Opel-Chef zum Sparkurs: "Wir dürfen GM nicht länger auf der Tasche liegen"

Der Opel-Chef bereitet seine Mitarbeiter auf eine harte Zeit vor. "Wir drehen jeden Stein um", sagt Karl-Friedrich Stracke. Der US-Mutterkonzern General Motors sei zu Recht ungeduldig mit seinem Unternehmen. Opel müsse so schnell wie möglich wieder profitabel werden.

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Opel-Chef Stracke: "Wir müssen nachhaltig Gewinne schreiben"

Berlin - Der Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke will den angeschlagenen Autohersteller sanieren. In der "Bild"-Zeitung bemühte er sich nun, den Arbeitnehmern die Angst vor einem Job-Verlust zu nehmen. Statt Werkschließungen und Entlassungen setze der Konzern auf eine Modelloffensive und Kostenersparnisse, sagte Stracke der Zeitung. "Wir schärfen unsere Marke, setzen auf Export, nutzen clevere Allianzen und verschlanken unsere Produktion. Kurzum: Wir drehen in unserem 150. Jubiläumsjahr jeden noch so kleinen Stein um."

Vor zwei Wochen hatte der Opel-Aufsichtsrat das vom Vorstand vorgelegte umfassende Sanierungskonzept gebilligt, derzeit verhandeln Betriebsrat, IG Metall und Vorstand die Umsetzung. Ein Bestandteil der Verhandlungen ist dabei eine Job-Garantie in allen Werken bis Ende 2016. "Wer in Deutschland kann sich heute schon an einer Job-Garantie für die kommenden vier Jahre erfreuen? Langfristig gibt es aber nur eine Arbeitsplatzgarantie: Wir müssen nachhaltig Gewinne schreiben", sagte Stracke.

Eine zu große Abhängigkeit vom US-Mutterkonzern General Motors wies er zurück: "Opel ist seit 1929 Teil von GM und wir können auf viele gemeinsame Erfolge zurückblicken." Dass der GM Erfolge sehen will, könne er verstehen. Der US-Konzern wolle, "dass Opel wieder voll punktet". Aber GM sei zu Recht ungeduldig, so Stracke. "Deswegen müssen wir so schnell wie möglich wieder profitabel werden. Wir dürfen unserer Mutter nicht länger auf der Tasche liegen."

Opel-Standorte
Eisenach
Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.
Rüsselsheim
Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 5500 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.

In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
Bochum
Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort etwa 5300 Menschen. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
Kaiserslautern
In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2360 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
Europa
Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken produziert: Antwerpen/Belgien (Astra), Gleiwitz/Polen (Agila, Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).

cte/Reuters

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Wie bitte?
rodelaax 11.07.2012
Auf der Tasche liegen? GM war es doch, die Milliarden aus Opel abgeschöpft haben, als es der Marke noch gut ging. Die Konsequenz war, dass Geld für Inovationen gefehlt hat und spätestens seit den 80ern, Opel von jedem anderen deutschen Autohersteller in jeder Hinsicht (Technik und Design) überflügelt wurde und nie wieder wirklich Erfolg hatte.
2. ...
deus-Lo-vult 11.07.2012
Zitat von sysopAPDer Opel-Chef bereitet seine Mitarbeiter auf eine harte Zeit vor. "Wir drehen jeden Stein um", sagt Karl Friedrich Stracke. Der US-Mutterkonzern General Motors sei zu Recht ungeduldig mit seinem Unternehmen. Opel müsse so schnell wie möglich wieder profitabel werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843736,00.html
Dann soll GM verdammt noch mal die Märkte für Opel öffnen! GM at ALLES aus Opel rausgezogen wie eine Zecke! Geld, Patente, etc. Dass Opel so mies dasteht, ist zum größten Teil die Schuld GMs!
3.
ekel-alfred 11.07.2012
Zitat von sysopAPDer Opel-Chef bereitet seine Mitarbeiter auf eine harte Zeit vor. "Wir drehen jeden Stein um", sagt Karl Friedrich Stracke. Der US-Mutterkonzern General Motors sei zu Recht ungeduldig mit seinem Unternehmen. Opel müsse so schnell wie möglich wieder profitabel werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843736,00.html
Dann muss Opel auch ungehinderten Zugang zu allen Absatzmärkten bekommen. Alles andere ist Augenwischerei und dient dazu den Opelanern noch mehr Geld aus der Lohntüte zu nehmen. Man hat den Eindruck, die Beschäftigten müssen beizeiten noch Geld mitbringen, um bei Opel schrauben zu dürfen.....
4. Aha - aber dem deutschen Steuerzahler
zeitmax 11.07.2012
...darf man aus US-Sicht natürlich auf der Tasche liegen, ist ja schließlich ein Besatzerland? Schließe mich meinen Vor-Kommentatoren an.
5. Verluste haben steuerliche Gründe und sind von GM so vorgegeben
matthyk 11.07.2012
Es ist traurig, dass im Artikel solche Aussagen so unreflektiert an die Öffentlichkeit weitergegeben werden. "Verluste" bei den Tochtergesellschaften von GM (im Prinzip trift das aber auf die meisten global agierenden Unternehmen zu) entstehen hauptsächlich aus steuerlichen Gründen auf dem Papier. Das ist auch der Grund, warum diese oft eine komplexe Struktur haben: Vorprodukte und Dienstleistungen werden zwischen den Gesellschaften so in Rechnung gestellt, dass Gewinne und Verluste in den dafür vorgesehenen Ländern anfallen. Bei Opel und GM sind das insbesondere Lizensierungen, über die das erreicht wird: Opel muss GM-Technologie teuer bei GM lizensieren. Da können die Arbeitnehmer noch so viele Abstriche machen, diese Art von "Verlusten" ist gewollt. Trotzdem nutzt man das natürlich als Vorwand, um sich gegenüber den Arbeitnehmern und der Öffentlichkiet in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen...
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Fotostrecke
Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia

Chronologie der Opel-Krise
Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft. Ein Rückblick vom Jahrtausendwechsel bis heute:
  • 2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss gehen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, die GM-Tochter mit dem europaweit angelegten Restrukturierungsprogramm "Olympia" wieder profitabel zu machen.
  • 2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für Opel vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.
  • 2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
  • 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
  • 2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
  • 2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
  • 2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
2012: Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von 575 Millionen Euro. Das Europa-Geschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.