Neue Carsharing-App US-Start-up will deutschen Carsharing-Markt erobern

Beim US-Carsharing-Dienst Turo können Nutzer ihre Privatautos tageweise an Fremde vermieten. Nun startet die Plattform auch in Deutschland - gemeinsam mit Daimler.

Turo-Chef Andre Haddad (l), und Deutschlands Turo-Chef Marcus Riecke
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Turo-Chef Andre Haddad (l), und Deutschlands Turo-Chef Marcus Riecke


In den USA ist die Carsharing-Plattform Turo bereits aktiv, jetzt will das US-Unternehmen auch den deutschen Markt erobern. Nach dem Einstieg des Autobauers Daimler im vergangenen Jahr, steht der Dienst nun auch hierzulande zur Verfügung. Wie Turo mitteilte, können Nutzer in Deutschland seit Freitag ihre Privatautos tageweise über die Plattform vermieten. In den USA, Kanada und Großbritannien hat die Plattform bereits mehr als fünf Millionen Mitglieder und 200.000 Autos.

Ähnlich wie bei Airbnb, wo Menschen ihre Zimmer, Wohnungen oder ganze Häuser zeitweise Fremden überlassen, kann man Turo per Internetseite oder Handy-App nutzen. Dort gibt man an, wann man wo für wie lange welche Art von Fahrzeug braucht, und die Plattform vermittelt einen Vermieter, der genau das im Angebot hat. Der wiederum bezahlt eine Art Provision an Turo. Die Allianz versichert die Autos für den Mietzeitraum.

Mit dem Konzept ist Turo allerdings nicht allein auf dem deutschen Markt. Der Carsharing-Dienst tritt in Konkurrenz zu Anbietern wie Drivy oder Snappcar, die schon länger in Deutschland aktiv sind. Das Daimler-Angebot Croove soll hingegen in Turo aufgehen und als eigenständige Marke verschwinden. Der Stuttgarter Autobauer, zu dem auch der Car-Sharing-Anbieter Car2Go gehört, war vergangenes Jahr bei Turo eingestiegen.

In Deutschland gilt das Auto als Statussymbol

Trotz großer Konkurrenz hält der hiesige Turo-Chef Marcus Riecke Deutschland für ein lohnendes Ziel - unter anderem wegen des großen Automarkts. Außerdem sei es ein beliebtes Reiseland.

Nach Erfahrungen von Drivy-Chef Nils Roßmeisl sind die Deutschen was ihre Auto angeht aber doch etwas anders als andere. "In Frankreich und Spanien gilt das Auto in erster Linie als Fortbewegungsmittel, nicht als Statussymbol, wie es in Deutschland eher noch der Fall ist", sagt er. Auch werde das Angebot dort mehr von Urlaubern genutzt. "Bei uns ist Drivy vor allem für Städter attraktiv, die ein paar Tage aus der Stadt raus wollen oder ein Fahrzeug für einen Transport oder Umzug benötigen."

Das französische Unternehmen Drivy ist nach eigenen Angaben Marktführer in Europa, verweist auf 1,5 Millionen Nutzer und 45.000 Autos in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Österreich und Belgien. In Deutschland sei die Hauptaufgabe, erst einmal ein Bewusstsein für Car-Sharing bei potenziellen Vermietern und Mietern zu schaffen.

Turo-Chef Haddad ist dennoch optimistisch und hat große Ziele für 2018. Bis Ende des Jahres wolle man in Deutschland Marktführer sein, heißt es. In sechs bis zwölf Monaten könne in Berlin und München die "kritische Masse" erreicht sein, also so viele Nutzer, dass das System vernünftig funktioniert. In Städten wie Stuttgart, Frankfurt oder Köln dürften es wohl zwei bis drei Jahre werden, glaubt er.

Nico Esch, dpa/asc

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