Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Legalisierung von Cannabis: Der Fiskus kifft mit

Von , New York

Cannabis-Pflanzen: Steuern in Milliardenhöhe Zur Großansicht
DPA

Cannabis-Pflanzen: Steuern in Milliardenhöhe

Deutschland tastet sich an eine Legalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke heran. In den USA ist das schon ein großes Geschäft - vor allem für den Staat, der den Kiffern massive Steuern aufbrummt.

Es schien eine Industriemesse wie jede andere zu sein. Zwei Tage lang trafen sich im Messezentrum von Denver 800 Männer und Frauen, viele in Anzug und Business-Kostüm, um sich über das Neueste aus ihrer Branche zu informieren. Es gab Präsentationen und Podiumsdiskussionen, "Networking-Lunches" und Sponsoren-Events.

Auf den zweiten Blick stellte sich heraus: Dies war doch eine etwas andere Messe. Bei der Veranstaltung Ende Juni handelte es sich um den "Cannabis-Wirtschaftsgipfel" der National Cannabis Industry Association (NCIA) - der ersten US-Berufsgenossenschaft für den Marihuana-Handel.

Geboten wurde da alles, was der Insider braucht. Von Informationen über den Stand der Marihuana-Legalisierung über komplexe Versicherungs- und Finanzfragen, Marketingtipps bis hin zu innovativen Vertriebstricks. Zum Beispiel ein elektronisch gesteuerter Cannabis-Automat, der Joints ausspuckt wie Marlboros.

Ein spröderes, doch umso wichtigeres Seminar fand am zweiten Nachmittag statt: "Das Finanzamt, Paragraf 280E und wie man sein Geschäft steuerkonform hält." Assistiert von zwei Buchhaltern, brachte einem der NCIA-Cheflobbyist Michael Correia da bei, wie man durch die noch weitgehend unkartierten Gewässer der Cannabis-Steuervorschriften manövriert.

Cannabis-Anbau in Colorado: 25,3 Millionen Dollar "Kiffersteuern" Zur Großansicht
DPA

Cannabis-Anbau in Colorado: 25,3 Millionen Dollar "Kiffersteuern"

Während Deutschland sich gerade mühsam einer Cannabis-Legalisierung für medizinische Zwecke annähert, ist das Rauschmittel in Teilen der USA längst ein großes Geschäft - und damit auch ein Füllhorn für den Fiskus. Denn wie bei anderen vormals verbotenen Substanzen, allen voran Alkohol, profitiert nicht nur die Privatwirtschaft kräftig vom Ende der Prohibition, sondern auch der Staat.

Die zusätzlichen Steuereinnahmen im Falle einer Cannabis-Legalisierung seien "kein Kleingeld", schreibt der kanadische Ökonom Stephen Easton. "Die Regierung würde den Umsatz einfach nur vom organisierten Verbrechen in die öffentliche Hand umleiten."

Doch davon sind auch die USA noch weit entfernt. Zwar erlauben inzwischen 23 Bundesstaaten - also fast die Hälfte - Cannabis für medizinische Zwecke. Doch erst zwei haben Anbau, Verkauf und Konsum komplett freigegeben, auch für "gelegentliche Freizeitnutzung". Weitere Teile der USA könnten nach den Kongresswahlen im Herbst folgen, darunter Florida und der District of Columbia mit der Hauptstadt Washington.

Marihuana-Cupcakes in den USA: Wer kifft, muss zahlen - an den Staat Zur Großansicht
REUTERS

Marihuana-Cupcakes in den USA: Wer kifft, muss zahlen - an den Staat

Die Branche erwartet, dass sich der legale Umsatzerlös aus der Droge dieses Jahr auf mindestens 2,6 Milliarden Dollar erhöht, fast doppelt so viel wie 2013. Über die Steuereinnahmen dagegen sind die Schätzungen so unzuverlässig wie die rauchigen Erzählungen bei einer Kifferparty.

Eine Studie des Cato Institutes sprach 2010 von 8,7 Milliarden Dollar. Zwei Jahre später bezifferte eine Cannabis-Petition von mehr als 300 Ökonomen die Steuereinnahmen auf sechs Milliarden Dollar. Und Ökonom Easton kam sogar auf "60 bis 100" Milliarden Dollar.

Marihuana-Konsum: Amerikas Kiffer-Paradiese Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Marihuana-Konsum: Amerikas Kiffer-Paradiese

Die Besteuerung von Cannabis ist keine neue Idee. Schon 1937 erließ der US-Kongress eine Umsatzsteuer für die damals legale Droge. Das Gesetz wurde 1970 annuliert, als Drogen wie Cannabis für illegal erklärt wurden.

Colorados Bürger waren die ersten Amerikaner, die sich per Volksabstimmung an die Re-Legalisierung wagten - und den Markt zugleich staatlich regulieren. Seit Januar hat die Landesregierung 25,3 Millionen Dollar "Kiffersteuern" eingestrichen.

Die Summe steigt von Monat zu Monat, zuletzt auf 4,8 Millionen Dollar allein im Juni. Bis Ende des laufenden Haushaltsjahrs im Juni 2015 könnte die Droge in Colorado bis zu 60 Millionen Dollar Steuern produzieren.

Der Westküstenstaat Washington - der zweite US-Staat, der Cannabis komplett legalisierte - erwartet für die kommende Haushaltsperiode mehr als 51 Millionen Dollar an Steuer- und Gebühreneinnahmen aus der Droge. Laut Rating-Agentur Moody's herrscht in Washington eine "effektive Umsatzsteuer von 44 Prozent" auf Cannabis.

Das könnte allerdings laut Moody's dazu führen, dass die Bürger sich lieber ein Rezept für medizinisches Marihuana beschaffen - denn das ist im Staate Washington vorerst noch steuerfrei.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Phil2302 23.07.2014
Das klingt ja nach deutlich mehr als das, welches von den Mehreinkünften durch die Maut eingenommen werden soll. Wäre das nicht eine Alternative?
2. Ekelhaft!
Gregor Weißenborn 23.07.2014
Bald stinkt es dann nicht mehr nur an jeder Ecke nach rücksichtslosen Rauchern und Tabakrauch, sondern auch noch nach Kiffern und Marihuana. Was ist mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Mitmenschen!?
3.
tingltangl-bob 23.07.2014
Zitat von Gregor WeißenbornBald stinkt es dann nicht mehr nur an jeder Ecke nach rücksichtslosen Rauchern und Tabakrauch, sondern auch noch nach Kiffern und Marihuana. Was ist mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Mitmenschen!?
Sie stören niemanden wenn Sie in ihren Keller zum Lachen gehen ! Tipp : Einfach mal nen Joint mitnehmen.....dann sehen Sie vielleicht auch alles nicht mehr so streng ;)
4. die unversehrtheit
uswa 23.07.2014
Zitat von Gregor WeißenbornBald stinkt es dann nicht mehr nur an jeder Ecke nach rücksichtslosen Rauchern und Tabakrauch, sondern auch noch nach Kiffern und Marihuana. Was ist mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit der Mitmenschen!?
ist sicherlich das höchste gut.. ich empfehle einen kühlen, dunklen platz im klimatisierten keller, zur not noch mit Atemmaske.. man weiss ja nie was da so alles durch die luft fliegt.
5. Freigabe ? Jein!
ariovist1966 23.07.2014
Bitte keine generelle Freigabe. So unschädlich ist Gras für die Konsumenten nicht. Aber bei medizinischer Indikation: Gras (THC in Pillenform) auf Rezept!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH






Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: