Bundesweiter Pilotenstreik: Hunderte Lufthansa-Flüge fallen aus

Lufthansa-Kunden in ganz Deutschland brauchen starke Nerven: Der größte Streik in der Konzerngeschichte führt bereits am frühen Morgen zu Chaos an den Airports. Hunderte Flüge wurden gestrichen - in Berlin ist noch nicht einmal klar, ob der Notfallplan eingehalten werden kann.

Lufthansa-Maschinen: Größter Streik in der Firmengeschichte Zur Großansicht
dpa

Lufthansa-Maschinen: Größter Streik in der Firmengeschichte

Hamburg - Die Pilotenorganisation Cockpit zeigt der Lufthansa Chart zeigen ihre Macht: Der Streik, zu dem sie rund 4000 Lufthansa-Piloten aufgerufen hat, entfaltet bereits am frühen Montagmorgen massiv Wirkung. Dutzende Flüge sind schon jetzt ausgefallen, an den Drehkreuzen der Bundesrepublik herrscht den ganzen Tag über Ausnahmezustand:

  • In Frankfurt am Main fallen bis zum Mittag mehr als 60 Flüge aus.
  • In München sind es bis 12 Uhr mehr als 50.
  • In Hamburg heben im Laufe des Tages 44 von 97 geplanten Maschinen ab.
  • In Düsseldorf fallen bis zum Abend gut 40 Verbindungen aus.

In Berlin herrschen teils chaotische Zustände: Laut Notflugplan werden nur 28 von sonst 70 Lufthansa-Flügen von Tegel starten. In Schönefeld starten zwölf von sonst 21 Germanwings-Flügen. Nach Einschätzung eines Lufthansa-Sprechers ist noch nicht einmal gesichert, dass der Notplan eingehalten werden kann. Die Flugpassagiere würden gebeten, sich vorher über ihre Flüge zu informieren oder auf die Bahn umzusteigen.

Zur Übersicht, welche Flüge wo ausfallen, siehe die Karte in der linken Spalte oder klicken Sie hier. Bei Fragen zu Fluggastrechten und Umbuchungen klicken Sie hier.

Der Cockpit-Streik könnte der größte in der Geschichte der Luftfahrt werden. Etwa 800 Flüge werden nach Einschätzung des Konzerns allein am Montag ausfallen; das wären etwa zwei Drittel aller Lufthansa-Verbindungen. Beim Billigflieger Germanwings soll rund ein Drittel der Flüge gestrichen werden. Nicht bestreikt werden Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind. Insgesamt hofft die Airline, die Hälfte des normalen Planes anbieten zu können.

Vermittlungsversuche in letzter Minute gescheitert

In den kommenden Tagen ist keine Besserung der Lage zu erwarten: Der Arbeitskampf soll bis zum Donnerstag fortgesetzt werden. Versuche, den Konflikt noch in letzter Minute abzuwenden, blieben ohne Ergebnis. Auch die Vermittlung von Verkehrsminister Peter Ramsauer brachte am Sonntag keine Annährung in dem Konflikt.

Den Piloten geht es vor allem um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen verhindern, dass Flüge aus dem Mutterkonzern auf ausländische, billigere Töchter verlagert werden.

Was die Streitparteien wollen
Die Verhandlungslinie der Piloten
Die Gewerkschaft Cockpit befürchtet einen sukzessiven Abbau der hochbezahlten Piloten im Konzerntarifvertrag. Sie will eine Verlagerung von Arbeitsplätzen auf neu übernommene oder neugegründete Töchter vermeiden und fordert daher eine "belastbare Beschäftigungsgarantie" für die Flugzeugführer. Im Gegenzug für diese Arbeitsplatzgarantie hatte sich die Gewerkschaft bereiterklärt, auf ihre zu Beginn der Verhandlungen im Mai geforderte Lohnerhöhung von 6,4 Prozent für zwölf Monate zu verzichten und eine Nullrunde zu akzeptieren. Der Konzerntarifvertrag umfasst neben der Lufthansa Passage die Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings.
Die Verhandlungslinie der Lufthansa
Die Lufthansa steht der geforderten Beschäftigungsgarantie skeptisch gegenüber und drängt vielmehr auf deutliche Einsparungen, auch bei den Piloten. Bis Ende 2011 sollen die Kosten im Passagiergeschäft im Rahmen des Sparprogramms Climb 2011 um eine Milliarde Euro gesenkt werden.

Die Fluggesellschaft kämpft derzeit mit massiven Geschäftseinbußen durch die Wirtschaftskrise und der Sanierung und Integration der jüngst übernommenen Töchter wie Austrian Airlines und British Midland. Außerdem setzen der größten europäischen Fluggesellschaft im Europaverkehr zunehmend Billigflieger wie Air Berlin oder Ryanair zu, an die Lufthansa sukzessive Marktanteile verliert.
Knackpunkt eins: Internationale Zukäufe
Zukäufe Bei den zuletzt übernommenen Töchtern wie Brussels Airlines oder Austrian Airlines arbeiten die Piloten teilweise für weniger Gehalt als bei Lufthansa. Die Gewerkschaft befürchtet, dass das Unternehmen Lufthansa-Strecken zunehmend auf die Töchter verlagern könnte, um so Kosten zu sparen. Dann würden die billigeren Piloten der Töchter die Strecken fliegen und nicht mehr die Lufthansa-Piloten, deren Arbeitsplätze die Gewerkschaft in Gefahr sieht. Nach Angaben von Lufthansa ist im Passagierverkehr jedoch weiteres Wachstum geplant. Die Zahl der Konzerntarifvertrag-Arbeitsplätze habe sich - ohne die frühere Tochter Condor - seit 2001 um acht Prozent erhöht, argumentiert das Unternehmen.
Knackpunkt zwei: Lufthansa Italia
Lufthansa hat 2009 eine eigene Tochter in Italien gegründet. Bislang konnten sich Gewerkschaft und Lufthansa aber nicht darüber einigen, wer die Maschinen fliegen soll. Nach dem Willen von Lufthansa sollen das langfristig Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags machen, die Gewerkschaft will das verhindern. Die deutschen Piloten fürchten, dass Lufthansa Italia künftig mehr Strecken übernehmen und Konzernpilotenstellen wegfallen könnten. Bislang fliegen noch Lufthansa-Piloten die Maschinen. Allerdings hat die Gewerkschaft diesen Verhandlungspunkt am Montag vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main aufgegeben. Nun soll nur über Entgelte im deutschen Tarifgebiet verhandelt werden.
Knackpunkt drei: Logistiktochter Aerologic
Ähnlich ist die Situation bei der gemeinsam mit der Deutschen Post neugegründeten Frachttochter Aerologic. Deren Flugzeuge werden nicht wie bei der eigenen Frachttochter Cargo von Konzernpiloten geflogen, sondern von neu eingestelltem Personal. Auch will die VC Lufthansa-Konzernpiloten ins Cockpit holen. Wie es mit diesem Streitpunkt nun weitergeht, müssen die Verhandlungen in den kommenden Tagen zeigen.
Knackpunkt vier: Größere Regionalmaschinen
Lufthansa mustert im Regionalverkehr die kleinen Flugzeuge mit weniger als 70 Sitzen aus und ersetzt sie durch größere Maschinen. Das Unternehmen muss gemäß einer vor Jahren getroffenen Vereinbarung bei Flugzeugen über 70 Sitzen, die unter der Marke Lufthansa eingesetzt werden, mit der Gewerkschaft über die Arbeitsbedingungen der Piloten verhandeln. In dem seit Jahren schwelenden Konflikt gab es jedoch keine Einigung - auch weil sich die Gewerkschaft intern nicht einigen konnte. Ein Teil der neuen Maschinen kommt daher bei Partnern wie Air Dolomiti und Augsburg Airways zum Einsatz. Hier steht das Lufthansa-Logo nicht auf den Maschinen. Einen ähnlichen Weg hatte Lufthansa bei der Tochter Cityline gewählt - auch hier werden die Flugzeuge nicht mit dem Namen Lufthansa beschriftet. Bei dem Partner Eurowings werden durch den Sparkurs 19 Flugzeuge stillgelegt und Hunderte Arbeitsplätze abgebaut.

Die Lufthansa-Führung schlägt dagegen nach Streikbeginn scharfe Töne an. Die derzeitige Lage sei "das dramatischste, was wir im Luftverkehr erlebt haben", sagte ein Konzernsprecher im Deutschlandfunk. "Die Verantwortung für sämtliche Auswirkungen - auf die Kunden, die Zukunft des Unternehmens und auf den Wirtschaftsstandort Deutschland - trägt einzig und allein die Gewerkschaft."

Seinen Worten zufolge lässt VC im entscheidenden Verhandlungspunkt keine Kompromissbereitschaft erkennen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Gewerkschaft von ihrer Forderung abrücke, den Lufthansa-Tarifvertrag auch auf Piloten ausländischer Konzerntöchter auszuweiten. Das Management sieht darin einen juristisch unzulässigen Eingriff in seine Entscheidungsbefugnisse.

Ein VC-Sprecher sagte dagegen: "Das ist nicht verhandelbar". Die Gewerkschaft hatte am Sonntagabend in einer Presseerklärung einen anderen Kompromissvorschlag genannt. Man könne den Konflikt um die Ausweitung des Tarifvertrags ins Ausland so lange aussetzen, bis dieser höchstrichterlich geklärt ist; bis dahin solle die Lufthansa keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Gegenüber Ramsauer hatte die Gewerkschaft betont, zu vorbedingungslosen Verhandlungen zur Verfügung zu stehen - doch darauf sei der Konzern nicht eingegangen.

Zehntausende Passagiere pro Tag betroffen

Leidtragende des Tarifkonflikts sind nun die Passagiere. Rund 150.000 werden an einem normalen Arbeitstag von der Lufthansa und ihren Töchtern befördert, Zehntausende davon dürften von den Ausständen betroffen sein - Tag für Tag.

  • Lufthansa und Germanwings bieten Passagieren kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen auf Flüge bis spätestens 31. Mai an.
  • Zudem wollen die Airlines für die Betreuung der Fluggäste sorgen, wenn diese am Flughafen festsitzen.
  • Auch hat die Lufthansa Notflugpläne für jeden der vier Streiktage auf ihrer Internetseite veröffentlicht.
  • Kunden können sich außerdem unter der kostenfreien Nummer 0800-8 50 60 70 informieren. Germanwings bietet die Informationen unter der Nummer 0800-66 44 935 sowie im Internet.

Auf den innerdeutschen Strecken können Fluggäste auf die Bahn ausweichen. Passagiere können sich entweder direkt eine Bahnfahrkarte kaufen, oder sie holen sich an Lufthansa-Automaten Gutscheine, die in den Zügen als Fahrkarten gelten. Die Deutsche Bahn setzt bis Donnerstag zusätzliche Züge ein. Ein Zugpaar fährt zwischen Köln und Berlin, ein weiteres zwischen Hamburg und Berlin und zurück, teilte der Konzern mit. Zusätzliche Kapazitäten würden außerdem zwischen München-Hannover/Hamburg und Hamburg/Hannover-München angeboten.

Grundsätzlich ist die Lufthansa verpflichtet, ihren Passagieren nach Möglichkeit für die gebuchten Flüge Ersatzverbindungen zu beschaffen. Die Lufthansa-Tochter Swiss und der Star-Alliance-Partner LOT aus Polen haben angekündigt, zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen.

Schadensersatz für weitergehende Folgen von Flugausfällen nach der EU-Verordnung über Fluggastrechte will Lufthansa dagegen nicht zahlen. Das Unternehmen sei von der Zahlungspflicht befreit, da Streiks außergewöhnliche Umstände seien.

Chronologie der Lufthansa-Verhandlungen
31. Dezember 2008
Die Friedenspflicht für die beiden von VC gekündigten Manteltarifverträge bei Lufthansa-Passage und LH Cargo AG läuft aus.
13. Februar 2009
VC kündigt die Vergütungstarifverträge bei beiden Gesellschaften.
13. Mai 2009
VC fordert unter anderem 6,4 Prozent mehr Gehalt. Mai bis November 2009 Intensive Verhandlungen zu Vergütung, den Arbeitsbedingungen und dem zwischenzeitlich aufgesetzten Sparprogramm "Climb 2011". Mit Hilfe des Programms sollen die jährlichen Kosten im Passagiergeschäft bis Ende 2011 um eine Milliarde Euro reduziert werden.
10. November 2009
VC beendet Verhandlungen zu "Climb 2011".
2. Dezember 2009
VC verlangt Angebot zu den offenen Tarifverträgen Mantel und Vergütung.
16. Dezember 2009
VC bricht Verhandlungen ab, nachdem die Lufthansa kein Angebot abgegeben hat. Vorher soll es laut Lufthansa konstruktive Ergebnisse auf Arbeitsebene gegeben haben.
15. Januar 2010
Beginn der Urabstimmung, dennoch laut LH vertrauliche Gespräche auf höchster Ebene.

17. Februar 2010
Ende der Urabstimmung, VC kündigt Streik an.
22. Februar 2010
Geplanter Beginn des Ausstands. ssu/dpa

ssu/AFP/apn/dpa/ddp/Reuters

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Forum - Verdienen Lufthansa-Piloten zu wenig?
insgesamt 1794 Beiträge
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1.
Sunny 17.02.2010
Fragen wir doch mal Guido.. ;) Aber im Ernst: Piloten haben sicher einen anstrengenden und verantwortungsvollen Job, aber den haben andere Berufsgruppen mit wesentlich geringerem Salär auch (Busfahrer z.B. - und unter der Annahme, dass die Angaben zu den Gehältern stimmen). Bleibt also die Frage: was sind die Fluggesellschaften zu zahlen bereit, und das testen die Piloten jetzt aus. Ist ja auch mindestens 2 Jahre her, seit das letzte Mal Piloten gestreikt haben... Kurze Frage: wer bezahlt eigentlich eine Pilotenausbildung? Geht der Pilot in Vorleistung?
2.
unente 17.02.2010
"Cockpit" will für Arbeitsplatzsicherheit streiken, nicht für mehr Geld. ---Zitat von spon--- ...Kern der aktuellen Auseinandersetzung ist der Wunsch der Arbeitnehmer, die Auslagerung von Stellen in billigere Tochtergesellschaften zu stoppen, was der Konzern aber nicht ausschließen will. *Für eine derartige Zusage wären die Piloten auch zu einer Nullrunde beim Gehalt bereit*... ---Zitatende---
3. Auf zu neuen Ufern !
Kalix 17.02.2010
Die Probleme mit Sysop werden grösser. In einer marktwirtschaftlichen Tarifauseinandersetzung ist es vollkommen egal, ob wie hier die Piloten gut verdienen oder nicht. Es geht ausschliesslich um den Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Lufthansa hat trotz stärkstem Wettbewerb gute Erträge; garantiert unter anderem durch den Einsatz der Piloten und des fliegenden und nicht fliegenden Personals. Warum sollen hiervon ausschliesslich die Aktionäre profitieren ? Warum sollen die Mitglieder von Cockpit tatenlos zuschauen, wenn ihre Arbeitsplätze weg rationalisiert werden zugunsten von Billigfliegern unter dem Dach der Lufthansa? Ich denke, die Akzeptanz eines Streikes ist von der Bevölkerung erst dann gegeben, wenn Unternehmen wie Lufthansa gezwungen werden, ihre Unternehmensstrategie auch an den Beschäftigten zu orientieren. Wir brauchen mehr Streiks, um das Perfide in den Unternehmensstrategien 1fach unmöglich zu machen. Jede Drohung, Unternehmensverwaltungen in das Ausland zu verlagern, zeigt von der fehlenden moralischen Qualifikation dieser sogenannten Manager, deren Leistung nur im unteren Drittel des Rankings weltweit gewürdigt wird.
4. Naja
highn00n 17.02.2010
Bei der wirtschaftlichen Lage zu streiken ist nicht so ganz ungefährlich. Durch die Wirtschaftskrise ist der Fracht und auch der Personenverkehr so stark zurückgegangen wie noch nie zuvor. Ob da ein Streik wirklich Sinn macht, wenn dann die Airline pleite macht, wage ich zu bezweifeln. Unternehmen müssen Überkapazitäten nun mal abbauen können, um ihr Überleben zu sichern.
5.
dennis.hoppler 17.02.2010
Zitat von sysopPiloten gehören zu den Besserverdienern in Deutschland - insbesondere bei der Lufthansa. Ist ihr Streik trotzdem berechtigt?
Schon wieder diese Boulevard-Vorlage, die am Thema vorbeigeht. Es geht nicht um Gehaltsverhandlungen, sondern um Rettung der Arbeitsplätze in Lufthansa-Cockpits und gegen das vehemente "Outsourcing", das seit Jahren vom Management betrieben wird-entgegen geschlossener Vereinbarungen. Die Pilotenschaft bietet sogar eine Nullrunde an.
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Rechte der Fluggäste bei Streiks
Umbuchung
Auch nach der Aussetzung des Streiks versucht die Lufthansa betroffene Passagiere auf alternative Flüge umzubuchen. Bei Zielen in Deutschland können Fluggäste ihren Flugschein am Ticketschalter auch gegen einen Reisegutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Eine spätere Erstattung des Bahntickets ist ebenso möglich, dafür muss der Kunde einen Kaufbeleg für das Flugticket einreichen.

Wer fürchtet, dass sein schon gebuchter Lufthansa-Flug zwischen dem 22. und 25. Februar ausfällt und nun seine Reisepläne ändern will, kann schon jetzt kostenlos einen anderen Flug mit gleichem Start und Ziel wählen. Das neue Reisedatum muss aber vor dem 31. Mai liegen.
Stornierung
Wenn ein Flug als Folge des Arbeitskampfs gestrichen wird, kann der Kunde ihn am Flughafenschalter oder auch von zu Hause aus stornieren und bekommt dann sein Geld zurück - entweder von der Lufthansa oder vom Reisebüro, das das Ticket verkauft hat. Die Lufthansa listet ausgefallene und verspätete Flüge im Internet unter www.lufthansa.com (Ankunft und Abflug) auf. Informationen erhalten Fluggäste auch unter der Nummer 0800-8506070, für Flüge mit Germanwings unter 0800-6644935.
Leistungen bei Verspätung
Ab zwei Stunden Verspätung haben Fluggäste laut EU-Verordnung Anspruch auf Betreuungsleistungen, also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die Wartezeit gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden Warten, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden Wartezeit. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Auch wenn ein Flug absehbar große Verspätung hat, sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.
Entschädigung
Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung bis 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Lufthansa wertet Streiks aber wie miserables Wetter oder einen technischen Defekt als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung zahlt sie deshalb nicht.
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