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Konkurrent für "Hans im Glück": Burger-Krieg im Märchenwald

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Burgerketten: Aus "Hans im Glück" wird "Peter Pane" Fotos
SPIEGEL ONLINE

Das Trendrestaurant "Hans im Glück" bekommt Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Ein geschasster Franchisepartner flaggt seine Filialen auf den neuen Namen "Peter Pane" um. Wer aber braucht noch eine Burgerkette?

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Nur an den Toiletten hängen sie noch, die Birken. Die Baumstämme, die die Gasträume der Burgerkette "Hans im Glück" in ganz Deutschland schmücken, sind hier schon abgeholzt. Die Fototapeten an den Klotüren sollen morgen runter.

Denn "Hans" wohnt hier nicht mehr, am Schlump in Hamburg-Eimsbüttel. Draußen hängt zwar noch das gelbe Logo der Märchenfigur, doch in den Schaufenstern kündigen die Plakate schon an, wer hier am kommenden Dienstag einziehen soll: "Peter Pane".

Drinnen steht Patrick Junge, Halbglatze, weiß-blau-rot kariertes Hemd, neben einer frisch tapezierten Wand - grüne Laubmuster mit goldenen Schlüsseln. "Für den Gast soll sich gar nicht viel verändern", sagt er - angesichts des Baustellenchaos um ihn herum klingt das etwas seltsam.

Auf einer Leiter im Gastraum steht ein Handwerker, der ein weiteres der geschwungenen Eichenfurniere an der Decke befestigt. 200.000 Euro investiere er pro Filiale in den Umbau. Junge warnt vor dem rutschigen Messingboden, der unter den grauen Schutzplanen durchschimmert. Der werde erst morgen versiegelt.

"Holde Maid" statt "Stallbursche"

Was der Sohn einer Lübecker Bäckerdynastie eigentlich meint: Seine neue, eigene Burgerkette soll auch die Leute ansprechen, die mit "Hans" ganz glücklich waren. Die Läden bleiben die gleichen, auch die Mitarbeiter nimmt Junge einfach mit. Selbst die Namen der Burger sind ähnlich: Statt dem "Stallburschen" gibt es nun die "Holde Maid", statt dem "Eitlen Gockel" das "Leichte Mädl".

Wie keine zweite Marke profitierte das Münchner Grill-Franchise von der Renaissance der Bulette zwischen zwei Brötchenhälften. Dank Biofleisch und Heumilchkäse mutierte die einstige Fast-Food-Sünde selbst in den Augen vieler ernährungsbewusster Großstädter zum Öko-Essen.

Die Schlangen junger Menschen vor der Tür gehören zu den "Hans im Glück"-Restaurants in der Berliner Friedrichstraße oder dem Münchner Goetheplatz wie das Logo des sorglosen Wandersmanns.

Bislang betrieb Junge ein ständig wachsendes Reich von zuletzt zwölf "Hans im Glück"-Filialen in Norddeutschland - und machte damit ein Viertel aller Niederlassungen aus. Vergangenen November aber kündigte das "Hans im Glück"-Management Junge, weil dieser mehrfach gegen Verträge verstoßen haben soll, etwa durch eigenwillige Änderungen am Menü.

Über die Gründe für den Bruch im Burger-Märchenland spricht Junge nur in Andeutungen: "Durch das Maß an Entfesselung werden wir vieles noch besser machen". Seine Rohstoffe kämen künftig fast ausschließlich aus Deutschland, Goldhähnchen aus Ostwestfalen, Küsten-Bernsteinkäse von norddeutschen Kühen.

Zur Not auch ohne Burger

Es gebe mehr vegetarische und vegane Optionen, bis hin zu Schokokuchen und Mayonnaise, schwärmt Junge. Und dank dem "Tahimi Süßkartoffel-Patty" oder "Sojasprossen mit Meersalz" muss man sich über den Nachschub an kuriosen Food-Innovationen auch keine Gedanken machen.

Junge will mit "Peter Pane" schnell expandieren, fünf oder sechs neue Filialen sollen im ersten Jahr entstehen. Auch "Hans im Glück"-Chef Thomas Hirschberger will Norddeutschland zurückerobern und plant neue Burgerläden.

Doch bei allen neuen Tapeten und Rezepten - wer braucht noch eine weitere Burgerkette? "Peter Pane" folgt einem Trend, der bereits einige Jahre alt ist. Der Satzanfang "Also, dieser neue Burgerladen...", schreckt im Jahr 2016 keinen Hipster mehr auf. Kürzlich hat auch "Hans im Glück" wieder eine Filiale eröffnet - in Bonn-Poppelsdorf.

Junge glaubt trotzdem an die Zukunft des Burgers: "Der ist praktisch, lecker und bietet fast unbegrenzte Kreationsmöglichkeiten". Ein Filet sei irgendwann perfekt, den Burger könne man immer an sich verändernde Geschmäcker anpassen. "Aber alles im Leben ist in Wellenform", sagt Junge und fährt mit der Hand die geschwungenen Furniere an den Decken nach. "Es geht rauf und es geht wieder runter."

"Wenn die Leute keine Burger mehr wollen, bin ich nicht der Kapitän, der sich bis zuletzt daran festklammert", sagt Junge in seinem hanseatischen Zungenschlag und umarmt den imaginären Mast in seinem Restaurant. "Es kann sein, dass der Burgeranteil auf unserer Karte in den nächsten Jahren sinkt und der Salatanteil höher liegt."

Um zu überleben, dürfe man sich nicht auf die vermeintlichen Erfolgsrezepte verlassen, sagt Junge. Deshalb auch "Peter Pane". Denn wie hieß noch mal der Untertitel der literarischen Vorlage? "Der Junge, der nie erwachsen werden wollte."

Zusammengefasst: Die Burgerkette "Hans im Glück" hat sich mit ihrem Franchisenehmer Patrick Junge verkracht. Der macht deshalb nun in seinen Filialen eine eigene Kette auf - und setzt dabei vor allem auf die Erfolgsrezepte des alten Partners.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
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1. Hans im Glück am Schlump
HerrH. 07.03.2016
stanf für mittelmäßige Burger zu überteuerten Preisen bei zu lauter Musik auf unbequemen Sitzmöglichkeiten mit unfreundlicher Bedienung. Aber es war hip!!! Ich habe nie verstanden was diese Läden so beliebt gemacht hat.
2. Sandwich
hansgustor 07.03.2016
Naja mein Geschmack ist das nicht. Weiche Brötchen und die Varianten unterscheiden sich kaum. Mehr Sandwich als Burger. Trotzdem haben in Stuttgart zwei HiG in zwei Minuten Gehentfernung eröffnet. In Hamburg geht man lieber ins Bucks.
3. Wer noch eine weitere Burgerkette braucht?
prendergast 07.03.2016
Der Autor war wohl lange nichtmehr auswärts essen. Im kalten Januar stellte ich mit verwunderung die gähnende Leere der Restaurants in Berlin fest, während die hippen Burgerbuden in dem Szenevierteln mit Reservierungslisten aufwarten und aus allen Nähten platzten.
4. Hey!
Jott 07.03.2016
Nichts gegen Bonn-Poppelsdorf! Ist sehr schön da...
5.
davornestehtneampel 07.03.2016
Oh, toll - Raider heißt jetzt Twix...
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