Haft in Japan Ghosn tritt als Renault-Chef zurück

Seit rund zwei Monaten sitzt Renault-Chef Carlos Ghosn in Japan in Haft. Nun ist er mit seinem Rücktritt einer möglichen Entlassung zuvorgekommen.

Carlos Ghosn (Archiv)
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Carlos Ghosn (Archiv)


Renault-Chef Carlos Ghosn ist von seinem Amt bei dem französischen Autohersteller zurückgetreten. Das sagte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire mehreren Nachrichtenagenturen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. (Lesen Sie aktuelle Entwicklungen in Davos in unserem Live-Blog.)

Renault habe am Mittwochabend das Rücktrittsschreiben von Ghosn erhalten, sagte Le Maire weiter. Kreise des Autoherstellers bestätigten in Paris die Aussage des Ministers. Der Automanager sitzt seit gut zwei Monaten in Japan in Haft.

Verwaltungsrat soll über Nachfolge entscheiden

Der Verwaltungsrat von Renault will am Vormittag zusammenkommen, um über die Führung der Gruppe zu beraten. Le Maire zufolge wird das Gremium in Boulogne-Billancourt bei Paris dann auch die "nötigen Entscheidungen" treffen.

Im Paris wird erwartet, dass Ghosns Aufgaben als Konzernchef auf seinen bisherigen Stellvertreter Thierry Bolloré und Michelin-Chef Jean-Dominique Senard aufgeteilt werden. Renault hat sich bisher offiziell zu diesem Szenario nicht geäußert.

Le Maire sagte in einem Interview, dass Senard "ein hervorragender Präsident von Renault" sein würde. Der Staat hält bei Renault 15 Prozent der Anteile und ist deshalb ein wichtiger Akteur bei dem Hersteller.

Der 64-jährige Ghosn, der einst Nissan vor der nahen Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige Autoallianz geschmiedet hatte, war im November in Tokio wegen Verstoßes gegen japanische Börsenauflagen festgenommen und später angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Die Renault-Partner Nissan und Mitsubishi entließen daraufhin Ghosn als Verwaltungsratschef. Bis zu einem Prozess können noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Manager seine Unschuld beteuert.

brt/dpa-AFX/Reuters/AFP

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Spiegelpfau 24.01.2019
1. Konglomerat
Wird dieser sinnlose Haufen aus Überkreuz-Kleinstbeteiligungen endlich zerschlagen und Renault wieder bodenständiger saniert? Mit ewigen Rabattschlachten kann kein Unternehmen dauerhaft wirschaften. Hier muss dringend etwas geschehen, um die Produkte attraktiver zu machen und nicht nur über den Preis zu verkaufen.
magerneid 24.01.2019
2. Good morning in the morning
Zu Kommentar Nr 1; ich muss sagen, dass ich bei einer Marke wie Renault weniger den Eindruck habe, dass die Firma ohne Rabatte überleben könnte. Das hört sich eher danach an, als ob wieder die alte Leier angestoßen werden soll die besagt, dass nur deutsche Autos gebrauchbar sind. Es mag sein, dass sich Dacias gut und gerne hauptsächlich wegen ihrer niedrigen Preise gut verkaufen (Rabatte gibt es da im Übrigen keine)... Bei Renault zahlt der Käufer mehr und bekommt auch mehr. Beispielsweise einen Zoé, der seit 2013 das bietet, was VW erst nächstes Jahr auf die Straße bringt, nämlich einen bezahlbaren, brauchbaren E-Wagen. Ein Verdienst u.a. von Ghosn, diese Strategie, die unter anderem auch für eine ordentliche Rendite sorgt - bei übrigens deutlich verbesserter Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, alles recherchierbar.
ambulans 24.01.2019
3. der
wirkliche skandal in dieser causa liegt für mich darin, dass hier ein >ausländischer manager, der sich zuvor unzweifelhaft um die >rettung eines bekannten japanischen unternehmens (nissan) verdient gemacht - sowie, dazu noch, ein zweites (mitsubishi) in eine weltweite allianz eingebunden und erfolgreich integriert hatte, jetzt urplötzlich und derart schnöde - um nicht zu sagen, erbärmlich - aus dem verkehr gezogen wurde: vorwurf "untreue"(?) - wenns der aufsichtsrat aber zuvor genehmigt hatte; "steuer-hinterziehung"(?) - wenns vom unternehmen angekündigt (nennt sich "allg. bilanz/geschäftsbericht/steuer-bilanz/konsolidierte konzern-bilanz" und weiteres mehr) und damit der finanzbehörde ordnungsgemäß mitgeteilt worden war. was hier stattfindet, ist nix anderes als übelste >wirtschaftspolitik per brechstange, und sowas kennen wir ja leider zur genüge seit US-trump. deshalb: Japan? - B.!D.!S.! (in worten: boycott, de-invest, sanctions) - bis sies halt begreifen ...
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