Umstrittene Fondsgeschäfte Maschmeyer will Sarasin-Bank verklagen

Carsten Maschmeyer wurde als "Drückerkönig" bekannt. Nun will er selbst die Schweizer Bank Sarasin wegen Täuschung verklagen. Es geht um Fonds mit einem umstrittenen Geschäftsmodell - von dem Maschmeyer angeblich nichts wusste.

Unternehmer Maschmeyer: Warten auf 26 Millionen Euro
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Unternehmer Maschmeyer: Warten auf 26 Millionen Euro


Düsseldorf - Der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer und weitere Anleger wollen die Schweizer Privatbank Sarasin verklagen. Hintergrund sind Investitionen in einen Fonds der Luxemburger Firma Sheridan, der sogenannte Cum-Ex-Geschäfte betrieben haben soll. Laut einem Bericht des "Handelsblatts" geht es um eine Investition über 40 Millionen Euro, von der Maschmeyer bislang nur 26 Millionen Euro zurückerhielt. Der Gründer des umstrittenen Finanzvertriebs AWD wirft den Verantwortlichen bei Sarasin "vorsätzliche Täuschung" bei der Beratung vor.

Nach Informationen des "Stern" steckte Maschmeyer wiederholt Geld in den Fonds und machte dabei zunächst auch Gewinn. Anders sehe es mit der 40-Millionen-Euro-Investition aus, in der auch Geld von Maschmeyers Verlobter, der Schauspielerin Veronica Ferres, und vom derzeitigen HSV-Trainer Mirko Slomka stecke. Auch der Fleischunternehmer und Schalke-Boss Clemens Tönnies und der Hamburger Prominenten-Anwalt Matthias Prinz hätten Millionen in Sheridan-Fonds investiert.

Bei Cum-Ex-Geschäften, auch bekannt als Dividendenstripping, werden Aktien in hoher Frequenz um den Stichtag für eine Dividendenzahlung herum gehandelt. Mit Hilfe dieser Manöver lassen sich Händler mehr Kapitalertragssteuer erstatten als gezahlt wurde. In Deutschland unterbindet eine Steuerreform die Masche inzwischen. Deshalb wurden Banken und Fonds im Ausland in die Geschäfte eingebunden.

Maschmeyer behauptet laut "Handelsblatt", ihm sei zugesagt worden, dass die von ihm gezeichneten Fonds nicht auf Cum-Ex-Geschäften beruhten. "Die Bank hat zugesichert, dass es sich um ein sicheres, seriöses und legales Geschäft handelt und verweigert seit Herbst 2011 die vollständige Auszahlung des Anlagebetrags", zitiert die Zeitung Maschmeyer. Bank-Vorstand Eric Sarasin habe ihm persönlich versichert, "dass hier keine Anlage zu Lasten der Steuerzahler getätigt worden ist". Sarasin selbst erklärte dem Blatt gegenüber lediglich: "Ich stehe in dieser Frage in Kontakt mit Carsten Maschmeyer."

Auch Medienanwalt Prinz sagte dem "Stern", die Bank habe ihm versichert, dass es keine Anlage zu Lasten des deutschen Steuerzahlers sei. HSV-Trainer Slomka ließ mitteilen, die Bank habe ihm "ausdrücklich bestätigt, dass diese Anlage absolut sicher, seriös und steuerlich unbedenklich" sei. Schalke-Boss Tönnies sagte, er habe bis heute "keinerlei steuerliche Vorteile erzielt".

Maschmeyer steht wegen der Vertriebspraktiken von AWD seit langem selbst in der Kritik. Mittlerweile hat er das Unternehmen an den Finanzkonzern Swiss Life Chart zeigen verkauft und ist vor allem als Investor tätig.

dab

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pepe_sargnagel 19.03.2014
1.
Zitat von sysopDPACarsten Maschmeyer wurde als "Drückerkönig" bekannt. Nun will er selbst die Schweizer Bank Sarasin wegen Täuschung verklagen. Es geht um Fonds mit einem umstrittenen Geschäftsmodell - von dem Maschmeyer angeblich nichts wusste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/carsten-maschmeyer-will-sarasin-bank-verklagen-a-959657.html
Ich würde mich sehr freuen, wenn er damit durchkommen würde. Aber sollte es eng werden, dann wird ein Vergleich angestrebt. Nicht, dass ein Grundsatzurteil für Abertausende weitere Getäuschte gesprochen würde... Wir entwickeln uns in Richtung Amerika, wo man nicht mit der Hände Arbeit, sondern mit einer Klage reich werden kann. Aber den Unternehmen, die in der Tat betrügen muss endlich das Handwerk gelegt werden. Berufsverbote und Entzug der Konzessionen bei gewerbsmäßigem Betrug müsste möglich werden. Dafür braucht es ein Unternehmensrecht - her damit! Mir reicht es langsam, dass man sich immer hinter einem Bauernopfer verstecken kann. Das machen ja kriminelle Großfamilien (hinter dem Minderjährigen) und das organisierte Verbrechen auch nicht anders. Wieso muss man nun auch im Handel und in der Produktion solche Methoden befördern? Lieber erst gar nicht einreißen lassen - wenn es dafür nicht schon zu spät ist.
wolleb 19.03.2014
2. optional
Lustig, jetzt verklagen sich die Abzocker und Betrüger gegenseitig.
galbraith-leser 19.03.2014
3. In Abwandlung eines bekannten Lutherzitats...
...dürfte zumindest Herrn Maschmeyer klar sein: Trau keinem Fuchs auf offener Heid und keiner Bank bei ihrem Eid. Was aus dem Artikel aber nicht klar hervorgeht ist der Umstand, ob alle Betroffenen auf die Rückzahlung des gesamten oder nur eines Teilbetrags der investierten Gelder warten und warum sie das tun. Ob der Fonds obskur investiert hat, steht auf einem anderen Blatt. Im Fall von Maschmeyer, dessen AWD ja höchst umstritten ist, dürfte bei vielen Geschädigten das Mitleid eher gering ausfallen.
ambulans 19.03.2014
4. also,
danach, dass es hier etwa völlig die "falschen" getroffen haben könnte, sieht es ja nun nicht gerade aus ...
klugscheißer2011 19.03.2014
5. Pack
Zitat von sysopDPACarsten Maschmeyer wurde als "Drückerkönig" bekannt. Nun will er selbst die Schweizer Bank Sarasin wegen Täuschung verklagen. Es geht um Fonds mit einem umstrittenen Geschäftsmodell - von dem Maschmeyer angeblich nichts wusste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/carsten-maschmeyer-will-sarasin-bank-verklagen-a-959657.html
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Der Teufel soll ja auch schon mal den Belzebub verklagt haben.
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