Reisen: Preiskampf auf der Busspur

Von Alexander Demling

Frohe Botschaft für Fernreisende: Führende Bus-Anbieter erwarten einen Preiskampf auf dem frisch liberalisierten Markt, in den mehrere ausländische Unternehmen drängen. Die im Vergleich zur Bahn ohnehin niedrigen Preise dürften weiter sinken.

Busreisende: Ab April wollen sechs Unternehmen um ihre Gunst buhlen Zur Großansicht
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Busreisende: Ab April wollen sechs Unternehmen um ihre Gunst buhlen

Hamburg - Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland dürfte bald zu fallenden Preisen für Reisen zwischen deutschen Städten führen. "In den Markt kommen nun viele börsenorientierte Großunternehmen. Die werden versuchen, allein über den Preis Kunden zu gewinnen", sagte Christian Janisch vom Fernbus-Unternehmen DeinBus.de gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Ab 1. Januar 2013 dürfen Busse ohne besondere Genehmigung auf allen Strecken über 50 Kilometer und einer Stunde Fahrtzeit Fahrgäste befördern. Das entsprechende Gesetz hat der Bundestag vor zwei Wochen mit großer Mehrheit beschlossen, der Bundesrat dürfte am 2. November zustimmen. Zuvor hatte die Bahn bis auf wenige Ausnahmen ein Monopol auf den Passagiertransport gehabt, das noch aus der Nazi-Zeit stammte.

Sechs Anbieter haben konkrete Pläne, ab April Buslinien zwischen Städten einzurichten: Neben der Bahn-Tochter Berlin-Linen-Bus (BLB), dem Start-Up DeinBus.de und zwei weiteren deutschen Anbietern planen auch die Verkehrskonzerne Veolia aus Frankreich und National Express aus England einen Einstieg in den deutschen Markt.

Das Gedränge um Marktanteile dürfte nicht ohne Folgen bleiben: "Die größte Gefahr ist, dass die Bahn mit Preisdumping den Markt erobern will. Es ist ein Großkonzern, der vom Geld der Steuerzahler lebt", sagt Roderick Donker van Heel von National Express Germany. Und verschweigt, dass auch hinter seinem Unternehmen ein Busgigant mit 2,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und Töchtern in den USA und Spanien steht. Konkrete Pläne zu Strecken und Preisen wollen die Briten erst veröffentlichen, wenn das Gesetz endgültig beschlossen ist. Klar ist aber, dass die Briten einen Preiskampf nicht scheuen: "Unsere Mutter steht zu hundert Prozent hinter uns", sagt Donker van Heel.

Die Bahn, mit BLB bisher Marktführer in Deutschland, fürchtet dagegen das Aufkommen neuer Konkurrenten. Der zu erwartende Wettbewerb lasse "Zweifel an der Rentabilität" des Fernbusmarktes aufkommen, so ein offizielles Statement von Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Die Bahn will ihre Bus-Tochter daher auf ihre bisherigen Strecken beschränken, die vor allem Berlin mit anderen deutschen Städten verbindet.

Wer auch immer der Preiskrieg als erster erklärt, die Fernreisenden können sich darüber freuen. Schon jetzt lässt es sich im Bus viel günstiger reisen als in der Bahn: Eine normale Fahrt im IC von Hamburg nach Berlin kostet bei der Bahn derzeit 59 Euro, bei ihrer Bustochter mit 27 Euro nicht einmal die Hälfte. Allerdings ist der Bus auch gut eine Stunde länger unterwegs als der IC. Die Fahrt von Freiburg nach Heidelberg ist bei der Bahn ab 21 Euro zu haben, bei DeinBus.de zahlen die Reisenden 9 Euro - bei ebenfalls um eine Stunde längerer Fahrtzeit.

Ob diese Preise aber dauerhaft haltbar sind, ist fraglich. Eine Studie der TU Dresden ergibt, dass Busfahrten je nach Auslastung 60 bis 70 Prozent des Bahnpreises kosten müssen, um profitabel zu sein. Darunter geht es nur, wenn die Busse proppenvoll sind - oder die Unternehmen ihren Gewinn opfern.

Die niedrigeren Preise von deinbus.de sind bisher möglich, weil das Portal wie eine Mitfahrzentrale funktioniert. Die Busse werden erst gebucht, wenn sich genügend Mitfahrer für eine Fahrt angemeldet haben, was eine hohe Auslastung ermöglicht. Die Auslastung könnte aber schnell sinken, wenn das Unternehmen künftig Linienverkehr anbietet. Christian Janisch von DeinBus.de ist dennoch zuversichtlich: "80 Millionen Menschen kriegen endlich Zugang zu diesem schönem Verkehrsmittel. Ich glaube, dass da Platz für ein paar Wettbewerber ist."

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