C&A-Sippe Brenninkmeijer Katholisch, verschwiegen, schwerreich

Wer sich scheiden lässt, wird geächtet: Hinter dem C&A-Imperium steckt die traditionsliebende, milliardenschwere Familie Brenninkmeijer. Jetzt will sie wohl verkaufen. Was über den Clan bekannt ist.

AFP

Von manager-magazin.de-Redakteur


Es wäre ein gewaltiger Traditionsbruch. Die C&A-Holding Cofra prüft nach SPIEGEL-Informationen einen Verkauf der jahrzehntelang dominierenden Textilkaufhauskette; die Interessenten sollen aus China kommen.

Einschneidend wäre solch ein Schritt nicht nur für den deutschen und europäischen Einzelhandel, wo Tausende Filialen das Logo von C&A tragen. Auch der (inzwischen nur noch) zweitreichste Clan im Land würde mit einer langen Tradition brechen - ausgerechnet die außergewöhnlich traditionsverliebte Brenninkmeijer-Sippe.

Zum Vermögen der Familie - geschätzt 20 Milliarden Euro - dürfte C&A zwar nicht mehr allzu viel beitragen - ihre beiden übrigen Standbeine, die Immobilienfirma Redevco und die Private-Equity-Firma Bregal, beziffert die Cofra-Holding auf 7,5 Milliarden beziehungsweise elf Milliarden Euro Wert.

Der Niedergang der Kaufhauskette zeichnet sich seit Langem ab. Vor zehn Jahren wurde ihr noch ein Börsenerlös von "mindestens zehn Milliarden Euro" zugetraut. "Doch die Familie will nicht verkaufen", hieß es damals.

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Familie Brenninkmeijer: Auf das ij kommt es an

C&A ist der Anker der Familienidentität. Als Gründungsjahr wird 1841 genannt, als die Brüder Clemens und August Brenninkmeyer aus dem westfälischen Dorf Mettingen als sogenannte Tödden, also mit Tuch handelnde Hausierer, in die niederländische Kleinstadt Sneek zogen. Das Geschäft hält sich inzwischen in sechster Generation in Familienbesitz - bei zwölf Stämmen mit rund 1800 Angehörigen ein kompliziertes Unterfangen, was die Brenninkmeijers als kostbare Leistung betrachten.

Die Sippe folgt dem Motto "Eintracht macht stark", was sie mit ihrem Regelwerk namens Unitas umzusetzen sucht. Dazu gehört beispielsweise, dass alle Entscheider im heute 68-köpfigen Gesellschafterausschuss "Sneeker Kring" katholisch sein müssen, niederländische Staatsbürger und ihren Nachnamen mit ij schreiben - auch wenn das westfälische, bodenständige Erbe mit regelmäßigen Treffen auf den Familienhöfen in Mettingen ebenso hochgehalten wird.

Frauen sind erst seit den Neunzigerjahren in dem exklusiven Kreis zugelassen - theoretisch. Praktisch schaffte es vor zwei Jahren mit Johanna Brenninkmeijer die erste in den Kring.

"Jeder Brenninkmeijer ist ein Zahnrad"

Traditionell müssen sich die Unternehmer in familieneigenen Betrieben hocharbeiten, wobei auf jeder Ebene die Leistung kontrolliert wird. Wer es nicht nach oben schafft oder aus anderen Gründen aus dem Brenninkmeijer-Imperium aussteigt, darf auch keine Anteile vererben.

"Jeder Brenninkmeijer ist ein Zahnrad, und wenn ein kleines Rädchen defekt ist oder fehlt, läuft die Uhr nicht", beschrieb ein Familienmitglied das Verhältnis dem manager magazin. "Deswegen müssen alle nach den gleichen Regeln funktionieren." Scheidungen beispielsweise führten schon zur Ächtung.

Ein Verkauf der Anteile ist den Partnern verboten - bis sie die Altersgrenze von 63 Jahren erreichen und dann verkaufen müssen. Auch der weitere Familienkreis darf über sein Vermögen nicht frei verfügen. Alle Gelddinge und auch Alltagsfragen wie Umzüge erledigt das Family Office Anthos, das sogar über eine Vollbanklizenz verfügt. "Im Prinzip sind wir alle entmündigt", sagte ein Brenninkmeijer dem manager magazin.

Brüche im Clan

Nicht nur deshalb kam es in den vergangenen Jahren zu ersten Brüchen im Brenninkmeijer-Reich. Manche Verwandte begehrten wie Alexander Brenninkmeijer auf, der sich sein eigenes Modelabel im Markenstreit mit Cofra sicherte und auch eine Schiedsstelle für solche Streits durchsetzte.

Andere wie Philippe Brenninkmeijer scheiterten an der Aufgabe, das Kerngeschäft im Konsens mit all den Verwandten zu sanieren. Schon einmal, in den Neunzigerjahren, musste die Familie ihre Firmenstruktur deshalb überholen. "Damals hätten wir beinahe nicht überlebt", sagte Familienoberhaupt Maurice Brenninkmeijer 2016 der "Zeit". Die Cofra wurde gebildet, um die bis dahin voneinander unabhängigen Einzelfirmen zu bündeln und professionell zu managen.

Jetzt muss mit Ex-Rewe-Chef Alain Caparros ein familienfremder Manager ran, der eigentlich andere Pläne hatte, als noch einmal einen Handelskoloss zu sanieren. Wenn das Ergebnis tatsächlich wäre, Kapital und Kontrolle von C&A aufzugeben, hätte sich für die Brenninkmeijers der Sinn ihres komplexen Regelwerks zu einem Gutteil überholt.

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
112211 15.01.2018
1. Geschmacksfrage
Zumindest in einem ist C&A besonders traditionsverliebt: in der Frage des schlechten Modegeschmacks. Sonderbar, dass dennoch viele dort nicht nur Unterwäsche und Socken kaufen.
baerky 15.01.2018
2.
Katholisch, verschwiegen, schwerreich Da prahlt jemand nicht mit seinem Vermögen und ist auch noch gläubig, was gibt es daran auszusetzen?
freddygrant 15.01.2018
3. Wenn es die Chinesen ...
... sind werden sie sich eine echtes Domizil im europäischen Textilhandel und -verkauf schaffen. Den Kaufpreis werden sie sich auf dem chinesischen Markt schnellstens zurückholen. Den größere Coup werden sie aber machen, wenn sie ONLINE gehen werden, dann wird uns dieser mediale Selbstläufer in Europa und dann global mit Klamotten überfluten - und es werden offensichtlich nicht die Schlechtesten sein!
ekel-alfred 15.01.2018
4. Creation Asozial
Die Älteren unter uns werden sich noch vielleicht erinnern, dass bis in die 80er Jahre die Verkäuferinnen immer weiße Bluse und schwarzen Rock/Hose tragen mussten. Streng katholisch eben..... Das fand ich als Kind immer so furchtbar, dass ich bis heute diese Läden meide, obwohl das jetzt ja anders ist.
Dkeeper 15.01.2018
5. Was ist das denn für eine Überschrift?
Sippe? Clan? Da wurde über Jahrzehnte und Generationen hinweg ein Familienbetrieb in ein großes Unternehmen geführt. Und weil man dann erfolgreich und wohlhabend ist, wird man dann im SPON zur "Sippe", einem zuletzt durch und durch negativ besetzen Begriff. Da ist es kein Wunder, wenn die letzten großen Familienunternehmen ihre Kohle in trockene Tücher bringen, an die Chinesen verkaufen und sich dann in der Karibik oder wo auch immer gerade schönes Wetter ist, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen...
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