Tierschutz Chanel verzichtet auf Pelze und Krokodilleder

Tierschutz wird Verbrauchern immer wichtiger. Die Firma Chanel zieht als eines der ersten Luxuslabels die Konsequenz - und verzichtet auf umstrittene Stoffe. Motto: "No more Croco for Coco."

Pelzmantel
DPA

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Das französische Modeunternehmen Chanel will in Zukunft auf Leder von exotischen Tieren verzichten. Man werde nur noch Haut von Tieren benutzen, die aus der Lebensmittelindustrie als Abfallprodukte kommen, sagte der Präsident der Chanel-Modesparte, Bruno Pavlovsky, der Modezeitschrift "Vogue". Pelz solle es ab Mai überhaupt nicht mehr in den Kollektionen geben.

Grund für den Verzicht auf Leder von Tieren wie von Krokodilen, Eidechsen, Schlangen und Stachelrochen sei, dass es zu schwierig sei, deren Herkunft sicherzustellen. "Immer mehr Kunden wollen von uns wissen, woher die Materialien stammen und wie die Tiere gehalten werden", sagte Pavlovsky.

Nur dadurch entspreche das Leder den ethischen Standards des Hauses. Für die Zukunft sieht Pavlovsky auch die Möglichkeit, auf Biotech-Leder umzusteigen. "Aber das wird nicht in der nahen Zukunft geschehen", sagte er.

Umsatzeinbußen versus Preisschübe

Kurzfristig könnte Chanel von der strategischen Entscheidung profitieren. Analysten glauben, dass der Wert der verbleibenden Produkte aus exotischen Häuten nun deutlich steigt.

Ein Anzeichen: Neue Taschen aus Pythonhaut waren am Dienstag zum Beispiel auf der Chanel-Webseite nicht mehr erhältlich. Auf Secondhand-Portalen werden sie aber weiter für 5500 Euro und mehr gehandelt.

Mittelfristig dürfte der Verzicht auf bestimmte Materialien allerdings in der Bilanz spürbar werden. Bisher hatte Chanel mit Taschen, Mänteln und Schuhen aus Kroko- und Schlangenleder Preise von bis zu 9000 Euro pro Stück erzielt.

Wertewandel bei der jüngeren Kundschaft

Langfristig dürfte die Maßnahme für den Konzern unvermeidlich sein, wenn er seine Kunden halten will.

Analysten verwiesen auf einen Wertewandel bei der jüngeren Kundschaft. Diese legten immer stärker Wert darauf, dass Produkte auf ethische Weise beschafft worden seien und eine minimale Auswirkung auf die Umwelt hätten. Zwar würden junge Menschen diese Haltung im Alltag nicht immer konsequent durchhalten. Doch die Bedeutung von ethischem Konsum steige.

Tierschützer begrüßten die Ankündigung der französischen Luxusmarke. Chanel rette damit die Leben zahlreicher Krokodile, Schlangen und Eidechsen, teilte der Tierschutzbund Humane Society International (HSI) mit. Die Organisation PETA rief andere Luxusmarken wie Louis Vuitton auf, dem Beispiel zu folgen und "zahllosen Tieren ein miserables Leben und einen schmerzhaften Tod zu ersparen".

Nach Angaben des ORF ist Chanel eines der ersten Luxuslabels, das exotische Tierhäute aus seiner Produktpalette streicht. Zuvor hatten allerdings schon Unternehmen wie Asos, Nike, H&M, Puma und die Marke Diane von Furstenberg ähnliche Ankündigungen gemacht.

ssu/AFP/dpa-AFX

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insgesamt 5 Beiträge
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vox veritas 05.12.2018
1.
Früher hat man Tierpelze und Felle genutzt, weil sie bei kaltem Wetter besser wärmen als Stoffprodukte. Heute sind wird weiter und nutzen Produkte aus künstlichen Materialien, die bessere Ergebnisse liefern und erschwinglicher für die Allgemeinheit sind.
dasfred 05.12.2018
2. Für Chanel ist die Entscheidung nachvollziehbar
Das aber H&M kein Krokoleder mehr verarbeitet schockiert mich. Sollte etwa das Material so teuer sein, dass man Taschen nicht mehr für einstellige Dollar Beträge in Asien fertigen lassen kann? Der Markt für Pelze und Reptilleder ist seit Jahren rückläufig. Leopard und Ozelot werden seit dreißig Jahren nur als Dekor aufgedruckt, Kroko ist als Prägeleder und Kunststoffinformation im untersten Preissegment angekommen. Da hat das echte Leder keinen emotionalen Mehrwert mehr. Lediglich ein paar reiche Russen und Chinesen verlangen noch nach dem vermeintlich echtem Luxus. Der Rest der Luxus Kundschaft hat keine Lust, sich im Internet einem shitstorm auszusetzen.
polltroll 05.12.2018
3. Tolle PR-Kampagne
Echte Pelze sind in der öffentlichen Meinung seit Jahrzehnten verpönt! Der Jetzige Ausstieg kann daher nur wirtschaftliche Gründe haben. Wahrscheinlich ist die Zielkundschaft weggestorben oder möchte ihr Image als Weltenretter pflegen. Man fährt ja schließlich auch neuerdings gern Luxus Elektroautos. Dazu passt ein totes Kroko am Arm natürlich nicht.
Check-up 05.12.2018
4. Chanel nur Nachzügler - Gucci et. al. seit 2017 ohne Pelz
Chanel ist bei weitem nicht das erste Luxuslabel das auf Pelz verzichtet, sondern zieht hier lediglich nach. Gucci hat dies bereits vor einem Jahr angekündigt auf Pelz zu verzichten und reagierte da bereits verspätet auf ähnliche Ankündigungen anderer Labels ("Gucci joins the likes of Calvin Klein, Ralph Lauren, Tommy Hilfiger and Armani, which are all fur-free"): https://www.businessoffashion.com/articles/news-analysis/gucci-bans-fur-saying-its-not-modern (Pressemeldungen immer besser noch einmal überprüfen ;) )
kindlgate 05.12.2018
5. Tragische Fehlentscheidung
Die Kunstform exotische Häute zu verarbeiten darf nicht wegen eines eingebildeten Zeitgeistes sterben. Die Kritiker haben weder Ahnung von den Materialien noch vom Herstellungsprozess. Bleibt die Hoffnung, das LV und BV standhaft bleiben und mögen sie viel Geld mit Häuten verdienen. Armer Karl, dein Lebenswerk wird zu früh verschandelt
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