Celesio-Tochter: Pharmadiscounter DocMorris soll verkauft werden

Die Revolution fiel aus, die deutschen Apotheker haben ihre Privilegien erfolgreich gegen den Versandhändler DocMorris verteidigt. Nun plant der Eigentümer Celesio laut "FAZ" einen Verkauf der Kette, die ihm vor allem eins brachte: viel Ärger mit der Apothekerbranche.

Mittlerweile geschlossene DocMorris-Filiale in Saarbrücken: Sieg der Apotheker Zur Großansicht
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Mittlerweile geschlossene DocMorris-Filiale in Saarbrücken: Sieg der Apotheker

Frankfurt am Main - Die Erwartungen waren gewaltig. Als der Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio Chart zeigen 2007 die Versandhandelsapotheke DocMorris übernahm, schien nicht weniger als eine Revolution möglich. Nach einer erhofften Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes wollte sich Celesio mit der Kette im ganzen Land etablieren. Doch der Bundesgerichtshof machte dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung, indem er 2009 das deutsche Apothekermonopol bestätigte.

Nun hat sich Celesio offenbar endgültig von den einstmals großen Plänen verabschiedet. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") soll DocMorris verkauft werden. Celesio habe bereits die Deutsche Bank Chart zeigendamit beauftragt, nach Investoren zu suchen. Ein Sprecher von Celesio wollte sich dazu nicht äußern, verwies aber auf die Bilanzpressekonferenz am Dienstag.

Der Pharmahändler denkt bereits seit längerem über einen Verkauf nach. "Was DocMorris angeht, so schließe ich keine Option aus", hatte Celesio-Chef Markus Pinger im Oktober gesagt. Das Ziel, DocMorris zu einer europaweiten Dachmarke für Apotheken auszubauen, stellte Pinger damals in Frage. Die Markenstrategie von Europas größtem Pharmahändler müsse überprüft werden: "Das muss nicht zwangsläufig alles unter der Marke DocMorris laufen."

Mit dem Kauf von DocMorris hatte Celesio einen massiven Konflikt mit Apothekern heraufbeschworen. Viele von ihnen beschlossen nach der Übernahme einen Boykott des Pharmagroßhändlers, wegen entsprechender Absprachen verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld von 1,2 Millionen Euro.

DocMorris erzielt laut "FAZ" im Versandhandel einen Jahresumsatz von gut 300 Millionen Euro und ist durchaus rentabel. Für die Übernahme soll Celesio einst knapp 200 Millionen Euro gezahlt haben.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Lobbyisten schaden unserer Gesellschaft
sabine_26 26.03.2012
Das ist doch wieder ein typisches Beispiel, wie Lobbyisten der Gesellschaft schaden zufügen zum Vorteil einiger Apotheken- Betreiber. Wie viele Jahrhunderte wollen wir noch an diesem Monopol festhalten? Der Preiskampf fällt aus - die Apotheker werden fetter - Zahlen tut der Bürger.
2. Bildunterschrift falsch
tbal 26.03.2012
Die Bildunterschrift unter dem zu dem Artikel gezeigten Bild ist vollkommen falsch. Die DocMorris Apotheke in Saarbrücken ist keineswegs geschlossen, sondern wird vielmehr weiterhin lt. Impressum der Internetseite dieser Apotheke als Einzelunternehmung von einer Apothekerin betrieben. Insoweit wäre für den/die RedakteurIn eine kurze Internetrecherche durchaus zumutbar gewesen, um zu einer korrekten Darstellung zu gelangen.
3. Heucheleien
j1958 26.03.2012
Zitat von sysopDPADie Revolution fiel aus, die deutschen Apotheker haben ihre Privilegien erfolgreich gegen den Versandhändler DocMorris verteidigt. Nun plant der Eigentümer Celesio laut "FAZ" einen Verkauf der Kette, die ihm vor allem eins brachte: viel Ärger mit der Apothekerbranche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823882,00.html
Unsere Politiker beklagen oft die griechischen Zustände, in denen bestimmte Berufsgruppen (z.B. Transport, Taxi etc.) gegen Wettbewerb geschützt waren. Aber in Deutschland ist es dasselbe, für die Gesellschaft nutzlose Pfründe werden auf ewig fortgeschrieben. Man stelle sich nur das Geschimpfe vor, wenn die deutschen Apothekendinos in Griechenland säßen: wieder ein Beispiel dafür dass nur gemauschelt wird. Wir Deutschen sind eben vor allem in der Heuchelei Weltklasse. Auch die Regelung vieler Versandapotheken, nach denen der Kunde für seine Mitarbeit einen Bonus bekommt, haben die Gerichte ja kürzlich gekippt. Also geht wieder alles in die Apotheke um die Ecke und die Beiträge steigen weiter. Die höchsten Arzneimittelpreise haben wir ja schon.....
4.
boeseHelene 26.03.2012
Zitat von sabine_26Das ist doch wieder ein typisches Beispiel, wie Lobbyisten der Gesellschaft schaden zufügen zum Vorteil einiger Apotheken- Betreiber. Wie viele Jahrhunderte wollen wir noch an diesem Monopol festhalten? Der Preiskampf fällt aus - die Apotheker werden fetter - Zahlen tut der Bürger.
richtig wenn mir manchmal Freunde so erzählen was sie in Holland so für Medikamente bezahlen, dann schüttle ich nur mit dem Kopf das sind die selben Medikamente teilweise um einiges günstiger abgepackt in Deutschland.
5.
cb81 26.03.2012
Sie scheinen nicht zu wissen, wie die Arzneimittel-Preise in Deutschland zustande kommen: rezeptpflichtige Arzneimittel werden durch die Ampreisv geregelt, also mitnichten durch die bösen, fetten Apotheker vor Ort bestimmt. Im Gegensatz zu versandapotheken leisten die hochqualifizierten Apotheker vor Ort Notdienste, Beratung und einen Service, den viele - vor allem aeltere Menschen - sehr zu schätzen wissen. Übrigens ist die wirtschaftliche Lage der "apothekendinos" sehr viel schlechter geworden als die meisten Neider wahrhaben wollen: achten sie mal darauf, wieviele Apotheken vor Ort schließen bzw. bereits zu sind. Es ist nur fair, dass für alle Bewerber am Markt dieselben Spielregeln gelten und wir haben es bei arzneimitteln nun mal nicht mit irgendwelchen trivialen waren wie bspw. Lebensmitteln zu tun. Was der Versandhandel von Arzneimitteln für Blüten (gefaelschte arzneimittel) trägt, kann dem Verbraucher auch nicht gefallen.
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