluss des Bundestags kritisch: "Wer noch eine traurige Pointe in der verfehlten Klimapolitik von Bundesumweltminister Peter Altmaier sucht, findet sie heute", sagt Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace. Die Entscheidung sei ein Zeichen unverhohlener Klientelpolitik für RWE. Nachtspeicheröfen seien eine "Dinosauriertechnik". Sie könnten nicht Teil einer progressiven Energie- und Klimapolitik sein.

Weil die Heizungen große Mengen elektrischer Energie verbrauchen, verursacht der Betrieb laut Greenpeace dreimal mehr Klimagase als Gas-Brennwertkessel und zehnmal mehr als Holzpelletheizungen. "Die Rechtfertigung von Nachtspeicherheizungen als notwendige Speichertechnologie für die Energiewende ist eine Farce", sagte Böhling.

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ssu/dpa-AFX

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 390 Beiträge
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1. Energiefresser ??
manni.baum 17.05.2013
"Energiefresser" - schreiben Sie nicht so ein dummes Zeug, eine Kilowattstunde Strom kostet 25 cent, eine Kilowattstunde Heizöl kostet 9 cent, der Unterschied liegt im Preis nicht in der Energie ,die ist beim Strom wenigstens zum Teil "nachwachsend" beim Heizöl nur fossil.(manni.baum besitzt KEINE Nachtspeicheröfen).
2. Wie soll das funktionieren?
spätzlesschwoab 17.05.2013
In unserem Mietshaus ist seit Mitte der 70er Jahre eine Stromzentralheizung eingebaut. Sie erzeugt hautpsächlich mit Nachtstrom Wärme, die sie tagsüber an das Heizungssystem abgibt. Wer kann mir sagen, wie diese gespeicherte Wärmeenergie in Form von Strom wieder zurückgeführt werden kann ins Stromnetz. Das würde ich unter einem flexiblen Stromspeicher verstehen. Wie hoch sind die Verluste bei dem Gesamtprozess? Dieser Braten stinkt doch wieder mal gewaltig nach Lobbyismus der großen Stromkonzerne oder gibt es da tatsächlich praktikable Lösungen für unser Altgerät um dieses als Stromspeicher nutzen zu können?
3. Stromspeicher - wohl kaum
Bartholomew 17.05.2013
Nachtspeicheröfen werden als ENERGIEspeicher diskutiert, nicht als STROMspeicher. Der Vorgang der Wärmeerzeugung mittels Heizdraht im Nachtspeicher ist irreversibel, das heißt der Strom ist unwiederbringlich weg und in Wärme umgewandelt. Wenn diese Wärme vonnöten ist, kann das sinnvoll sein. Wer aber an einem sonnigen und windigen Sommertag (also bei hohem Stromangebot) noch Interesse daran haben soll, seine Wohnung mit einem Nachtspeicherofen weiter aufzuheizen, ist mir schleierhaft. Tatsächlich handelt es sich hier um eine Blendgranate, die davon ablenken soll, dass die Stromkonzerne langfristige Investitionen in Energiespeicher (Pumpspeicher, Druckluftspeicher etc.) scheuen. Das kommt davon, wenn Soziologen und Juristen über technische Fragen diskutieren...
4. Quatsch
Stelzi 17.05.2013
Zitat von manni.baum"Energiefresser" - schreiben Sie nicht so ein dummes Zeug, eine Kilowattstunde Strom kostet 25 cent, eine Kilowattstunde Heizöl kostet 9 cent, der Unterschied liegt im Preis nicht in der Energie ,die ist beim Strom wenigstens zum Teil "nachwachsend" beim Heizöl nur fossil.(manni.baum besitzt KEINE Nachtspeicheröfen).
Es geht um den WIRKUNGSGRAD und der ist, gleichgültig wie der Stom erzeugt wird, deutlich schlechter als bei jeder Öl- oder Gasheizung.
5. Nachtspeicheröfen sind keine Energiefresser
tutnet 17.05.2013
ganz im Gegenteil, die haben einen Wirkungsgrad von 100%. Die gesamte aufgenommene elektrische Energie wird in Wärme umgesetzt. Von solch einem Wirkungsgrad sind alle anderen Heizungen (Öl, Gas, Kohle, Pellet usw.) weit entfernt. Der Nachteil des Nachtspeicherofens liegt darin, daß er vorher mit billigem Nachtstrom aufgeheizt wird, wobei niemand genau sagen kann, wieviel Wärme am nächsten Tag gebraucht wird. Ggf. muß mit teurem Strom nachgeheizt werden. Durch eine intelligente Steuerung versucht man dem entgegen zu wirken. Hier setzt die neue Sichtweise an, den billigen Strom gibt es tagsüber auch bei Starkwind.
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